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Nussschalen und Rohalskappen
Borkforst, 19. Travia 1033 BF

Rauschen erfüllte die Luft, ein leises Plätschern durchdrang den dünn bewachsenen Waldsaum des Borkfortes, immer wieder stieß der Beleman sanft durch die Kronen der Rotbuchen und Rosskastanien und tauchte den Wald in ein buntes Spiel aus fallenden, vielfarbigen Blättern. Der Boden war tief und feucht, der lange andauernde Regenfall der letzen Tage hatte den wenig Wasser führenden Knorrbach in einen munter sprudelnden und gurgelnden Bach verwandelt. Graf Hagen und Grimmerich standen ruhig nahe einer eng gewachsenen Baumgruppe im tiefen Sonnenlicht des noch frühen Tages. Zwischen dem Bachlauf und einem umgefallenen Baum ging Paske mit einem Tuchbeutel umher, der Blick war dabei auf den im leichten Nebel liegenden schattigen Boden gerichtet. »Es ist lange her dass ich Rohalskappen und Steinpilze gesammelt habe, es war wohl doch eine gute Idee mich auf einen kleinen Ausritt mitzunehmen, wobei du dabei sicher in erster Linie an die Sicherheit der Ländereien gedacht hast …« Er ging in die Knie um eine kleine Gruppe Pilze mit Hilfe eines kurzen, gekrümmten Messers einzusammeln und lachte scherzhaft auf »Ich hoffe wir vergeuden nicht zu viel Zeit mit dieser ungeplanten Ernte …«

Wulfgar zog begleitet von einem schmierigen Schmatzen seinen Reiterstiefel aus dem aufgeweichten Boden und ließ die Arme kreisen, während er die nach Harz, Regen und Moos duftende Waldluft genüsslich und mit tiefen Zügen in seine Lunge schwemmen ließ. Natürlich hingen in den Gassen Zweimühlens weder die Ausdünstungen hunderter Rinder noch die Wohlgerüche der wappenspendenden Schweine wie in Wutzenwald, aber die Luft unterschied sich dennoch merklich von allem, was der Wind so durch die Gassen der kleinen, von Leben erfüllten Stadt trug. »Wie kommst du darauf, dass ich eine Suche nach den Gaben der gütigen Göttin als Zeitverschwendung abtun könnte? Vielleicht haben wir ja Glück und finden einen wahren Waldmeister? Oder etwas Sauerklee, das bereichert jede Stulle mit Käse. Lediglich Pfeifenkraut bleibt uns hier wohl verwehrt.« Er schmunzelte und stapfte zu einer nahen Ansammlung von locker gestreuten Sträuchern, die wohl erst vor wenigen Monden damit begonnen hatten, sich aus dem Erdreich den Strahlen des Praiosmals, die durch die Wipfel brach, entgegenzurecken.
Seine Hand fuhr behutsam durch das Blattwerk und griff nach einem Stück des raschelnden rotgefärbten Schmucks, dass er sanft aus dem Gewirr löste und in seiner Handfläche begutachtete, ohne es von seinem Zweig abzutrennen. »Bluthasel … in meiner Heimat erzählt man sich, dass Ifirn sich in Zeiten der Not dem Leid der Tiere im tiefsten Winter erbarmte und versteckt, wenn der Blick ihres grimmen Vaters nicht auf ihr ruhte, einige Tropfen ihres Blutes in den Schnee fallen ließ, auf dass an genau dieser Stelle im kommenden Jahr ein neuer lebensverheißender Strauch sprießen sollte.« Er warf einen Blick zurück zu dem am Waldboden kauernden Magier. »Weißt du, Paske, wasdas Schöne an diesen Geschichten ist, die du jetzt gerade bestimmt im Stillen belächelst?«

»Himmel-Ork-und-Wolkenbruch!« entgegnete Paske fluchend, er erhob sich ruckartig wie von der Maraske gestochen, seine Miene war für den Hauch eines Augenblicks von Schmerz gezeichnet. Argwöhnisch betrachtete er seinen Zeigefinger und steckte ihn sich nach reiflicher Überlegung für einen Moment in den Mund um das aus dem kleinen Schnitt sickernde Blut zu saugen. Es dauerte nur wenige Wimpernschläge, bis der Halbelf wieder die Fassung zurückgewonnen hatte. »Wie meinen, ... ach ja, ... dass ein Funken Wahrheit in ihnen steckt, … man sagt ja auch die Weidener wissen zwar, wo dem Ork der Kopf abzuschlagen ist, aber sonst recht wenig von der Welt.« Er grinste leicht und betrachtete kurz seinen Finger und hob dann das Messer und die geschnittenen Rohalskappen vom Waldboden auf, um diese im Tuchbeutel sauber zu verstauen. »Nun etwas Zeit haben wir ja, um noch ein paar Schritte in den Wald zu gehen« Er deutete den plätschernden Bachlauf entlang in Richtung einer Anhöhe. Wulfgar zog fragend die Augenbrauen in die Höhe, ein verschmitztes Grinsen umspielte seinen Mundwinkel, während sein Blick Paskes Fingerzeig folgte. »Du bist wohl im Zorkforst noch nicht genug durch den Matsch gestiefelt, was? Aber was weiß ich einfältiger Weidener schon vom Leben außerhalb der vom Kaminfeuer gewärmten Mauern.« Obgleich er zugegebenermaßen nicht unbedingt der Richtige wahr, um vor dem Svelltaler seine Begabung als Wildniskundiger zu heucheln, belustigte ihn der Gedanke, dass es heute ausgerechnet den Magier nach einem Spaziergang im Wald verlangte, schätzte Paske doch nichts mehr als einen guten Wein und ausgezeichnete Lektüre in der warmen Stube. Vielleicht hatte sein Gefährte auch lediglich einen interessanten Zeitpunkt erwählt, um sich auf sein elfisches Erbe zu besinnen. Vermutlich tat er seinem Freund sogar Unrecht. Paske war nicht Eldrinn. Und dennoch schien er, dem Almadaner Magier nicht unähnlich, diese Seite von sich immer weit von sich zu weisen. »Und um meine Frage selbst zu beantworten, die du in Verweis auf eines unserer zahlreichen Talente abgebürstet hast: Das Schöne ist, dass Sie das Wirken der Götter in unserer Welt spürbar machen. Wer kann schon sagen, ob es wirklich so ist, aber allein der Gedanke daran, spendet Trost und Hoffnung. Deshalb bin ich auch ganz vernarrt in den Mond der Ernte. Anders als alle Orden, Titel oder Heldensänge ist das ein viel unmittelbarer Lohn für alle zurückliegenden Mühen und Anstrengungen.« Aufsteigende Gefühle der Bitterkeit und Kälte, die sich um sein Herz krampften, kämpfte Wulfgar nieder und verbarg sie sorgsam unter einem verklärten, abwesenden Lächeln, als er zu Paske aufschloß. »Pilze sammeln also?« Er legte einen lauernden, aber nicht unfreundlichen Unterton in die Frage, die er an seinen Gefährten richtete. »Ist es das, was den schwer beschäftigten Paske, der sich nur noch selten in der Grafenburg blicken läßt, dieser Tage so umtreibt?« Wulfgar stieß einen kurzen Pfiff aus und Socke, der gerade noch seine Schnauze in einem Kaninchenbau vergraben hatte, hob den schlammverschmierten Kopf und stellte, aufgeregt hechelnd die Ohren an. Er schien abzuwägen, ob er nicht lieber seinem Jagdtrieb nachgehen wollte und trottete dann, nach kurzem Zögern gemächlich an die Seite seines Herrn.

»Ach, dabei solltest doch gerade du dich dabei glücklich schätzen, oder ist dir im Moment etwa nach theoretischen Abhandlungen über die hochgradig komplexen und vielschichtigen arkanen Möglichkeiten wie man ohne einen Hammer einen Eisennagel in ein Brett schlagen könnte?« Feixend legt er ihm für einen Moment eine Hand auf die Schulter »Vielleicht finde ich neben den ganzen Gaumenfreuden auch einen seltenen Pilz, einer der mir das Repertoire an alchemische Rezepturen erweitert, ... warten wir doch einmal ab« Mit ein paar flinken Handgriffen verknotete er den halb gefüllten Tuchbeutel neben ein paar Beutelchen locker an seinem Gürtel, klopfte sich die schmutzigen Hände an der Robe ab und ging dann langsam voran. Ohne weiter ein Mann vieler Worte zu sein, ging er dann die Gedanken ordnend am Bachlauf entlang. Dabei balancierte er spielerisch Schritt für Schritt am steinigen wie schlammigen Rand des Wasserlaufes entlang, Unbekümmertheit lag in seiner Bewegung. »Und was mich beschäftigt, bei den Zwölfen mir war nur nach ein paar Stunden Sonnenlicht fern von allen Dingen, ... nicht das mich etwas bewegt oder Kummer umtreibt. Nur eben die Gedanken schweifen lassen, ... da musst du dir keine Sorgen machen. Und um ehrlich zu sein, muss auch nicht immer die ganze Grafenburg darüber informiert sein worüber sich zwei Freunde unterhalten ... in deiner Küche wird viel geredet.« Nach ein paar weiteren Schritten über den feuchten Grund blieb Paske dann wieder stehen »Aber vielleicht gibt es ja etwas das dich beschäftigt, ich weiß das Thema mag unangenehm sein, Esra erzählte ja schon, dass du eine mögliche Hochzeit in Aussicht hast, und auf der anderen Seite die Geschichte um Aruna, bei Rahja was für eine verzwickte Lage.«

Wulfgar schwieg und blickte Socke nach, der an einem aus dem morastigen Grund ragenden Ast zerrte, bis er ihn dem aufgeweichten Erdreich entrissen hatte und mit übermütigem Knurren triumphierend schüttelte wie einen frisch erlegten Hasen. Der Winhaller Wolfsjäger hätte durchaus auch vergeblich mit einer vom Regen freigespülten Wurzel rangeln können, von daher gönnte ihm der Weidener seinen Sieg, der ihm unter anderen Umständen sicher ein Lächeln entrungen hätte. Sein Gesicht war starr, wie eingefroren und ein Frösteln lief ihm den Nacken herab, als die klammen Hände seiner Erinnerung an der verriegelten Tür rüttelten, hinter der er die unzähligen, verwirrenden und aufwühlenden Empfindungen seit jenen Tagen im späten Ingerimm gesperrt hatte. Bilderfolgen blitzten kurz und gleißend vor seinem inneren Auge auf. Das Zelt, der Streit … seine Stiefel, die einen Schemen mit brutaler Wucht in die Knie zwangen, Schmerzen, flehende … brechende Worte … und der blanke Stahl in seiner Hand, der die jämmerlichen Klänge verstummen ließ. »Warum sollte es mir auch gleichermaßen vergönnt sein, meine Gedanken von derlei Unbill unbehelligt schweifen zu lassen …« seufzte er in aufgesetzter Gelassenheit, die seinen Ärger über die Frage nicht überzeugend zu verbergen vermochte. Nur ein Satz und er hätte die Diskussion fortgewischt … so wie alle anderen vor ihm. Aber er sprach ihn nicht aus, auch in der Furcht die schlummernden Geister zu wecken, die sich eingesperrt offensichtlich in ihr Schicksal gefügt hatten und schwiegen. »Ich bin mir nicht sicher, ob du von mir jetzt eine Antwort darauf erwartest, aber deine Einschätzung trifft den Nagel auch ohne Zuhilfenahme magischer Mittel auf den Kopf …« knurrte er unwillig und sein leerer Blick verlor sich im Dickicht, dass tiefer in den Wald wies. »Es gibt im Moment den Göttern sei Dank genügend andere Dinge über die ich mir den Kopf zerbrechen kann.« Seine Stimme klang hohl und von Müdigkeit gezeichnet. »Vielleicht kommt irgendwann die Zeit, in der wir uns wieder anderen Dingen als diesem lediglich ruhenden Krieg zuwenden können. Aber nicht jetzt.« Eine grimmige Entschlossenheit ergriff von seinen Zügen Besitz und er begegnete Paskes Blick mit einem kühlen Lächeln. Der junge Adept hielt dem Blick des Weideners ruhig stand, als würde er erst einmal eine weitere Reaktion abwarten. Das Unbehagen, das er durch sein Frage in Wulfgar offenbar auslöste, schien ihn für einen kurzen Moment zu verwundern, er seufzte kurz und erhob dann wieder die Stimme »Ich bin mir im Moment auch nicht mehr sicher ob ich eine Antwort möchte. « Die wenigen Worte klangen dabei etwas unsicher, er konnte wohl nicht abschätzen inwiefern ein ernsthaftes Gespräch in diesem Moment der unausgesprochene Angelegenheit Linderung verschaffen könnte. Mit gefassterer Stimmlage und einer versöhnlichen Wärme durchbrach er das unangenehme Schweigen.

»Verzeih wenn das Anrecht auf die Frage nicht verhanden oder der Moment falsch gewählt war.« Sein Blick löste sich wieder vom stolzen Krieger, der in diesem Moment eben wieder wohl seinen eigenen
Kampf für sich fechten wollte. Der Wind frischte in diesem Moment wieder auf, wie eine nicht greifbare Urgewalt stieß dieser durch die hohen Wipfel und fegte die noch wenigen Blätter vom Geäst der alten Bäume. Vereinzelte Verwirbelungen am Waldboden hoben die güldene Blätterpracht wieder vom Boden und trieben sie in die Höhe. Paske zog es wohl eben vor für einen Moment zu schweigen.

Wulfgar wusste nicht genau, ob es Bedauern oder sein schlechtes Gewissen war, dass in ihm aufstieg, aber er fühlte kein Verlangen danach sich jemandem zu öffnen, bevor er nicht mit Esra über seinen Verdacht hatte sprechen können. Jegliche Worte kamen ihm dazu ohnehin nur schwer über die Lippen, ja schnürte ihm der Gedanke daran sogar schon in einem Maß die Kehle zu, dass er fürchtete ersticken zu müssen. Er fürchtete den Moment, in dem er den Damm niederriss und das viele Ungesagte, was ihm auf der Seele brannte, entfesselte und es nur so aus ihm heraussprudeln würde. Alles würde zurückkehren … die Erinnerung, der Schmerz … die Machtlosigkeit … die Wut. So blieb ihm nichts anderes übrig als den Kloß in seinem Hals herabzuwürgen und sich in Schweigen zu hüllen. Nachdem Paske der malerischen Stille im herbstlichen Wald ebenfalls den Vorzug zu geben schien, richtete Wulfgar sein Augenmerk auf den im Schattenspiel glitzernden Bachlauf. Rechterhand und ein paar Schritt die Böschung hinauf, erspähte er einen immergrünen Strauch mit schätzungsweise fingerlangen Dornen und fahlweisen Beeren, der augenscheinlich sowohl den zunehmend kühleren Tagen also auch den weniger werdenden Sonnenstunden zu trotzen schien. Entgegen jeglicher Ansätze, bei denen man leichtfüßiger über die moos- und algenbedeckten aus dem gurgelnden Wasser emporragende Steine zum Überqueren des eiskalten Baches verwendet hätte, entschied er sich für den bei seiner Rüstung praktikabler wirkenden Ansatz. Er stapfte direkt durch die zahme Flut, die seine Stiefel umspülte und sich durch den vom Leder gewaschenen Schlamm in Flussrichtung verfärbte. Er griff nach der freigelegten, kräftigen Wurzel eines nahen Baumes und erklomm schnaufend den sanften Anstieg, der ihn das Gewicht der stählernen Platten abermals spüren und dauern ließ. Vor dem Gewächs ließ er sich auf das linke Knie sinken und legte den Kopf schief, während er den Strauch betrachtete, der sich so auffällig von dem umliegenden Gestrüpp unterschied. Er zog den Dolch aus der Scheide, ließ aber die führende Rechte noch auf den matt glimmenden Beintaschen auf seinem Oberschenkel ruhen. »Paske?« rief er in der Erwartung, dass ihm der Magier noch nicht durch den Bach gefolgt war, gegen das Plätschern des Wassers an.

Dem Ruf nach seinem Namen folgend setzte Paske über und stolperte dabei mehr schlecht als recht über die rutschigen Steine im Bachbett »Ja, was ist?« Nichts ahnend positionierte er sich im Rücken von Wulfgar. Sein Blick fiel erst ein paar Atemzüge später auf den Busch, vor welchem der Weidener nun kniete, gar an die zwei Schritt dürfte dieser Segen der Natur aufragen. »Na, sieh einer an, wenn ich mich nicht täusche, ist das ein Satuariensbusch, ein echter Glücksfund Wulfgar, dieser Strauch birgt bei Hesinde wohl auch mehr Geschichten und Weisheit als man glauben mag.« Auf seine lobenden Worte folgte ein Schmunzeln. »Er soll böse Geister, Wiedergänger und sogar Dämonen fernhalten.« Er deutete auf Früchte und das Blattwerk des Strauches. »Ich schlage vor wir nehmen uns einen Augenblick und sammeln eine handvoll Blätter und Früchte, ein Aufguss damit kann vor Krankheiten schützen - ein wahrer Segen der Herrin Peraine in den kommenden kalten Tagen.«

»Meinertreu ...« Wulfgar ließ einen kurzen anerkennenden Pfiff zwischen seinen Lippen entweichen, während sein Blick an dem Strauch emporkletterte. »Ein Satuariensbusch ...« wiederholte er fast andächtig und in fester Absicht, sich das neu errungene Wissen einzuprägen. »Lass mich raten. Es gibt keine Möglichkeit diesen eigenhändig irgendwo anzupflanzen? Sonst pflanze ich davon eine ganze Hecke um die Grafenburg und verteile getrocknete Beeren vor den namenlosen Tagen an alle, die Schutz in und um die Mauern von Zweimühlen herum gesucht haben.« Natürlich dachte er an die Nächte des Schreckens, die sternlose Finsternis in welcher der Finstermann wiedergekehrt war. Die letzte ... jene Nacht, in der ... Wulfgars Gedanken kamen ins Stocken, sein Herzschlag nahezu zum Erliegen.
Warum hast du es mir verschwiegen, Aruna ... .

Gedankenverloren wog er das Messer in seiner Hand, hoffte das Paske ihm nicht soweit zugewandt stand, dass er in seinem Gesicht zu lesen vermochte. Seine Maske war sein Schild, seine Wehr ... »Die Geister, die Dämonen und Wiedergänger ... was von diesem Busch hält sie fern?« murmelte er mit verräterisch gepresster Stimme, die mühsam die Worte in die Kühle der herbstlichen Luft schob.

Paske fuhr sich mit den Fingern der freien Linken grüblerisch über das glatte bartlose Kinn. Mit der rechten Hand den Blutulmenstab fest umschlossen stützte er seinen Körper leicht auf diesem ab um hier
an der ansteigenden Böschung sicheren Halt zu finden. »Ein Geistesblitz, der nicht abwegig erscheint, wenn das Frühjahr naht, könnten wir es versuchen, dein Talent bei der Feldarbeit wird da sicher Gold wert sein. Und genau zu bestimmen welcher Teil für diesen Schutzbann verantwortlich ist, fällt mir im Moment etwas schwer, ich würde jedoch die Vermutung aufstellen, dass ein hoher Grad an abschirmender Kraft im Gehölz dieses Strauches innewohnt. Wenn wir wieder zurück in Zweimühlen sind, kann ich gerne dazu den ein paar Schriften zurate ziehen. Vielleicht sollte ich aber auch eine grobe Analyse vor Ort durchführen.« Sein blauen Augen wanderten wieder zu Wulfgar, die Anspannung nahm er sichtlich wahr. Er atmete einmal tief durch »Willst du mit mir darüber sprechen?« Er fixierte Wulfgar, wohl wissend dass was auch immer hinter den Worten des Kriegers verborgen lag, sicherlich ein Gespräch alleine nicht zu lösen vermochte. Es wäre aber dennoch zumindest ein Anfang.

Der Weidener ließ ein freudloses Schmunzeln über seine Mundwinkel huschen. »Über die Analyse? Nein, ich denke ich vertraue auf die erste Einschätzung des gelehrten Herrn.« Seine im Lederhandschuh steckende Rechte begann sorgsam das auch hier den Waldboden bedeckende Laub um den schlanken Stamm des Busches herum beiseite zu schieben und er zog aus dem bunten Durcheinander einige wenige kurze, augenscheinliche von passierenden Waldtieren abgebrochene Zweige, an denen nur noch einige verschrumpelte Beeren und bereits verdorrte Blätter hingen. Dann schob er mit seiner rechten Hand behutsam die unteren Zweigreihen des Busches empor und suchte den Stamm nach weiteren angerissenen oder bereits abgeknickten Zweigen ab. Wulfgar wirkte fokussiert, ja entschlossen und Paske hatte gar den Eindruck, als hätte sich sein Ausdruck in Anbetracht der neu gefundenen Aufgabe merklich erhellt und die kurze Düsternis verbannt. Als er das Messer an einem abgeknickten Ast ansetzte, setzte er zu einem kurzen Reim an, der jeden seiner sorgfältigen Schnitte begleitete. »Gütige Herrin, Mutter der Saat … dir zu Ehr und Lob … es ist kein Pfad der Welt so steil, dass ihn nicht Blumen schmücken … nur das bleibt unser eigener Teil, dass wir sie dann auch pflücken …« Mit einem zufriedenen Lächeln befreite er den abgetrennten Zweig aus der Umklammerung der umliegenden Äste und begann ihn von den verbliebenen Blättern und Beeren zu befreien, die er vorsichtig in seinem, am Gürtel getragenen Saatbeutel verstaute. Dann raffte er das erbeutete Holz zusammen, ließ sich auf einem moosbedeckten Stein nur einige Schritt von dem Satuariensbusch entfernt nieder und breitete die Holzstücke auf seinem Knie aus. Das Messer versenkte er im weichen Boden neben seinen Füßen und zog aus einer seiner Gürteltasche eine kleine, grob geschnitzte Holzfigur hervor. Einen kleinen, etwas zu kurz geratenen Krieger oder Ritter in Rüstzeug, der den Griff seines klobigen Schwert an seine Brust gedrückt hielt, wie Paske schien. Der Blick des Hünen lastete für einen Moment fast liebevoll auf dem kleinen Schnitzwerk, dann beschlich Paske das Gefühl, dass Wulfgar dem Blick aus den kleinen hölzernen Augen nicht länger standhalten konnte, als er sich wieder den Zweigen zuwandte und die Figur neben dem aus dem Boden ragenden Messer, das er jetzt wieder hervorzog, auf das Laub bettete. Dann machte er sich daran die gesammelten Zweige zurechtzustutzen.

Wortlos, schweigend und nachdenklich saß er da und vertiefte sich in seine Arbeit. Und obwohl sich Paske der Sinn der Handlungen seines Gefährten nicht zur Gänze erschloß, war er sich dennoch sicher gerade Teil eines bedeutsamen Momentes für den Krieger geworden zu sein. Ohne lange zu zögern, gesellte Paske sich zu seinem Gefährten und machte es sich neben Wulfgar nahe des Steines auf einem entwurzelten Baumstamm gemütlich. Dabei wählte er seinen Platz so dass das ansteigende Praiosauge seinen Sitz mit wärmenden Strahlen erhellte. Neugierig verfolgte er die Zeremonie, welche eben noch in einer frühen Phase zu stecken schien. Da nun wohl ein Umstand der Ruhe und eine erste erholsame Pause vorgesehen war, fischte Paske ganz in Manier eines Lebemann seine langstielige Holzpfeife hervor, stopfte diese mit mildem methumischen Tabakkraut und fing an genussvoll zu schmauchen. In beständigen Abständen hingen nun dichte Rauchschwaden in der Luft, welchen ein würzig-süßer Duft anhaftete. »Was soll das werden, willst du da eben etwa aus den dünnen Zweigen einen Talisman flechten?« In seiner Stimme klang weder Spott noch Belustigung, es war der offene und freundliche Ton von jemandem, der seinen Gegenüber verstehen wollte.

»Einen Kranz, um mein wallendes Haar zu bändigen…« gab Wulfgar scherzhaft zurück, ohne innezuhalten oder seinen vertieften Blick von seiner Arbeit zu heben. Immer wieder hielt er die dünnen Holzstücke vor das fahle Licht, dass durch das Blätterdach schimmerte und schien deren Länge abzumessen. Wenn nötig, griff er wieder zu seinem Messer und die überschüssigen Reste der kurzen Stücke mischten sich unter das niedergetretene Laub um seine schlammverspritzten Stiefel. Ein zufriedenes Grunzen verkündete das Ende seiner Schnitzarbeit, aber das, was er dort auf seinem Schoß lose sammelte, glich eher den Teilen einer winzigen, vom tosenden Augrimmer umgewehten Palisade. Er fischte nach kurzem Kramen ein Knäuel Zwirn, das er sonst wohl für die gröbsten Ausbesserungen an seinen Gewändern auf der Reise zu nutzen pflegte, aus den offenbar unerschöpflichen Untiefen seiner Gürteltaschen und begann die Hölzer kleinteilig und stellenweise etwas umständlich zu umwickeln. Die Minuten verstrichen, ohne das Wulfgar ein weiteres Wort verlor. Ungewöhnlich genug für den sonst so geselligen und redseligen Krieger aus Baliho, aber sein Gesicht strahlte eine Ruhe und Friedlichkeit aus, die Paske so bei seinem Begleiter noch nicht bewusst wahrgenommen hatte. Dennoch spürte er, und wenn es nur das leichte Zittern der Finger des Recken war, dass dem Magier verriet, dass Wulfgar gegen etwas ankämpfte. Als er den Garn wieder verstaute, tauchte die Glut des sich am Horizont herabneigenden Praiosmals den Wald in ein feuersattes Farbenspiel, dass sich an den zahllosen Rot- und Gelbtönen der Baumwipfel, der fallenden und bereits gefallenen Blätter labte und mit diesen zu einer glühenden Pracht verschmolz. Wieder erkannte der Lowanger die Erschöpfung und Kraftlosigkeit, welche die bartumrahmten Züge des Zweimühlener Vogtes ausstrahlten, als sich sein Blick zwischen den umstehenden Bäumen verlor, in unbekannte Ferne starrend. »Früher, als ich noch ein kleiner Knirps war, der seiner Schwester überall hin folgte, haben wir manchmal Nussschalen am seichten Ufer in den Pandlaril gesetzt und sind ihnen, soweit wir konnten, nachgelaufen.« Das ferne glucksende Lachen von Kindern hallte durch seine Erinnerungen. Wie die Stiche dutzender winziger Dolche, die jede Stelle seines Körpers fanden, der nicht mit mattem Stahl bedeckt war. »Wir haben uns immer gefragt, ob es an der Mündung des Flusses bei Trallop wohl jemanden gab, der sie alle herausfischen würde, bevor sie auf den Neunaugensee hinaustrieben. Ardariel hat gemeint, dass die Fischer eines Tages von einer neuen Insel im See erzählen würden, die über und über nur aus den Nussschalen der Kinder entlang des Pandlaril bestehen würde.« Ein bitteres Lächeln schlich sich auf Wulfgars Lippen. »Sie hat mir versprochen, dass wir eines Tages mal dorthin rudern würden, wenn sie erst das Ungeheuer im See selbst bezwungen hätte.« Er schluckte schwer. »Damals haben wir noch die Ungeheuer gefürchtet … die Drachen … die Oger … Riesen und Dämonen.«

Er richtete sich auf und seit langer Zeit begegnete sein Blick wieder dem seines Begleiters. Tiefer, unausgesprochener Schmerz spiegelte sich in seinem im Leuchten des Waldes dunkel glühenden Augen. »Kein Ungetüm … keine Sagengestalt … hat mir jemals diese Schmerzen zugefügt. Ein Leben, das erlischt, bevor es sein Licht in unsere Leben werfen kann, hinterlässt Dunkelheit in meinem Herzen … Leere, Schwärze … die kein Feuer erhellen kann.« Er bückte sich nach der kleinen Holzfigur, die dort im Moos noch auf dem Stein lag und drehte sie nachdenklich zwischen seinen behandschuhten Fingern. Paske schluckte schwer, all die klugen Worten und Ratschläge, die sonst in seinem Kopf kreisten waren wie fortgeweht, und selbst wenn er sie zu fassen bekommen hätte, welchen Sinn würden sie ergeben? Diese Offenbarung ließ einen Kloß in seinem Hals anschwellen. Nur langsam setzte er an, seine Worte waren leise und er kam ins Stottern. »Ich, ... ich, ... du, ... du« Es war ihm anzumerken, dass er sich hilflos fühlte. Was sollte er nur sagen oder tun? Was konnte er tun, konnten seine Worte doch niemals dem Leid und Verlust Wulfgars in irgendeiner Form gerecht werden. So erhob er sich und trat an Wulfgars Seite, seinen rechte Hand legte er dabei vorsichtig auf die Schulter des Kriegers, er wollte ihm in diesem Moment keine Umarmung aufzwingen, also ließ er diese dort trostspendend ruhen. Er setzte abermals an und zwang alles, was er an Kraft aufzubringen vermochte in seine Stimme. »Ich bin und werde für dich da sein, mein Freund. In jeder Form in der ich dir meine Hilfe angedeihen lassen kann. Meine Vorstellungen können sicher nicht den Schmerz fassen welcher durch deinen unglaublichen Verlust in dir brennt. Also sprich mit mir, wenn du kannst und teile deinen Schmerz.« Wulfgars nickte langsam, während sich seine Schultern mit dem tiefen Atemzug, den er nahm um sich zu sammeln, hoben und senkten. Aus seinem schwachen Lächeln sprach die Dankbarkeit für Paskes Worte. »Wie viel tiefer muss der Schmerz noch bei Aruna brennen … wie viel dunkler noch die Finsternis, die Leere … in ihr selbst sein. Und ich kann ihr nicht die Hilfe zuteilwerden lassen, die sie braucht, weiß ich doch kaum selbst wie ich das Loch in meiner Seele wieder aufschütten kann.« Sein abwesender Blick schien aus den Erinnerungen, in denen er geschwelgt hatte, zurückzukehren und richtete sich auf die kleine Ritterfigur. »Ich habe keine Ahnung, ob sie einen Junge oder ein Mädchen unter ihrem Herzen getragen hatte, aber es erschien mir naheliegend, dass sie einst wie wir eine Rüstung getragen hätte.« Er rang hörbar mit den Worten, die sich über seine Lippen quälten. Seine Augen schimmerten glasig. »Verstehst du, ich wusste nicht einmal, ob ich einen Jungen oder ein Mädchen schnitzen sollte … ich wollte mir vorstellen, wie es wohl gewesen wäre … noch Stunden nach meinem Streit mit Aruna saß ich brütend in einem Wäldchen vor Talf und versuchte nach den unzähligen Momenten zu greifen, die man uns genommen hatte. Splitter dieser Zukunft aufzuklauben, zusammenzustecken und mir auszumalen, was wohl gewesen wäre, wenn …« Er verstummte und schloß die Augen. Sammelte sich für einige Augenblicke, bevor er sie wieder aufschlug. »Ich kann Aruna nicht heilen, keiner kann das. Und manchmal frage ich mich, ob ich überhaupt einen Anrecht auf diesen Schmerz habe, da ich doch selbst das neue Leben niemals an meiner Brust,auf meinem Arm spüren durfte … dass ich nicht einmal geahnt habe, dass zwei Herzen nun in Aruna schlugen, wenn wir beisammen lagen. Sie hat es gespürt, gefühlt, wie es wächst … das kleine, unschuldige Leben.« Seine Stimme stockte.

»Aruna hat es gewusst, Esra hat es gewusst … nur ich in meiner übersprudelnden, unbedarften Art habe weder die Zeichen erkannt noch das Geringste geahnt. Und jetzt fühlt es sich an, als hätte jemand ein großes Stück aus meinem Herzen geschnitten. So viel, dass ich gar nicht weiß, wie es möglich sein soll, das es immer noch schlägt.« Wulfgar legte die um die Holzfigur geschlossene Hand auf seine linke Brust und senkte den Blick. »Weißt du, Paske, mein Schwertmeister hat mich immer gewarnt, dass ein einziger ungezielter und die schützenden Ketten durchbrechender Pfeil, der im Zufall mein Herz durchbohrt, mein Leben beenden kann. Hier und jetzt … Vom einen auf den anderen Wimpernschlag … Das hier fühlt sich so an.« Er pochte mit der Faust gegen den matten Harnisch seiner Rüstung. »Aber ich stehe noch. Weil es alle von mir erwarten. Weil Zweimühlen und die Wildermark uns brauchen. Doch dieser niederhöllische Schmerz … er bleibt. Und in jedem Moment der Einsamkeit, Ruhe oder Rast wird er stärker. Wenn ich in Arunas Augen blicke … wird er stärker. Wenn ich Kinderlachen durch die Straßen hallen höre … oder mich in Erinnerungen flüchte …« Er brach ab, sein Gesicht verzerrt vom Kampf gegen die Tränen, die ihm in die Augen stiegen. Unvermittelt fasste sich der Weidener wieder und zog in einem trotzigen Aufbäumen seiner ruppigen Art die Nase hoch. Ein Teil der Düsternis schien von ihm abzufallen, als er auf der geöffnete Linken das kleine Floß wog und die Ritterfigur sanft, fast zärtlich in dessen Mitte bugsierte. Er flüsterte beinahe, als er mit kraftloser Stimme das nur von den Geräuschen des Waldes durchspülte Schweigen durchbrach.

»Ich … konnte nicht einmal Abschied nehmen. Von unserem Sohn … unserer Tochter, als sie … oder er die Reise über das Nirgendmeer antrat. Aber ich habe die Hoffnung, dass er … sie es hören … oder spüren kann … wenn ich unseren kleinen Ritter dem Bachlauf übergebe, dessen hüpfende Wellen ihn in den ewigen Schlaf schaukeln sollen …« Unerwartet durchbrach ein warmes, hoffnungsvolles Lächeln seine grüblerische Ernsthaftigkeit, dass ihn in diesem Moment nicht weniger verletzlich wirken ließ, aber von seiner tiefen Entschlossenheit kündete. »Geschützt vor Geistern, düsteren Träumen und der Angst. Etwas, dass unser Kind wissen läßt, dass wir da sind und eines Tages zu ihm zurückkehren werden.« Paske löste seine Hand wieder von Wulfgars Schulter und sein Blick glitt zu dem sich friedlich durch sein abgesunkenes Bett schlängelnden Bachlauf. Er begleitete Wulfgars Worte dann und wann mit einem beipflichtenden Nicken und schien, andächtig in den geweckten Gedanken versunken, zu begreifen. »Dann soll es so sein, ... lass uns an diesem Tag, in dieser Stunde einen Anfang wagen um den Schmerz verblassen zu lassen. Und lass uns ehren und behüten was war und sein wird ... der Gedanke an das Kind, ein Geschenk der Götter ...« Seine Stimme war leise und einfühlsam. »Ich bin mir sehr sicher, dass aus deinem Kind ein großer Kämpfer geworden wäre.« Die Sätze fielen ihm sichtlich schwer und krochen nur zögerlich über seine Lippen, während er damit rang den Frieden dieses stillen Momentes jetzt nicht mit unbedarften, unbedachten Äußerungen zu stören. Soll doch nun der Anfang gewagt werden, dass die fürchterlichen Ereignisse um diese Tragödie vergehen … ja, langsam verblassen können. Er ging ein paar Schritte und lauschte in das Rauschen des Baches. Die gesammelten Rohalskappen in seinem Tuchbeutel waren schon längst in Vergessenheit geraten. Ein Geschenk der Götter, wiederholte Wulfgar nachdenklich in seinem Geist. Ja, das und nichts anderes war ihr Kind wohl gewesen. Er hob sein Haupt und blickte durch eine der ungezählten Lücken in den Baumkronen, die sich im Wind wiegten und durch die das von den vorherrschenden Rottönen verfärbte Blau schimmerte, himmelwärts. Insgeheim wünschte er sich, dass die Zwölfe ihm eines Tages eine Antwort auf seine drängendste Frage geben würden, aber er war sich bewusst, dass sie ihm keinerlei Rechenschaft schuldeten … nur warum hatten sie ihnen dieses Geschenk wieder genommen? Ihm diesen Teil seines Herzens herausgetrennt … gerissen? Seinen Verstand mit Hilflosigkeit und Trauer gelähmt? Ja, ihn sogar zornerfüllt zweifeln lassen … Er wusste es nicht, verstand es nicht … würde es wahrscheinlich niemals erfahren … Aber im Tode gab es nur eine Gewissheit. Dass alles, jeder Funke, endlich war.

Ihm blieb nur seine eigene Vermutung davon, was die Zwölfe ihm vermitteln wollten. Aber alles davon konnte seinen Geist, seine Entscheidung in diesem Moment weder eintrüben, noch das sanfte Lächeln
von seinen Zügen vertreiben, das liebevoll auf dem kleinen Floß in seinen Händen ruhte. Noch, geliebtes Kind, bleibt es mir verwehrt dich kennenzulernen, aber es gibt etwas … einen Abdruck davon, wer ich
bin, den ich dir mit dem Flüstern der Fluten schicken kann. Ganz gleich, wie weit du von uns entfernt bist. Damit du weißt, wie gerne ich dir der Vater gewesen wäre, der einst mein Vater für mich war. Grüße Avon herzlich von mir. Er ist … war ein hervorragender Geschichtenerzähler und so hoffe ich, dass du eine Ewigkeit auf seinem Schoß in seiner Umarmung verbringen kannst, während du seinen Geschichten über die Orte lauschst, die auch dir eine Heimat gewesen wären. Und irgendwann … Wulfgar schlug die Augen nieder und ließ seinem Blick dem Bachverlauf folgen, bevor er sich im Gestrüpp und Dickicht stromabwärts verlor … komme ich nach und bringe neue Geschichten mit.

Verstohlen verdrückte er sich eine Träne, die sich zwischen seinen Lidern auf seine Wange geschlichen hatte und nickte Paske zu, der selbst grübelnd und ergriffen am Rand der Senke stand, durch die sich der Knorrbach seinen Pfad durch den Wald gegraben hatte. Dann begann er vorsichtig Schritt um Schritt mit dem Abstieg, um sein spätes Geschenk den wispernden, glucksenden Fluten zu übergeben.
Session: Herbstliche Ehren - Monday, Nov 13 2017 from 10:00 AM to 2:00 PM
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Unbesiegbar
Heerlager des Talfer Bundes, Wildermark, in den letzten Tagen der Rondra 1033 BF

Für einen kurzen Moment schien Wulfgar zu straucheln, ganz wie jemand dessen Schild gerade unter einem mächtigen Hieb zerschmettert worden war. Seine Hand stemmte sich auf das stützende Holz des schweren Eichentisches, der in der Mitte des von der Wärme des jetzt noch über den Horizont hinwegblinzelnden Praiosauges aufgeheizten Zeltes gefunden hatte. Seine Hand zitterte. Unmerklich, aber dennoch stark genug als dass Aruna es wahrnehmen konnte.

“Wir ... Ich ... Warum bei den Göttern ... warum hast du es mir nicht gesagt? Niemals hätte ich dich mit den anderen ziehen lassen ...“ Seine Stimme verlor mit seinen Worten zunehmend an Kraft, wurde heiser und presste die wenigen Sätze nur umso eindringlicher und mühsam zwischen seinen Lippen hervor. Und dennoch wirkte es so, als wäre das Gros seiner Worte an sich selbst gerichtet. Als würde er noch vergeblich versuchen zu begreifen, was sie ihm gerade eröffnet hatte.
Aruna war auf die Knie gesunken, mit hängendem Kopf und Schultern ruhte sie, zitternd und bebend auf dem flachgetreten Boden des vögtlichen Zeltes.

Sie hob den Blick und mit schmerzerfüllter Miene und aus tränenerfüllten Augen sah sie an dem Weidener Krieger empor.
"Eben darum, Wulfgar." Sie schluckte und schluchzte.
"Niemals hättest du mich ziehen lassen, nicht nur Gallys... auch..." ihre Lippen bebten. "Talf... Eldrinn, Esra und Paske hätten Talf aufgegeben... wir..." Die Stimme der sonst so stolzen und aufrechten Amazone drohte zu brechen und sie hielt einen kurzen Augenblick inne, um sich mit den Handflächen über das Gesicht zu streichen. Die beiden wiederspenstigen Strähnen ihres kastanienbraunen Haares ließen sich zwar durch keine Macht dieser Welt bändigen, doch die Tränen konnte sie sich von den Wangen streichen.

"Wenn ich nicht... wir... wir stünden ganz alleine hier. Umzingelt von Feinden... was hätte ich denn tun sollen?!"
Es war weniger ein Vorwurf an den Moosgrunder Recken als ein verzweifelter Hilfeschrei an sich selbst.

In Wulfgar brodelte der Wunsch sich von dem Tisch abzustoßen und die Lücke zu schließen, die sie trennte, vor ihr auf die Knie zu gehen und ihren Kopf mit seinen Händen zu stützen um ihr in die Augen zu sehen und zuzuraunen, dass alles gut werden würde. Ganz so wie damals, als sie Ludalf von Wertlingen vor den Attentätern des verräterischen von Drôlenhorst gerettet hatten. Als er seine starke Löwin zum ersten Mal unter der Last ihrer Gefühle hatte zusammensinken sehen ... doch seine Beine folgten dem stummen Impuls nicht, seine Muskeln waren wie erstarrt, verkrampft in dem unsäglichen Schmerz, der in seinen Adern der feurigen Glut einer Esse gleich in seinen Adern pochte.

Eine Art von Schmerz, den er in dieser Form nicht kannte und alles überstieg, was selbst die schartigen Schwerter des Finstermannes in seinem Körper losgetreten hatten. Kluge, mitfühlende Worte kreisten in seinem Kopf, zerplatzen aber, sobald er in dem Funkensturm in seinem Inneren nach ihnen fischte. Seine Zunge klebte am Gaumen, löste sich nur schwerfällig und in der Anmutung unendlicher Erschöpfung, die sich in seinem Körper breitmachte. Das Mal der Alveranierin Raskorda auf seiner Brust schien zu glühen und er spürte wie es auf seiner Haut brannte, als würde jemand ein frisch aus dem Feuer gezogenes Brandeisen auf seine Haut pressen.

“Ich ... Talf ... Wir ...“ setzte er mehrfach vergeblich mit erstickender Stimme an. “Warum? Aruna ... Warum?“ Alles, jeglicher Gedanke in seinem Kopf wand sich schlangengleich um diese eine Frage, beraubte ihn jeglicher Kraft und Farbe in seiner sonst so tönenden Stimme. Seine Worte klangen hohl und dumpf in seinem Schädel nach. Fremd ... als hätte er sie nicht selbst ausgesprochen oder erkannte sich selbst nicht wieder.

“Ich hätte nie ...“ Er hatte ... das war das “Aber“ das ihm selbst dieses letzte Ansetzen unter den wackeligen Beinen wegzog. Irgendwie gelang es ihm seinen freien, bislang nutzlos an seiner Schulter hängenden Arm zu regen, ihn wie unter großer Anstrengung emporzuschieben und in einer Geste wortloser Betroffenheit seine Hand auf Mund und Kinn zu legen. Eine Geste der Hilflosigkeit, die in grellem Kontrast zu der aufkeimenden Verzweiflung in seinen trübe schimmernden, blauen Augen stand. Er hatte das Gefühl zu fallen.
Mit nahezu unerträglichem Schmerz in den Züge blickte die junge Amazone erneut auf zu ihrem Gegenüber. Unter einer Grimasse presste sie ihre Lippe aufeinander und schloss die Augen.

"Ich... ich kann dir keine... Antwort geben, die dich zufrieden stellen würde," presste sie vorsichtig und mit wankender Stimme zwischen ihren Lippen hervor. "Ich weiß nicht, vor welche Prüfung die Götter mich... uns... hier stellen und wieso all das geschehen ist."
Aruna schluckte und presste die Augenlider aufeinander. Tränen rannen ihre Wangen herab und fielen von ihrem Kinn.

"Ich wollte dich nicht damit belasten... natürlich hätte ich es dir früher oder später gesagt... aber... wir haben Aufgaben hier... Bestimmungen... Menschen, die ihre Leben in unsere Hände gelegt.." erneut zeichneten tiefe Falten die Stirn der Amazone und der Schmerz hinterließ tiefe Schatten über ihren Zügen.

"Ich habe das... nicht gewollt. Natürlich nicht. Ich wollte ihn nicht... Reto... ich wollte ihn nicht töten... müssen. Aber... aber als ich das Gift spürte, das auf seinem Dolch...". Sie schluckte und verstummte, stützte sich mit einer Hand auf den Boden und schüttelte wortlos den Kopf.

Ihre Blicke begegneten sich kurz, aber Wulfgar gelang es kaum der Verzweiflung in ihren tränengefüllten, dunklen Augen standzuhalten, bevor sein Antlitz abwenden musste und die Hand sinken ließ. Doch in seine Trauer, den Schmerz über den Anblick seiner gebrochenen Geliebten und längsten Freudin und seine eigene Machtlosigkeit mischte sich etwas anderes. Kalte, brutale Wut ... er ließ die Hand nicht einfach sinken, er ballte sie zur Faust und mit einem wütenden, markerschütternden Brüllen fegte er Pergamente, hölzerne Figuren und einen schweren Lederband vom Tisch in seinem Rücken, der mit einem dumpfen Geräusch eines trotzigen Aufschlages auch ein kleines Tintenfässchen und ein Bündel Federn mit sich in die Tiefe riss.

Er spürte den Schmerz, der durch das unnachgiebige Holz in seine weiß gewordenen Knöcheln drückte, aber vor dem Toben, dem Zerren in seinem Körper verblasste wie vereinzelte Wassertropfen auf vom Praiosauge erhitzem Pflaster. Seine Unterarme, seine Schultern, sein ganzer Körper bebte. Einige Augenblicke lang verharrrte er in dieser Haltung, abgesehen von dem diesem Zittern regungslos ... schweigend ... sein starrer, lodernder Blick bohrte sich in die feine verästelte Maserung der Tischplatte. Er schloss die Augen ... nur kurz, aber lange genug um den nebelhaften Schleier abzustreifen, der sich über seinen Blick herabgesenkt hatte.

Er verdrängte die Bilder, die in ihm aufstiegen ... von Momenten, die gewesen waren und jenen, die nie so stattgefunden hatten ... um die sie sich selbst gebracht, betrogen hatten ... die Nacht, die das Ende des Finstermannes aber auch den Ausbruch ihrer lange sorgsam weggesperrten Gefühle gesehen hatte ... ihren ersten sich kreuzenden Blick, in dem noch etwas anderes ausser ihrer bedingungslosen Freundschaft verborgen lag ... die Stunden, in denen sie sich auf zerwühlten Laken engumschlungen und herumalbernd unter dem durch das geöffnete Fenster herabscheinenden Praiosmal geräkelt und scherzhaft über Namen unterhalten hatten ... Arunberth, Kunigunde, Ulfhelm, Perainer ... er kämpfte mit den Tränen.

Unbesiegbar, unverwundbar hatten sie sich gefühlt ... war es real oder nur ein Abbild dessen, was ihnen jetzt so unvermittelt, so plötzlich genommen worden war? Er hatte keine Gelegenheit ... er schluckte und versuchte vergeblich den Kloß in seinem Hals wieder herabzuwürgen. Er fühlte, wie der Zorn seinen hässlichen Hals durch die enggesteckten Grenzen seiner Wahrnehmung reckte und die Wut erneut in ihm emporkochte. Auf Aruna, seine Gefährten, die sie nicht hatten beschützen können. Auf sich selbst, dass er seine Zeit hier in diesem Zelt mit den Spitzfindigkeiten oberflächlicher Adeliger und nicht bei ihr ... nicht an ihrer Seite verbracht hatte ... Auf die Götter ... tränenblind blinzelnd tastete er nach dem hölzernen Falken mit den ausgebreiteten Schwingen, der sich wie im Hohn seinem Wutanfall entzogen hatte und begrub ihn in seiner Faust. Und drückte zu. Bis sich die stumpfen Spitzen seiner Flügel in seine Handfläche bohrten.

Die niedergeschlagene, noch immer auf Knie gesunkene Amazone beobachtete den weidener Krieger mit feuchten, traurigen Augen. Mit zitternden Beinen erhob sich ihr geschundener Körper mühsam. Zögernd, langsam und vorsichtig machte sie einen schwankenden Schritt vorwärts und streckte behutsam die Hand nach seiner Schulter aus.

Als ihre Hand sich unversehens auf seine Schulter legte, zuckte der Hüne unwillkürlich zusammen. In jedem anderen Moment hätte er sich die Wärme ihrer Berührung herbeigesehnt ... aber nicht in diesem. Er fühlte sich erschreckend nackt, verletzlich und das obwohl ihm das bei Aruna unter normalen Umständen niemals unangenehm vorgekommen kam. Er wollte nicht, dass sie ihn so sah, ihm in die Augen blicken und von seiner eigenen Trauer und ziellosen Wut darin würde lesen können. Er wollte ihr der Fels in der Brandung sein, der er immer gewesen war, aber er fühlte wie ihn der Strom seiner Empfindungen trotz aller verzweifelten Bemühungen dagegen anzupaddeln, mitriss. Hätte er Anzeichen für das ungeborene Leben unter ihrem Herzen erkennen können, ja ... müssen?

Wieviele Entscheidungen hätte er umgekehrt und geändert, wenn die Zeit ihm die Möglichkeit dazu gegeben hätte? Spielte es noch eine Rolle? Er oder sie, ihr ungeborenes Kind trieb namenlos und vergessen in Satinavs Sog. Ein Zeichen der jungen Göttin, das sie für einander bestimmt waren, widerrufen in der Hitze eines Augenblicks. Aufgrund der Taten eines einzelnen Mannes und einer feige vergifteten Klinge ... die Berührung ihrer Hand wirkte so zart, gleichzeitig so ungeahnt kraftlos. Wenn er sie jetzt erwidern würde ... befürchtete er das Aruna zerspringen könnte. Diese Wut trieb ihre Wurzeln tief unter seine Haut und instinktiv wusste er, dass die Flammen seines Zornes, die in seinem Körper ihr hungriges Mahl hielten ihr keine Wärme spenden würden.

Er konnte ihre Hitze spüren und das Ziel, dass sie an verbrannten Armen ins Zentrum seines Bewusstseins hoben, fühlte die aus seiner Handfläche sickernde Glut, die den umklammerten Falken zu ertränken suchte. Ihm seine kümmerlichen Flügel abreißen und ihr geiferndes, reißzahnbewehrtes Maul in seinen Nacken schlagen wollte. Er entwand sich ihrem Griff und schleuderte die Holzfigur mit einem weiteren wuterfüllten Brüllen in eine entlegene Ecke des Zeltes. Seine ungesehenen Tränen verdampften sobald sie seine vom daruntertobenden Feuersturm glühende Haut berührten. Zumindest fühlte es sich so an.

Benommen stolperte er ein oder zwei Schritte gegen sich seinen Weisungen widersetzenden Beinen vorwärts und stützte sich wankend gegen den Stützbalken in der Zeltmitte, während er die freie Hand vor das Gesicht schlug. Seine Schultern zuckten unkontrolliert, als sich sein Schluchzen entgegen aller inneren Widerstände Bahn brach.
“Götterverdammt, Aruna!“ zwängte er zwischen zusammengepressten Zähnen hervor. Sein Blut tobte ohrenbetäubend durch seinen Schädel. Er tobte vor Wut und spürte dennoch wie schwach er sich fühlte, während er zerrissen zwischen unbändigem, entfesselten Zorn und lähmender Traurigkeit trieb wie ein abgebrochener Ast in den schäumenden Fluten des Pandlaril.

“Wovor hast du dich so sehr gefürchtet, dass du es mir nicht sagen konntest? Davor, dass ich alles, was zwischen uns wahr Lügen strafen und dich alleine lassen könnte?? Dass ich ausgerechnet in diesem Moment eine Seite an mir entdecken könnte, die mich in der ärgsten Schlacht von deiner Seite weichen ließe??“ Das Mal auf seiner Brust schien im Takt mit seinem Herzschlag zu pulsieren.

“Ja, im schlimmsten Fall hätte ich dich auf Graf Hagen gebunden und notfalls unter Zwang aus diesem verfluchten Landstrich geschleift! Einmal, nur ein einziges Mal wäre es nur um uns gegangen! Ohne die ganze, verfluchte Verantwortung, die wir niemals wollten! Niemals gesucht haben!! Einmal nur aus diesem ständigen Ringen, dem täglichen Kampf auszubrechen, in dem wir ständig nur darauf achten müssen nicht auf das falschen Wappen zu pissen!!“ Wulfgar kam ins Stocken, verschluckte die unausgesprochenen, tief in ihm gehegten Gedanken, die ihn begleiteten, seitdem sie begonnen hatten in Zweimühlen mit ihrem eigenen Blut und Schweiß etwas aufzubauen ... etwas, das er zuvor nicht gekannt hatte, ihn in schwachen Momenten noch immer einzuschüchtern vermochte und in den Guten die Hoffnung schürte, etwas bewirken zu können.

Mehr als ihnen alleine möglich wäre, wenn sie auf allen Schlachtfeldern Aventuriens kämpfen würden. Es war ... ungerecht. Sie gaben den Menschen in der Mark Hoffnung, etwas auf das sie vertrauten, es wagten hier neue Existenzen aufzubauen, sich niederzulassen, zu siedeln ... und wenn es nur in einem Zelt zwischen dem Talfer und dem Wehrheimer Tor war. Kinder ... zu bekommen. Ein nahezu übermächtiges Gefühl des Schwindels drohte Wulfgar zu überwältigen und er konnte hören, wie der Pfosten an den er sich stützte unter seiner Last ächzte.

“Bei den Göttern ... Aruna, haben wir nicht auch das Recht auf ein kleines ... unser eigenes Wunder?!“ Seine Stimme, die bislang anklagend in das Tosen seiner eigenen, jeglicher Ordnung entbehrenden Emotionen gebrüllt hatte, war bedeutend leiser geworden. Als würde er nach seinem Ausbruch kraftlos zusammensacken. “Ein Kind, unser Kind ... Aruna ... Sie ... haben es uns genommen ...“ Seine Schulter sank gegen den Pfeiler, während er Aruna das Gesicht halb zuwandte und ihren Blick suchte. Seine Augen schimmerten glasig, aber in ihnen loderten die Flammen seiner Wut.

Aruna rannen einzelne Tränen aus den Augenwinkeln.
"Ich... ich weiß es nicht, Wulfgar... vielleicht war ich dumm... vielleicht fürchte ich mich davor, dass alles irgendwie... dieser wunderbare Traum... mit einem Mal zuende... vielleicht hat die Herrin andere Pläne für mich... für uns..." Aruna verschluckte sich beinahe an den Worten, die ihre zitternde Stimme hervorbrachte.

"Vielleicht fürchte ich mich auch einfach nur davor...," doch die Worte blieben in ihrem Halse stecken und sie presste bitter die Lippen aufeinander, unfähig, das Ungesagte in die Welt hinaus zu tragen. Aruna blickte hilflos, schuldbewusst zu Boden.

Wulfgar sammelte das erschreckend Wenige an Kraft, dass ihm sein Körper in diesem Moment zuzugestehen vermochte und stemmte sich über die Schulter wieder empor. Dennoch konnte man es kaum als ein aufrichten bezeichnen. Seine Schultern waren eingesunken und seine Arme fühlten sich seltsam kraftlos an. Ausgelaugt und als hätte jemand sämtliche Kraft aus ihnen herausgequetscht. Er unternahm einen unsicheren Schritt in Arunas Richtung. Zu seiner Gefährtin, seiner Freundin ... seiner ... sein eigener, brodelnder Verstand verschluckte das Wort und eine ferne Stimme in ihm grollte: “Sie hat es dir verheimlicht. Die Gefahr auf sich genommen ohne dir deinen Anteil an dieser Entscheidung zuzugestehen.“

Seine Zahnreihen waren fast schmerzhaft aufeinandergepresst und es kostete ihn Mühe sie zu lösen. Seine Augen schimmerten feucht, aber seine Züge wirkten auf grässliche, ungerechte Art und Weise unerbittlich, hart und kühl. Er konnte es spüren, aber kein entwaffnendes, die Schärfe nehmendes Lächeln auf seine Lippen zwingen. Obwohl alles in ihm danach brüllte, danach verlangte. Aber er war nicht mehr Herr seines Körpers, nicht mehr Herr seiner Regungen oder gar Emotionen, die in ihm emporsprudelten.

“Wovor fürchtest du dich?“ zischte er. “Wovor könntest du dich mehr als vor diesem verfluchten Moment fürchten?? Diesem Moment, in dem ich beginne zu begreifen, dass wir unsere Tochter ...“ Seine Stimme bebte. “Unseren Sohn verloren haben??“ Für einen kurzen Moment spürte er die Kraft zurückkehren, fühlte wie sich seine Muskeln mit Zorn füllten und spannten. Nur ein, vielleicht zwei Schritt von Aruna entfernt, warf er sich vorwärts, packte mit beiden Pranken die Tischkante und warf ihn begleitet von dem furchtbaren Getöse, als die darauf noch verbliebenen Gegenstände ins Kullern gerieten und zu Boden stürzten, auf die Seite.

Der dumpfe, schwere Aufprall fuhr ihm bis ins Mark. Seine Muskeln brannten ob der unvermittelten Anstrengung, aber er spürte es kaum ... konnte nicht ... in ihm war nur Leere. Endlose, jegliche möglicherweise trostspendenden Gedanken verschluckende Leere. Ein gähnendes Loch ... etwas, dass die unvermittelte Nachricht vom Tod ihres Kindes, von dessen Existenz er bis vor kurzem noch nicht einmal etwas geahnt hatte, in seine Seele, den Schutzpanzer seiner sprichwörtlichen Unbekümmertheit gerissen hatte.

“Vielleicht hat die Göttin andere Pläne für dich ... für uns ...“ wiederholte er ihre Worte, begleitet von einem verächtlichen Schnauben. Der Kerzenschein warf düstere Schatten auf sein Aruna nur noch seitlich zugewandtes Antlitz. Seine Augen starrten ins Leere. Seine Worte bahnten sich nur mühsam ihren Weg über seine Lippen. Schleppten sich kraft- und klanglos ins Zeltinnere. “Und was ist mit unseren Plänen? Was ist dann mit uns, wenn die Götter uns dieses Geschenk, diesen Wink des Schicksals verwehren?“ Er schüttelte langsam den Kopf und schloss die Augen. “Du ... du solltest schlafen gehen ... du ... brauchst Ruhe.“ Er bückte sich nach seinem Tabakbeutel und der Pfeife, die zwischen Pergamenten, Karten und Holzfiguren auf dem Boden lagen.

Wulfgar suchte ihren Blick. Unsicher, unschlüssig, verletzt und erschüttert. In seinem Herzen brannte nur ein einziger Wunsch. Aruna zu trösten, sie in die Arme zu schließen und endlich zu hauchen, dass alles wieder gut werden würde. Auch er sehnte sich nach Trost, nach den richtigen Worten, den Gedanken, die ihn wieder ruppig auf den richtigen Pfad zurückrempelten ... aber es war zu früh. Die Wunde war zu frisch ... er wollte allein sein ... nachdenken.

“Ich ...“ setzte er an und seine Stimme versagte ihren Dienst. Beschämt griff er nach seinem Umhang und wankte zum Zelteingang. Nur ein paar Schritt noch, mahnte er seinen Körper. Dann kannst du mit mir machen, was du willst.

Westruh, Wildermark, in den ersten Tagen des Efferd 1033 BF

Zurückgeworfen vom eisenverstärkten Schaft fuhr die Klinge seines Zweihänders nieder, nutzte die Wucht, die sein Hieb, der die Deckung des Söldners hinter dessen Hellebarde ausgehebelt hatte, in seinem schweren Rauschen entfaltete. Blut spritzte, als er die stählerne Brustplatte zertrümmerte und das schreiend bunte Gewand, dass der Söldling darunter trug, wie altes, brüchiges Pergament zerschnitt. Sein Brüllen erfüllte den Helm, dessen Sichtschlitze sich im Wissen darum, dass der Söldling sich von der beigebrachten Verletzung nicht mehr erholen würde vom schmerzverzerrten Antlitz des jungen Mannes abwendeten und sich in berechnender Kälte auf die junge Frau mit dem Federbarett richteten, die mit jetzt nur noch halb so entschlossener Miene das Kurzschwert umklammerte, als sie ihren Gefährten jämmerlich schreiend fallen sah. Mit einem Halbschritt versuchte sie die Reichweite seines Zweihänders zunichte zu machen und ihm die Klinge in den Leib zu stoßen.

Gleichgültig ließ es Wulfgar drauf ankommen und ihren Angriff passieren, während er selbst den nach dem Hieb gegen ihren Kumpanen über den Kopf emporgerissenen Zweihänder auf sie herabschnellen ließ. Er spürte den Stich kaum, der wohlgezielt an den Plattenstücken seiner Rüstung vorbei, die wattierte Unterkleidung durchdrang und ihm einen schmalen Schnitt zufügte. Sein Zweihänder hingegen grub sich mit ungebremster Wucht in den kaum von der Brustplatte beschirmten Bereich zwischen Hals und Nacken. Erst als die Klinge sich zwischen Schlüsselbein und dem hoffnungslos verbogenen Stahl der schützenden Brünne verkeilte, drückte er den schweren Stahl über den Griff wieder leicht empor, schob sich in seiner matten Rüstung einem unaufhaltsamen Ungetüm aus Stahl und Blut vorwärts und zwang ihren erschlaffenden Leib mit einem mitleidlosen, heftigen Tritt in den Staub, während er den Bidenhänder aus der klaffenden Wunde schälte. Ihr Schrei erstickte in einem Gurgeln. Seine Schläfen pochten. Von rechts stürmte ein Landsknecht heran, die Infanteriewaffe zu einem kräftigen Stoß auf Brusthöhe gereckt. Ein dumpfes, schnalzendes Pochen brachte seinen Angreifer spürbar aus dem Tritt, während sich sein Gesichtsausdruck von zornerfüllter Überzeugung zu überraschtem Entsetzen wandelte. Er verlangsamte unkontrolliert, taumelte, machte noch ein, zwei Schritte und sank dann auf die Knie. Ein Bolzen ragte aus seiner Schläfe.

Unwirsch rempelte Wulfgar den vorsackenden Körper mit seiner plattenbewehrten Schulter beiseite. Vor ihm schloßen vier, mit unsicher zuckenden Augen die nahen Gebüsche entlang der Böschung absuchende Söldner die ausgedünnte Formation vor einem Schemen, der beide Hände ausbreitete. „Aufhören! Haltet ein!!“ gellte der Ruf eines Mannes durch die Senke. „Ich gebe Euch wonach es Euch verlangt! Gold, Geschmeide! Nehmt auch unsere Waffen, wenn es Euch von unserer friedlichen Absicht überzeugt.“ Wulfgars Schritt wurde keineswegs langsamer, allerdings hob er den gepanzerten Arm und bedeutete den Uhdenbergern in seinem Rücken das Feuer einzustellen. „Tretet beiseite, wenn Euch Euer Leben lieb ist.“ Knurrte er mit donnernder, blechern verzerrter Stimme über das Stöhnen und Ächzen der Verletzten hinweg den Söldnern zu. „Legt die Waffen nieder und ihr werdet verschont!“ blaffte er, noch während sie eine Gasse zu der Gestalt öffneten, die sich im Rücken ihrer Formation verbarg. Das mehrstimmige Klirren aufeinanderprallender und abgeworfener Waffen quittierte, dass sie seiner Aufforderung Folge leisteten. Er selbst öffnete den Riemen unter seinem Visierhelm und hob die geschlossene Faust. „Sichert die Waffen und nehmt sie in Gewahrsam.“ Ins Gesicht des vielleicht 40 Sommer zählenden, dunkelhaarigen Mannes, der jetzt kaum noch fünf Schritt von ihm entfernt war, stieg die Zornesröte.

„Wer seid Ihr, dass Ihr Euch erdreistet …“ Wulfgar gab ihm keine Gelegenheit seinen Satz zu vollenden. Er streifte nur den Helm ab und ließ ihn achtlos ins blutige Gras fallen. „I … Ihr …“ stieß der Mann zwischen zusammengepressten Zähnen hervor, während die Farbe wieder aus seinem Antlitz wich. “Gisbert Gilborn von Talf, vom heutigen Tage an geltet Ihr für euer verdammungswürdiges Bündnis mit den Schergen des falschen Kaisers, kraft der mir verliehenen Legitimation als Vogt Zweimühlens, als Verräter und Bedrohung für das Heil der mir anvertrauten Seelen …“ Er ließ die Worte wirken, stapfte aber weiter unumwunden und ohne Umwege auf den in teure Gewänder gehüllten einstigen Vogt Talfs zu, der zunehmend und mit langsam von ehrlicher Furcht durchtränktem Blick vor ihm zurückwich. Sich allerdings ob der sich aus den Gebüschen über der Senke schälenden Bewaffneten wohl darauf besann, dass an Flucht nicht zu denken war. Sein in quälender Langsamkeit vollzogener Versuch sich Wulfgars Zugriff zu entziehen, endete jäh, als die Hand des Weidener Kriegers vorschnellte, den einstigen Landadeligen am Kragen packte und ihn in den Staub des nur dürftig ausgetretenen Pfades zu ihren Füßen schleuderte.

Wulfgars Gesicht war eine furchtbare Maske des Schmerzes und unaussprechlichen Hasses, auch wenn dieser mehr der unmöglich zu ergreifenden Gelegenheit galt, die er hatte verrinnen lassen müssen, als ihm der goldene Falke so unaussprechlich nah gekommen war. Am Lagerfeuer … nur wenige Meilen vom Heereslager des Falkenbundes entfernt … Seine Zähne knirschten. Die Nacht, in der er Paske das Richtige hatte tun lassen. Für die Wildermark. „Ihr habt bereits einmal Zweimühlen verraten, als Ihr dem Ruf Eurer Baronin Svanja Ragnasdottir nicht in die Schlacht auf dem Mythraelsfeld gefolgt seid. Euer Exil hat Euch keinesfalls Demut gelehrt … nein, ganz im Gegenteil! Ihr verbündet Euch mit einem Feind, der offen gegen den hier geschaffenen Bund zu Felde gezogen ist.“ Wulfgars Stimme war eisig, aber sein ganzer Körper bebte vor Wut. Gisbert Gilborn kroch rückwärts. „Ihr … Ich … Lasst mich doch erklären! Ich verlange einen gerechten Prozess!“ Das schiefe, fürchterliche Lächeln, das Wulfgar auf seinen Zügen spüren konnte, ließ ihm selbst das Blut in den Adern gefrieren. „In der Wildermark gilt das Faustrecht und mit Eurem wiederholten Verrat habt ihr jegliches Anrecht auf einen …“ Er spuckte das Wort förmlich aus. „ …Prozess verwirkt.“

Gisbert hob beschwichtigend die Hände. „Herr Nordfalk, ich bitte Euch … ich kannte Euren Vater! Er war ein großer, gerechter Mann.“ Wulfgar öffnete einen der Beutel an seinem Waffengurt und zog etwas daraus hervor, dass er dem Flehenden zuwarf. Einen kleinen blutverkrusteten, hölzernen Falken. „Aber mich …“ zischte Wulfgar. „Mich kennt ihr nicht.“
Session: Der Zug der Fürstin - Garadan - Monday, Aug 07 2017 from 10:00 AM to 1:00 PM
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Regenwolken
Heerlager des Talfer Bundes, Wildermark, in den letzten Tagen der Rondra 1033 BF

Wulfgar gähnte herzhaft und ohne sich die Mühe zu machen, um seine offensichtliche Erschöpfung hinter vorgehaltener Hand zu verbergen. Er hatte den Drang lange genug in den erschöpfenden Gesprächen und Diskussionen mit ihren Verbündeten niederkämpfen müssen, um sich jetzt nicht diesen kleinen Ausdruck seiner schlechten Kinderstube, noch dazu demonstrativ vor seinem Onkel, zu erlauben. Er erwartete förmlich eine Schelte von Willbrecht Helmisch, aber augenscheinlich kämpfte sein hochgewachsener, massiver Onkel selbst mit einer durchdringenden Müdigkeit, die ihn sich nur mühsam von der grob gezimmerten Bank erheben ließ. „Ein langer Tag …“ grunzte sein Onkel missmutig. „Nun, sagt nicht dass ihr anderes erwartet hättet, Ohm.“ schmunzelte der schmutzigblonde Weidener und strich sich mit Belustigung durch den ungleich dunkleren Bart, der nach den vergangenen Tagen der Ruhelosigkeit wieder der Sorgfalt eines zurechtstutzenden Messers bedurfte. Die Müdigkeit bemächtigte sich selbst des Lächelns seines Onkels, das sich fast beiläufig auf seine faltigen Züge stahl. „Nun, zumindest hast du deine Unterstützung. Versorgung und Entsatz vor Talf sind für die Monde bis zum Wintereinbruch gesichert.“ Wulfgar streckte sich, reckte die schmerzenden Glieder und schmunzelte schelmisch. „Dann hat sich das Sitzfleisch doch ein weiteres Mal bewiesen. Auch wenn Geduld und stundenlange Diskussionen wohl eher weniger zu den Qualitäten des stolzen Weideners gehören …“ Sein Onkel brummte grollend und überging den kleinen Seitenhieb, den Wulfgar in einer gewissen Ironie auch gegen sich selbst gerichtet hatte. „Ab einem gewissen Alter sollte man den gestandenen Recken aus dem Norden in ein kleines hübsches Zimmer mit Blick auf den Markt sperren und ihn die wie Raben stehlenden Straßenkinder zeternd und mit erhobener Faust vertreiben lassen. Ich dachte aber, dass es Euch auch durchaus gefallen könnte, diesem hier an dieser Tafel nachzukommen. Nur dass die Straßenkinder in diesem Fall selbstgefällige Fürstenthronanwärter, Barone und eingeschüchterte Vögte waren.“

„Überspann den Bogen nicht, Wulfgar.“ Rumpelte Willbrecht, in tief brummendes Gelächter gehüllt. „Natürlich würde ich wie zu jeder Zeit lieber Orkschädel spalten …“-„Oder an den Äpfel aus Valnas Küche naschen …“ fiel dem weißhaarigen Weidener sein Neffe ins Wort. „Wobei, vermutlich eher an den prallen Melonen …“ Willbrechts Gelächter rollte wie der ferne Donner des Gewitters, der sich über der Ebene und im Osten zu unheilvoll auftürmenden Wolkenbergen zusammenzog, durch das Zeltinnere. „Nun ist aber genug, du Schandmaul. Halt die Backen oder ich beraube dich jeglicher Autorität, wenn ich dich vor dem Zelt über’s Knie lege und mal wieder ordentlich vertrimme.“ Wulfgar hob beschwichtigend die Hände und verzog die Lippen zu einem süffisanten spitzbübischen Grinsen. „Verurteilt nicht den Boten, Ohm. Der verlässlichste Zeuge sind Eure eigenen hungrigen Blicke. Wer könnte solch reizvoll gefüllten Obstkorb auch verschmähen?“ Trotz weiterhin unverändert gemessenen Schrittes, mit dem sich Wulfgar auf den Tisch und die darauf angerichtete Schale mit Äpfeln und Birnen zuhielt, beeilte er sich das große, wuchtige und mit Karten bedeckte Hindernis zwischen sich und seinen Onkel zu bringen. Willbrecht Helmisch war gewiss kein Mann leerer Drohungen und noch weniger einer, der sich von seinem neunmalklugen Neffen auf der Nase herumtanzen ließ. Zumindest nicht immer. Das schüchterne, klassischer Weidener Minne entlehnte Geturtel zwischen Valna Arwulf und dem alten Recken diente ihm immer mal wieder als geeigneter Aufhänger, um seinen Onkel aus der Reserve zu locken und seine altersbedingte Ungeduld und sein Handeln durchdringende Müdigkeit zumindest zeitweise aufzulösen. Einer der Gründe, warum Wulfgar auch darüber nachdachte, ihn als Statthalter Zweimühlens in seiner Abwesenheit abzulösen. Während sein Bruder Avon gegen die Orks und dämonisches Gezücht ins Felde zog, übertrug er wie schon all die Jahre zuvor die Verwaltung des Lehens von Moosgrund an Willbrecht, der sich dieser zuweilen recht undankbaren und wenig abwechslungsreichen Aufgabe ohne Murren annahm. Doch als Avon vom Schwertzug nach Warunk nicht zurückgekehrt war und seinen Bruder mit Ardariel und Wulfgar alleine zurückgelassen hatte, hatte er sich verflucht, dass er nicht an seiner Seite gestanden sondern sich im beschaulichen Weiler am Pandlaril den Arsch breitgesessen hatte.

Wulfgar wollte es ihm nicht zumuten noch einmal in eine vergleichbare Situation zu geraten, wenn er und seine Gefährten in der Wildermark gegen die Feinde des Reiches ritten und ihn im Unklaren über Pergamenten brütend in die Schreibstube und den Pallas verbannten. Auch wenn ihn der Gedanke schmerzte, hatte Wulfgar über die Jahre hinweg zu erkennen gelernt, dass Willbrecht keinesfalls stille Vorwürfe an den Geist seines gefallenen Bruders in seinem Herzen trug, sondern vielmehr selbst den für die meisten, die keiner kriegerischen Profession nachgingen, absonderlichen Wunsch hegte, einst sein Leben für etwas Größeres zu opfern als dem Lauf der Dinge folgend schließlich dem friedlichen Schlaf des stummen Herrn den Vorzug zu geben. Und je älter er wurde, umso ferner glaubte er sich der Hoffnung noch einen würdigen Rahmen für einen letzten Dienst an Rondra finden zu können. Andererseits rang dieser altertümliche Antrieb in Willbrecht mit dem Umstand, dass sich der im Alter ergraute Ritter keinesfalls vom Wunsch beseelt einen heldenhaften Tod zu finden kopflos in gefährliche Situationen stürzte, sondern er es vielmehr weiterhin als seine vorrangige Aufgabe erachtete seine Nichte und seinen Neffen nach Kräften zu unterstützen. Und das Wissen weiterzugeben, dass er im Lauf der Jahre über Adelspolitik, Verwaltung und die Kunst der mittelreichischen Diplomatie angehäuft hatte.

Wissen von unschätzbarem Wert für Wulfgar, der im Gegensatz zu Ardariel mehr Zeit mit den als klassisch erachteten Waffengattungen auf dem Übungshof der Akademie von Baliho als zum Unterricht in der Schreibstube der Moosgrunder Burg verbracht hatte. Seine Schwester war von den Göttern durch das Recht der Erstgeborenen für die Fortführung des Lehens und das Tragen des Titels ausersehen worden, ihm legten sie den Griff des Schwertes selbst in die Hände und bestimmten, dass er allein entscheiden möge, wohin er dessen Klinge richtet und mit welcher Überzeugung im Herzen er in die unausweichlichen Schlachten schreitet. Eine vage Bestimmung, mehr ein freundschaftlicher Schubser, während der Vater seinem eingeschüchterten und verunsicherten Sohn ein „Mach was draus.“ über die Schulter ins Ohr raunt. Aber auch die Freiheit sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Nur fehlte ihm dadurch, gerade zu Beginn ihrer Zeit in Zweimühlen, der Zugang zu den einfachsten Prinzipien und Grundlagen der Verwaltung und Herrschaft. „Das Richtige“ lag nicht immer in der Schnittmenge seines eigenen, von Avon geprägten Gerechtigkeitssinnes und dem was das Schollen- und Adelsrecht vorsah und der Begriff erwies sich als äußerst dehnbar gerade an einem Ort wie der Wildermark. Ohne Willbrecht und die Bücher, die ihm Corellian nach seinem Tode vermacht hatte, hätte er es vermutlich niemals geschafft, dass tatsächlich Recht und Ordnung in Zweimühlen Einzug gehalten hatten. Wackelig zwar und bisweilen geleitet von seinem eigenen Bauchgefühl, aber immerhin.

Wulfgar nahm den locker geschnürten Beutel und seine Pfeife von dem eher beiläufig und schludrig zusammengefalteten Wappenrock, den er auf einen der um den zentralen Tisch verteilten Hocker verbannt hatte und fischte etwas von dem bereits im Lauf der vergangenen Tagen an Menge erheblich zusammengeschrumpften Krauts aus den Tiefen des abgegriffenen Leders. Sein Ohm hatte Wulfgars letzte schnippische Bemerkung einfach übergangen und nippte an seinem Wasserschlauch, während er langsam zum Zelteingang schlurfte und einen Blick nach draußen warf. Es war dunkler geworden und ein noch sehr verhalten an der Zeltplane zupfender Wind kündigte Regen oder zumindest ein Unwetter an. In der vorabendlichen Hitze hielt sich die Betriebsamkeit und Hektik innerhalb des Lagers in Grenzen. Die Soldaten und Mitglieder des begleitenden Trosses zogen es vor, wenn ihnen keine unmittelbar zu erledigenden Aufgaben zugeteilt waren, im Schatten der von den Zelten abgespannten Tücher bis zum Absinken und Verschwinden von Praios‘ sengendem Auge auszuharren und nach Möglichkeit Kräfte zu sparen. Sein Neffe folgte ihm und lehnte sich gegen eine der Zeltstangen im Eingang, während er das feine Kraut in den Pfeifenkopf stopfte. Die Stirn unter den langen, blonden, im Moment zu einem kräftigen Zopf in seinem Nacken gebändigten Haaren zerfurcht von Sorgenfalten, nahm der junge Mann die dunklen Wolkenberge in Augenschein, die sich über dem Osten zu grotesken, hoch aufragenden Formen auftürmten. „Es bedarf keiner Hexe, um uns zu verraten, dass es regnen wird … und das vermutlich nicht zu knapp.“ knurrte Willbrecht trocken. „Dem Boden wird es gut tun … wenn es lange genug regnet, dass er das Wasser auch aufnehmen kann.“ bemerkte Wulfgar, bezweifelte aber, dass der rissige, von der Hitze ausgedörrte und festgetretene Staub im Lager überhaupt etwas davon aufnehmen würde. Stattdessen würden sich die Pfade zwischen den Zelten vermutlich bis zum Mittag in eine einzige große und unwegsame Schlammpfütze verwandeln. „Sofern nicht bereits geschehen, gebt bitte nachher die Order aus, dass jeder im Lager seine Strohmatratzen und Schlaflager aufbocken soll. Gleiches gilt für Kleidung, Waffen und Rüstzeug.“ Sein Ohm nickte, ein süffisantes Schmunzeln konnte er sich jedoch nicht verkneifen. „Dann war es doch nicht ganz umsonst, dass dich die Heldentrutzer an den vorlauten Ohren durch die Wildnis am Rand der Schildlande geschleift haben.“ Ein schiefes Grinsen schlich sich über Wulfgars Mundwinkel, gefror aber schnell wieder zu einer Maske der Besorgnis, die sich schon zuvor über seine Züge gelegt und einen düsteren Schatten über seine Miene geworfen hatte.

Etwas, das Willbrecht Helmisch keineswegs entging. „Aber der Regen ist deine geringste Sorge, hab ich recht?“ Wulfgar nickte langsam, fast schwerfällig und seine Augen wanderten in Richtung der Reichsstraße, die sich in der Ferne wenige Meilen vor Talf das sanft ansteigende Hügelland emporwand und gen Gallys führte. „Aruna und die Anderen jagen einen unbestimmten und von Answin beschworenen Zweifel … wer sagt uns, dass von Rabenmund sie nicht wissentlich auf eine falsche Fährte und in die Höhle des Drachen gelockt hat, um die Stärkung unserer Position nach dem Sieg gegen den Falkenbund gleich wieder einzudämmen?“ – „Der Glaube daran, dass auch Answin in diesem Zweckbündnis zumindest für den Moment einen notwendigen Verbündeten gegen Ucurian gefunden hat? Daran, dass er einen Gesichtsverlust vor dem Haus Bregelsaum ebenso fürchtet wie die Unberechenbarkeit eines Weidener Vogts, der ihm schon beim ersten Aufeinandertreffen bewiesen hat, dass er vor einer Demonstration der Macht nicht einfach einknickt?“ Wulfgar blieb ihm eine Erwiderung schuldig und zündete die Pfeife an. Mit einem tiefen, erschöpft klingenden Seufzen ließ er den Rauch durch seinen Mund und die Nasenlöcher entweichen. „Jene, die schon Umgang mit euch pflegten und euch begegnet sind, sehen in euch längst nicht mehr die jugendlichen Emporkömmlinge und Nichtdarpatier. Sie sehen und bewerten das, was ihr in diesen zwei Götterläufen alles erreicht habt. Ob sie es wollen oder nicht, ihr werdet in den Jahren, die da kommen, eine wichtige Rolle bei der Befriedung der Wildermark einnehmen. Und jetzt da der Nordmarken-Konflikt beigelegt ist, wird sich auch Kaiserin Rohaja selbst diesem Schandfleck neben dem Herzen des Reichs annehmen. Vielleicht nicht sofort, aber in absehbarer Zeit.“
Wulfgar brach sein Schweigen mit langsamer, schleppender Stimme. „Wir … haben das nie gewollt. Sind hier geradezu hereingestolpert. Der Finstermann, die Blutkerbe und jetzt das unvermittelte Auftauchen einer Fürstin, das alles, was wir hier auf die Beine gestellt haben, ins Wanken bringt. Mir schlug zugegeben das Herz bis zum Hals, als der Bote vom Auftauchen des Heereszuges vor Talf berichtete. Und davon, dass ihr ihm in vorderster Front begegnet. Das war kein simples Säbelrasseln, der Falkenbund war bereit Blut zu vergießen, wenn ihr seinen Forderungen nicht Folge leisten würdet.“ Er bedachte seinen Onkel mit einem eindringlichen Blick. Seine blauen Augen sprühten vor Zorn, auch wenn sein Gesicht auf bedrohliche Art und Weise regungslos in seiner Ernsthaftigkeit erstarrt blieb. „Es geht ihnen immer noch nur um die Macht … nur um die Titel … die verfluchten Ländereien. Die Schlacht auf dem Mythraelsfeld hat so viele Streiter, jegliche Ordnung und Wehrheim in den Flammen vertilgt und alles, wonach ihre Erben streben, sind die Reste des gleichen schon längst verbrannten Kuchens. Und wer hält für seine Ränkespiele den Schädel hin? Esra, Paske, Aruna und Eldrinn … nicht Answin sind dem Falkenbund nachgeritten. Er hat lediglich die Saat des Zweifels gestreut und darauf gesetzt, wie viel uns an der zeitweisen Stabilität und dem Frieden in der Mark gelegen ist. Im schlimmsten Fall stehen sie im Regen, während ein von Rabenmund bei einem Glas Wein im Trockenen sitzt und einen möglichen Erfolg gegen einen Anderen tauscht, wenn wir dadurch geschwächt werden oder unser guter Leumund Schäden davonträgt.“ Willbrecht nickte langsam und er musterte seinen Neffen lange schweigend, während dieser mit verschränkten Armen an seiner Pfeife schmauchte. Wulfgars Kiefer mahlten unentwegt und er kaute, den Blick in die Ferne gerichtet, unruhig auf dem hölzernen Mundstück herum.

„Du machst dir Sorgen um sie.“ Willbrecht warf seine Vermutung in die auffrischende Brise, welche an den vor dem Zelt gestellten Banner nach der langen Windstille fast liebevoll zupfte, als wolle sie die darauf eingestickten heraldischen Figuren zum Tanz auffordern. „Sie sind meine Freunde. Im Osten jenseits von Talf gibt es nicht viele, die sich mit unserer Freundschaft brüsten und sie folgen einem Feind, den wir alle noch kaum einschätzen können. Sollte die Täuschung jedoch auffliegen, droht Ucurian nicht nur der Gesichtsverlust … auch viele seiner Verbündeten werden sich von ihm abwenden. Und vielleicht auch von seiner richtigen Tochter und deren Ansprüchen, auf die er so pocht. Wenn ihm das wirklich so viel bedeutet, weiß ich nicht, wie weit dieser Mann zu gehen bereit ist, wenn er derer habhaft wird, die drohen der Wahrheit gefährlich nahe zu kommen oder diese gar aufzudecken.“ Er spürte wie sich die Hand seines Ohms auf seine Schulter legte. „Ganz gleich, was Answin damit zu erreichen glaubt, deine Freunde haben sich aus freien Stücken entschieden zu gehen. Sie können und werden diese Entscheidungen selbst treffen. Lade dir nicht noch mehr Verantwortung auf, indem du dich mit der Sorge um ihr Wohlergehen umtreibst. Du weißt, dass sie gut auf sich selbst aufpassen können.“ Der alte Ritter stieß Wulfgar aufmunternd den Ellbogen in die Rippen und er zwinkerte verschmitzt. „Du hast dir da ein verrücktes Weibsbild angelacht, Neffe. Eine mit Schneid, fürwahr. Mit ihrer Rede vor den Talfern hat sie sich meinen Respekt erworben und sie wird ganz sicher nicht auf den Moment verzichten wollen, indem du ihr diesen Umstand eröffnest?“

Alter Narr, dachte Wulfgar in einem Anflug von Erheiterung. Nur der Respekt der Donnerin selbst galt für seine Löwin, für niemand anderen würde sie auch nur einen Finger rühren, um sich dessen Respekt zu erarbeiten. Alle Taten stehen für sich. Alle Wege führen zurück zu dem einen Punkt, an dem sich der Krieger, ein Kämpfer immer selbst messen lassen muss. In seinem Herzen. Er hob den Blick zum Himmel. Zu den dunklen Wolken, die jetzt begleitet von einem leise einsetzenden Prasseln die Regentropfen, den sie in ihrer Schwärze trugen, zögerlich in den Wind streuten. Wulfgar erinnerte sich daran, wie er sie schweren Herzens hatte ziehen lassen. Gerade und insbesondere Aruna, die von Anfang an Paskes Tatendrang in dieser Angelegenheit kaum zu teilen schien und sich nur durch Esras Einwirken dazu erweichen ließ ihnen für eine Art schlimmstmöglichen Ausgang Schwert und Schild in diesem Plan zu sein und sie letztlich doch zu begleiten. Behüte sie, Herrin von Donner und Sturm, murmelte die Stimme in seinem Schädel nachdenklich. Das hier ist kein Schlachtfeld mit dem sie vertraut sind. Es ist ein Sumpf des Verrats und der Lügen. Beschütze sie alle vier. Und bring sie zurück nach Zweimühlen. Ganz gleich, was auch passiert, es wird nur ein bitterer Vorgeschmack dessen sein, was uns alle hier in den kommenden Götterläufen noch erwarten wird. Er ballte die Hände zu Fäusten und das Leder seiner Handschuhe knarrte. In seiner inneren Unruhe, der Ungewissheit, zählte Geduld noch weniger zu seinen Stärken. Donner grollte über der weitläufigen, von sanft ansteigenden Hügeln übersäten Ebene. So sehr ihn diese Erkenntnis auch schmerzte … es lag nicht in seiner Hand. Mit unbewegter Miene verfolgte er, wie sich das Treiben zwischen den Zelten unter Murren und Klagen, aber auch nicht selten begleitet von Gelächter unter die aufgespannten Zeltplanen verlagerte, über die Abspannleinen zum Trocken geworfene Wäsche eilig abgezogen und ins Zeltinnere verfrachtet wurde und die wenigen Wachhabenden jetzt mit übergeworfenen Teermänteln über die nur langsam aufweichenden Wege stapften. Alles, was sie jetzt tun konnten, war warten. Er hasste warten. Aber noch mehr hasste er die Ungewissheit ...

Session: Der Zug der Fürstin - Die Windkönigin - Monday, Jul 10 2017 from 10:00 AM to 1:00 PM
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Der Talfer Bund
Der ungleichmäßige Tritt seiner Stiefel durch das inzwischen niedergetretene, sich aber Nacht für Nacht trotzig erneut erhebende Gras, ließ die Platten seiner Rüstung klappern und die gespannten Lederriemen knarren, als würden sie ihren Verdruss über die frühmorgendliche Bewegung zum Ausdruck bringen. Auf der Baernfarn-Ebene, die sich von hier nördlich bis zu den Ausläufern der Wutzenmark spannte und sich im Osten bis nach Gallys spannte, glitzerte der morgendliche Tau, der die in sattem Grün leuchtenden Halme benetzte, im Licht der sich besonnen erhebenden Praiosscheibe. Würde nicht die erwachende Geschäftigkeit des erwachenden und nur einen Steinwurf entfernten Talf zu ihm herüberschwappen und sich mit dem murmelnden Stimmengewirr, dem Klirren von Ketten und Waffen, kurz dem aufkommenden Lagerlärm, vermengen, hätte er die Aussicht wohl genossen. Es hätte ihn an seine Zeit nahe der Grünen Ebene und nördlich von Donnerbach erinnert, als er noch ein junger Grenzreiter gewesen war. Eine gefühlte Ewigkeit war das jetzt her. Im Moment konnte er nur durch die Gassen zwischen den wie willkürlich aus dem fruchtbaren Boden gesprossenen Zelten und Feuerstellen sowie der notdürftigen Palisade aus angespitzten, schräg in den Boden gerammten Holzstämmen erahnen, wie sich das hügelige Weideland mit den vereinzelten Imkerhöfen dahinter ausbreitete. Aber er war in seinem langen Leben weit genug gereist, als dass seine Vorstellung die dadurch bedingten Lücken wie von selbst auffüllte. Jenseits der grasenden, an Pflöcke gebundenen Pferde und der Schlange zu dieser frühen Stunde nur hinlänglich bewaffneter Männer und Frauen, die sich am Zelt bei der Essensausgabe versammelten oder keuchend schwere Bottiche mit frischem Wasser zwischen den Zelten herumtrugen, während sie andere, die ihre Wäsche zwischen den Zeltstangen aufhingen, spöttelnd anfeuerten, ruhte zusammengerollt wie ein Hund, der noch in der wärmenden Nähe des Kamins selig schlummerte, der neue Tag und damit auch seine neuen Prüfungen und Herausforderungen, welche die Zwölfe für sie ausersehen hatten. Verborgen im Dunst, dem gemächlich aufsteigenden Morgennebel.

Für einen Augenblick glitt sein Geist zurück zu längst vergangenen Tagen. Mehr als zwanzig Jahre war es jetzt her, seitdem er zum letzten Mal ein Heereslager durchschritten hatte. Natürlich war das kein Vergleich zu den mehreren Dutzend Zelten, die kaum Kampf- oder Marscherfahrene hier in lockerer Ordnung hinter der zusätzlichen und eilig ins Erdreich gestemmten Palisadenreihe hochgezogen hatten … damals waren es fast 15000 Soldaten aus allen Teilen des Mittelreiches gewesen, alleine über tausend Reiter und Dutzende von Rittern und Rondrianern mitsamt Gefolge. Es war das größte Heer und auch die größte Schlacht gewesen, die er jemals in seinem Leben gesehen hatte. Er zog damals unter dem Banner Rondreds Donnerklinge von Salzsteige, der viele Jahre später der Schwertvater seiner geliebten Nichte Ardariel werden sollte, und es war sein letzter, großer Ritt im Schatten des Bären. Graf Helme Haffax und König Brin von Gareth hatten damals die Truppen in die verzweifelte letzte Schlacht gegen die Schwarzpelze auf den Silkwiesen geführt und das ganze Mittelreich war ihrem Ruf gefolgt. Das Lager glich in seiner Hektik und dem Gedränge auf den sorgsam, aber wie mit einem aufgrund der gebotenen Eile von zittriger Hand geführten Lineal gezogenen Zeltgassen einer ganzen, waffenstarrenden Stadt und war erfüllt von der Aufregung, dem Gefühl der Bedrohung durch die dumpfen, hohlen Trommelschläge der nur wenige Meilen entfernt lagernden Orks und zugleich einer fast greifbaren Hoffnung, die durch die Anwesenheit legendärer und schlachterfahrener Helden geschürt wurde. Das Fahnenmeer in dem die größtenteils schlicht und einfarbig gehaltenen Großzelte ertranken, war unbeschreiblich. Banner, Wimpel und Wappen aus allen Teilen des Reiches. Bär und Wolf Seite an Seite mit Greifen, Löwen und Füchsen sowie unzähligen Spielarten fantasievollerer Wappentiere. Er bekam noch heute eine Gänsehaut, wenn er sich daran erinnerte, wie sich die schwere Reiterei mit donnerndem Hufschlag über die Hügelkuppe auf das Schlachtfeld ergoss und den Blick auf die wogende Flut der Schwarzpelze, deren vereinzelt aus der Masse aufragenden Oger und ihre eigene, krude Reiterei freigab. Willbrecht selber auf Graf Siegward, gedrängt zwischen die mächtigen Streitrösser der Weidener und Tobrischen Ritterschaft, die flankiert vom IV. Kaiserlich und Königlichen Garetischen Garderegiment und dem Garderegiment Raul von Gareth, die mit angelegten, blitzenden Lanzen direkt auf die dichtgedrängten Reihen der Orks und damit den Wall aus kruden Speeren, wild gezackten Schwertern und Äxten zusprengten.

Damals war alles noch so einfach gewesen, zumindest gefühlt. Die Orks, wenngleich auch von fürchterlicher und feiger Gerissenheit und brutaler Entschlossenheit getrieben, auf der einen und sie, die letzte Verteidigungslinie des Mittelreiches vor den Toren Gareths auf der anderen Seite. Er fuhr sich mit der behandschuhten Hand durch den vollen, weißen Bart und nickte, während ein Lächeln seine Lippen umspielte, einer jungen Soldatin zu, die gerade einen ausgemergelten, streunenden Hund mit Kochlöffel und Topf von dem krude getürmten Stapel von Schüssel und den daran klebenden Essensresten verscheuchte. Sie stammelte ein bemühtes „Gu … guten Morgen, Herr von … Moosgrund!“ und errötete in Verlegenheit, als sie sich der Tatsache gewahr wurde, dass sich Löffel und Topf beim Versuch zu salutieren durchaus als hinderlich erweisen könnten. Mit einem gütigen Schmunzeln, dass seinen faltigen und aufgrund der im letzten Moment zersprengten Schlacht mit dem Falkenbund ruhelos wirkenden Zügen etwas von der Spitzbübigkeit verlieh, die er so oft auch aus dem Gesicht seines Neffen zu lesen vermochte, befreite er sie von der Sorge sich ungebührlich zu verhalten. Er war nie der Schleifer gewesen, den sich Avon vielleicht manchmal als Vormund für seine Kinder gewünscht hatte … möglicherweise war es aber auch genau diese ruhige, beharrliche Weidener Art gewesen, von der sein Bruder sich erhofft hatte, dass zumindest Teile davon auch auf den jungen Wulfgar und seine ältere Schwester Ardariel übergreifen würden. Rondred Donnerklinge hatte sie mit dem Holzschwert durch den Burghof gejagt und sie alles über den ehrbaren Kampf mit der Waffe des Adels gelehrt, was ihre Körper damals zu stemmen vermochten. Sie bestraft, wenn sie sich wieder mit den Stallburschen gerauft oder eigenmächtig Ausflüge ins Moosgrunder Umland unternommen hatten, während er sich hinter Bittschriften, Urkunden und einer Unterzeichnung harrenden Erlässen vergraben und um die Verwaltung des kleinen Lehens gekümmert hatte. Und der Wulfgar und Ardariel süße Stückchen aus der Küche gebracht hatte, wenn Rondred sie wieder zum Stallausmisten verdonnert hatte.

Er duckte sich mit einem verhaltenen Seufzer ob der nötig geworden Verbeugung unter einem allzu nachlässig gespannten und tiefhängendem Zeltvordach durch und wich damit einer die Zeltgasse verstopfenden Ansammlung von leicht gerüsteten Mitgliedern der Zweimühlener Landwehr aus, die eine der Patroullien der Talfer Garde abgepasst hatten und sich scherzend und gelöst über Neuigkeiten aus dem Umland unterhielten. Natürlich hätten die Gerüchte spätestens bis zum nächsten Markttag in Zweimühlen die Runde gemacht, aber die Gesprächsfetzen, die an sein Ohr drangen, klangen eher nach einem lebensfrohen Ausdruck der großen Erleichterung, die mit der im letzten Moment abgewendeten Schlacht einhergegangen war. Innerlich hallte immer noch das Wimmern und Jammern, das Klagegeheul und Schluchzen nach, dass ihn damals eingehüllt und nach der Schlacht wie benommen zwischen den Zelten hatte umhertaumeln lassen. Orientierungslos, wie betäubt und zwischen alleine aufgrund ihrer bloßen Anzahl und Vielzahl verwischten Gesichtern der Vorbeistreifenden auf der Suche nach seinen Waffenbrüdern und -schwestern umherstolpernd. Er zweifelte nicht daran, dass es hier nicht anders gewesen wäre, wenn der Tag einen anderen Verlauf genommen hätte. Doch die Götter hatten Gnade gezeigt und alle Seiten vor großem in seinen Folgen unabsehbarem Blutvergießen bewahrt. Kein offener Krieg zwischen dem Falkenbund und Zweimühlen, sondern letztlich nur das Rasseln mit zweifelsohne geschärften Säbeln.
Etwas, dachte er sich, als er auf das große, schwarz und gold gekachelte Turnierzelt zuhielt, vor dem zwei junge Frauen in Kettenhemden zwei Pferde, einen großen gescheckten Warunker und einen einen elegant tänzelnden schlanken und gleichzeitig muskulösen Rappen, am Zügel hielten und hier in der jungen Morgensonne offensichtlich der Rückkehr ihrer Lehnsherren harrten. Die kleinere der beiden, eine Frau mit einer streng geschnittenen Topffrisur, deren Haare im Schein von Praios Antlitz golden über dem Wappen mit dem darpatischen Stierkopf leuchteten, musterte ihn, ohne eine Miene zu verziehen. Die zweite, eine vom Feuer geküsste Jungfer, auf deren blasser Haut zahlreiche Feenküsse sprossen, hielt die Augen strikt auf den Zelteingang gerichtet, während ihre behandschuhte Hand auf dem Schwertgriff an ihrer linken Seite lag. Eine goldene Scheibe prangte auf dem grünen Wappenrock, den eine goldene Borte umrahmte. Vor dem Zelteingang hatten zwei Soldaten Zweimühlens Stellung bezogen, ein älterer, an den Schläfen bereits ergrauender Mann mit sorgsam gestutztem Bart und kurzem Bürstenschnitt und eine junge unscheinbare Frau mit schulterlangem braunen Haar und einer hässlichen Hasenscharte über dem linken Mundwinkel. Beide trugen Kettenhemden und den gelben Wappenrock mit den beiden roten Mühlrädern und an der Seite ein Kurzschwert. An ihrer Haltung hätten Offiziere der alten, inzwischen fast vergessenen Wehrheimer Schule sicherlich das eine oder andere auszusetzen gehabt, aber die Wachsamkeit, mit der sie ihn in Augenschein nahmen, verriet dass sie sich auf einem guten Weg befanden. Gemäß ihrer Befehle trat der Ältere beiseite und die junge Frau schlug die Zeltplane zur Seite, um ihm Zutritt zu verschaffen und unterstrich dies mit einem knappen Nicken.

Als er sich unter dem gekachelten Stoff hindurchduckte, benötigten seine von der schlaflosen Nacht noch müden Augen einige Sekunden um sich an das Dämmerlicht im Zeltinneren zu gewöhnen, das nur durch eine Öffnung im Zeltdach und zwei weitere in der Zeltwand vom Morgenlicht gespeist wurde. Weit heruntergebrannte, nur noch trotzig flackernde Kerzen stemmten sich in wachsverkrusteten Zinnhaltern auf dem großen Holztisch in der Mitte des Raumes gegen das Zwielicht, in dem mehrere schemenhafte Gestalten über Karten und zahllose Schriftstücke, die dort verteilt lagen, gebeugt standen. „… in der hinteren Wutzenmark. Die Reiter sollen jegliche Bewegungen entlang der Grenzlinie zu Gallys beobachten. Es ist unwahrscheinlich, aber sicherlich nicht ausgeschlossen, dass von Eulenberg Teile seiner Truppen abspaltet, um festzustellen, wie lange der Verbund hier lagert.“ Wulfgar wischte mit dem Finger über die fleckig gepunktete Grenzlinie im Osten, die das Drei-Baronien-Eck zwischen Gallys, Zweimühlen und Grassing teilte. Die ruhige, im Vergleich zu dem Grollen seines Neffen fast leise wirkende Stimme von Answin dem Jüngeren von Rabenmund antwortete ihm als erste. „Mit Eurer Erlaubnis, Herr von Moosgrund, könnten ausgesuchte Späher meines Banners eure Kontingente aufstocken und den Bereich, den sie abdecken können, erweitern.“ Obwohl er inmitten der hochgewachsenen Krieger wie Wulfbrandt von Rosshagen, Praiodan Bernfried von Bregelsaum und Wulfgar selbst, fast schmächtig wirkte, verlangte ihm der in eine prächtig verzierte, brünierte Plattenrüstung nach Garether Machart gehüllte Mann mit den hageren, glatt rasierten Gesichtszügen Respekt ab. Er konnte seinen Finger nicht darauf legen, was genau es war, was ihm dieses Zugeständnis entlockte, aber der Baron von Bröckling war ein Musterbeispiel für den alten Schlag des darpatischen Adels, dessen berühmt-berüchtigter Vorfahr vor einigen Jahren noch das Mittelreich in eine seiner schwersten Krisen gestürzt hatte. Kompromisslos, stolz und standesbewusst hatte er unter dem alten Ochsenbanner einige der ältesten wenngleich auch nicht zwangsläufig einflussreichsten Häuser der Mark um sich gescharrt. Auch wenn er hier gönnerhaft und als Förderer des neuen Gleichgewichts in der Mark auftrat, wusste Willbrecht, dass ihn die Fortschritte des Falkenbundes gerade unter dem Bekanntwerden der Rückkehr der „Fürstin“ unter Zugzwang gesetzt hatten.

Wulfgar hatte die Stirn in Falten gelegt und nahezu unmerklich streifte sein kurzer Blick in die Runde auch ihn, seinen Ohm. Offensichtlich genügte das, um ihn in seiner stummen, selbst gefällten Entscheidung zu bekräftigen. „Unser Dank für Euer großzügiges Angebot, Euer Hochgeboren, aber seid versichert, dass unsere Grenzreiter in der notwendigen Anzahl das uns wohlvertraute Gelände überwachen. Noch vor unserem Aufbruch in Zweimühlen habe ich entsprechende Anhebungen angeordnet und veranlasst.“ In seinem Lächeln, dass sein schlohweißer, wallender Bart und der Schatten, in dem er sich zum größten Teil noch befand, verbargen, spiegelte sich der ehrliche und aufrichtige Stolz auf seinen Neffen wider. Wulfgar hatte in den vergangenen Monden viel gelernt und in Momenten wie diesen, war es ihm, als würde er das leibhaftige Abbild von Avon dort zwischen Baronen und selbsterklärten Fürsten stehen sehen. Natürlich verfügte Zweimühlen bei der Stärke mit der sie hier auf dem Feld erschienen waren weder über die Mittel noch über die freien Kräfte, um das weitläufige Gelände alleine abzudecken, der Vogt von Zweimühlen hatte jedoch erkannt, dass dies der falsche Rahmen war, um eine solche Schwäche vor einem möglichen künftigen Konkurrenten einzuräumen geschweige denn ihm einen tieferen Einblick in die östlichen Grenzlande der Baronie zu gewähren. Nicht wenige hätten in dieses großzügige Hilfsangebot eingewilligt, aber es war ein nicht ungefährliches Geplänkel zwischen den Zeilen, dass ihm wieder ins Gedächtnis rief, worum es sich bei dieser Zusammenkunft wirklich handelte. Ein loses Zweckbündnis, dass nur die Machtdemonstration gegenüber einem gemeinsamen Feind zusammenhielt, der seine eigene politische Karte jetzt um einige unvorhergesehene und schwer zu durchschauende Seilschaften ergänzen musste.

Answin senkte kurz sein Haupt zur Erwiderung auf Wulfgars respektvolle Absage und seine schmalen Lippen spannten sich zu einem dünnen, aber keinesfalls unfreundlichen Lächeln. „Ich werde meine Truppen täglich um eine Anzahl von 3-4 Reitern verringern, die morgens im Rahmen und Anschein eines Patroullienrittes aufbrechen und nach Bröckling zurückkehren. Durch die Häufung an Plünderungen nahe der östlichen Grenze zu Wutzenwald durch die Bande von Sharkush Morchai sehe ich mich gezwungen hier zu Gunsten unserer eigenen Grenzsicherung von einer längeren Stationierung abzusehen. Die gestellten Zelte werden wir jedoch bis zum ganzheitlichen Auflösen des Feldlagers hier zurücklassen, um Spione, die sich vielleicht unter die Flüchtlinge aus Gallys oder Wutzenwald gemischt haben, über unsere tatsächliche Stärke im Unklaren zu lassen.“ Wulfgar nickte und ließ seinen Blick zu Praiodan Bernfried von Bregelsaum gleiten, der neben Willbrecht und Helmbrecht von Weihenhorst aus Goldweiler der Älteste hier im Zelt war, sich aber hier mit seiner aufrechten Haltung und seiner strengen, autoritären Ausstrahlung sichtlich nicht unwohl zu fühlen schien. Auch er war ein sprichwörtliches, aber in keinster Weise abschätzig betrachtetes Relikt aus älteren Zeiten, der noch das alte Darpatien erlebt hatte und auch einen Teil dieses alten, vergessenen Glanzes in dieses Zelt und die Reihen der größtenteils jüngeren und bei weitem weniger namhaften Würdenträger des in jüngster Zeit als „neues Herz der Mark“ bezeichneten Landstriches trug. Männer wie Erlan von Dunkelstein-Schnattermoor oder auch Brunerich Eichblatt sahen zu ihm auf. Es war abzusehen, dass das Haus Bregelsaum eine gewichtige Rolle bei der Befriedung der Mark zukommen würde. Zudem verhielt sich sein Haus weitaus weniger expansionistisch als die untereinander auch noch zerstrittenen Teile des Hauses Rabenmund und verzichtete in diesem Zusammenhang auf die durchaus nicht seltenen und berechnenden Provokationen an ihre direkten Anrainer. „Wir werden bleiben. In Angesicht unserer Waffenbrüderschaft hier auf den Feldern vor Talf und der Tatsache, dass auch meine hochgeschätzten Nachbarn hier geeint stehen, trage ich die Hoffnung im Herzen, dass unseren Grenzen augenblicklich keine anderen Gefahren drohen, welche den Abzug meines Heerbanns begründen könnten.“

Seine geschätzten 30 Reiter, darunter bestimmt ein Dutzend Ritter mitsamt Gefolge waren ein über ein bloßes Lippenbekenntnis hinausgehendes Versprechen an den Talfer Bund und unterstrichen seine Ambitionen den Falkenbund an einer weiteren Eskalation an der Reichsstraße zu hindern. Aber es war bei weitem nicht alles, was der einflussreiche Baron ins Feld führen könnte. Auch hier schwang also eine versteckte Drohung mit, die aber weniger gegen Dergelsmund und von Rosshagen als vielmehr gegen von Rabenmund und die zurückliegenden Nickeligkeiten gerichtet war, die jetzt mehr noch als sonst als unnötige Nebenschauplätze begraben werden sollten. Ein kurzer aber eindringlicher Appell ohne Säbelrasseln oder beleidigende Schuldzuweisungen. Willbrecht war beeindruckt. Wulfgar ließ die Dankbarkeit gegenüber dem Baron von Königsweber in einem freundlichen Lächeln durchschimmern und ließ die Worte von Praiodan kurz nachwirken, bevor er selbst wieder das Wort mit wieder in Ernsthaftigkeit erstarrender Miene ergriff. „In Absprache mit Talf und den übrigen Mitgliedern des Städtebundes werden wir eine Verstärkung der dauerhaften Präsenz an der Reichsstraße in Erwägung ziehen. Angesichts der noch ungeklärten Zugrichtung von Sharkusch Morchais Mordbrennern und der ungewissen Loyalität der Baronie Gallys, auf die der Falkenbund zumindest soweit Einfluss auszuüben vermag, dass sie ihm Durchzugsrechte gewähren, erscheint mir dies als das Mindeste, was wir tun können, um den gegenwärtigen Status der Stadt Talf zu wahren und den freien Handel über die Reichsstraße zu sichern.“ Wulfgar richtete sich auf und verschränkte die Arme hinter dem Rücken. Der Stahl der Plattenteile seiner Rüstung glomm matt im Kerzenschein und im flackernden Lichthof schienen sich die Flügel der Gravur des herabschnellenden Falken, der seinen bartbewehrten Plattenkragen zierte, zu bewegen. „Die Zweimühlener Landwehr wird die kommenden beiden Tage gemeinsam mit unseren Verbündeten hier für ausgiebige Waffenübungen nutzen und dann wieder abziehen. Bis die Lage sich weiter entspannt hat, werden wir hier jedoch den grundlegenden Lagerbetrieb aufrechterhalten und in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des Städtebundes für eine ausreichende stehende Besetzung und gesicherten Nachschub sorgen …“ Genaue Zahlen gab er nicht preis, aber es war zu erwarten dass das Klären dieser offenen, ungestellten Frage auch Bestand der anstehenden Gespräche mit ihren Bundgenossen sein würde. Wulfgar wusste, dass der Kostenpunkt dieser Unternehmung, zu der er sich gezwungen sah, nicht unerheblich sein würde und er warb deshalb offensichtlich um die Unterstützung ihrer Verbündeten. In gewisser Weise pochte er auch darauf, aber das würde er später erst im Gespräch mit den Einzelnen hervorheben. Wenn der Städtebund von Zweimühlen sich wirklich als Machtfaktor beweisen wollte, dann war jetzt der Moment gekommen, um zusammenzurücken. Zweimühlen konnte diese Last nicht alleine schultern.

„Wir verfolgen die weiteren Schritte des Falkenbundes mit gesteigerter Wachsamkeit und Sorge ob der kursierenden Gerüchte um die Rückkehr und den Zug der Fürstin, unser größtes Augenmerk gilt allerdings unserer von der Kaiserin höchstselbst bescheinigten Souveränität und des Fortbestehens der gezogenen Grenzlinien. Alles, was hier, auf diesem Feld geschehen ist, war eine Machtprobe des Falkenbundes. Es wäre töricht anzunehmen, dass die Bedrohung hiermit auf Dauer abgewendet ist, jedoch hat der gestrige Tag uns eine Erkenntnis gebracht, die nicht mit Gold aufzuwiegen ist. Wenn die hart erkämpfte Stabilität und der ohnehin unsichere Frieden dreist auf die Probe gestellt werden, stehen wir zusammen.“ Und mit einem Ausdruck ehrlicher Dankbarkeit wandte er sich mit einer Verbeugung direkt an die Barone von Bröckling und Königsweber, aber auch an Goldweiler, das sich erst jüngst dem Städtebund angeschlossen hatte. „Oder rücken zusammen.“
Session: Der Zug der Fürstin - Der Tanz auf der Klinge - Monday, May 29 2017 from 10:00 AM to 1:00 PM
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4. Ausgabe der Märkischen Volksstimme, Rondra 1033
Kaiserin Rohaja von Gareth bestätigt Wulfgar Nordfalk von Moosgrund als Vogt im Amt und ehrt die Helden von Zweimühlen

Bei Ihrem vielbeachteten Besuch in der einstigen Baronie Zweimühlen hat Ihre Majestät, Kaiserin Rohaja von Gareth, den Weidener Krieger Wulfgar Nordfalk von Moosgrund, zum rechtmäßigen Vogt und Statthalter von Ihren Gnaden ausgerufen. Seit nunmehr zwei Götterläufen leitet der Sohn des einstigen Streiters des Reiches, Avon Nordfalk von Moosgrund, gemeinsam mit seiner Begleiterin, der Amazone Aruna aus Yeshinna, die Geschicke des neugegründeten Zweimühlener Bundes und der Stadt selbst. Sie ließ zudem verlauten, dass im Zuge des Triumphes Aruna aus Yeshinna und Wulfgar Nordfalk von Moosgrund fortan den Titel Edle vom Zweimühlener Land tragen würden, überbrachte kostbare Geschenke aus den Schatzkammern des Kaiserreichs, verlieh den Greifenstern in Gold an die beiden Recken sowie die Tsageweihte Esra Erlenbach und den Lowanger Adeptus Paske Wittgenstein und rühmte die Verdienste der tapferen Zweimühlener im Kampf gegen Unrecht und verdammungswürdige außerderische Einflüsse. Sie kündigte an, den Wiederaufbau des alten Rondra-Tempels in Talf entlang der Reichsstraße in die Wege leiten zu wollen und stellte diesen unter die Aufsicht der tapferen Amazone, die hier in Zweimühlen selbst finsteren Dämonen die Stirn geboten hatte. Auch sprach Sie mit großer Zuversicht davon, dass Zweimühlen als Fanal für all jene dienen werde, die noch furchtsam zusammengekauert unter der Willkür und Gewalt in der Wildermark ächzten. Mit der Beendigung des Nordmarken-Konflikts stellte Sie zudem auch weitere Bemühungen um den Frieden im einstigen Darpatien in Aussicht.

Gallys: Kontrollen am Stadttor verschärft, erste Zusammenstöße zwischen Grenzwächtern und orkischen Marodeuren

Baron Etzel von Echsmoos hat ein strenges Edikt erlassen, dass den Zustrom von Flüchtlingen aus Wutzenwald strikten Regularien unterwerfen soll. Flüchtlinge ohne Verwandte oder mögliches, selbsterworbenes Auskommen oder entsprechend mitgeführtes Vermögen werden am Tor abgewiesen. Wehrfähige Frauen und Männer werden jedoch ermutigt sich durch einen Beitritt zur Gallyser Miliz über den Verlauf eines Götterlaufes das Bürgerrecht zu verdienen. Mitgereiste Perainegeweihte aus dem Wutzenwalder Tempel, die es nach diesem Erlass ablehnten selbst Schutz in der Stadt zu suchen, sprechen von katastrophalen Lebensbedingungen und Umständen für die in der schlichten Zeltstadt am Fuß des Artema-Berges hausenden Familien. Eine überschaubare Gruppe von Obstbauern aus dem näheren Umland versuche zwar ihr Möglichstes, um die Hungernden mit Lebensmitteln zu versorgen, aber die Geweihten befürchten, dass selbst diese Anstrengungen zum Erliegen kommen, sobald die Zeit der Ernte ansteht. Mit Sorge blickt man auch auf den anstehenden Winter und die Meldungen, dass es in den Grenzregionen zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Gallyser Söldnern und Spähern von Sharkush Morchais Horde gekommen sein soll.

Friedwang: Drachenjäger entdecken die Ruinen eines verborgenen Weilers

Eine Gruppe aus Glücksrittern, goblinischen Jägern und wagemutigen Friedwangern ist bei der Suche nach dem das Umland heimsuchenden Drachen in den tiefen Wäldern zwischen Friedwang und Oppstein auf die Überreste eines vergessenen Weilers gestoßen, dass wohl zwei guten Dutzend Flüchtlingen schon seit längerer Zeit als Heimstatt diente. Die niedergebrannten Hütten und aus dem Sumpf ragenden angesengten Pfähle, auf denen die Siedlung sich einst über den Morast erhob, lassen sich wohl auf das Wirken eines Drachen zurückführen, allerdings kamen den Jägern wohl Plünderer zuvor, wie die leeren Vorratskeller und um allen Schmuck erleichterten Leichname verrieten. Obwohl mehrere Dutzend Schritt den Wald von den Ausläufern des kleinen Weilers trennten, macht es den Anschein, als wenn durch den Funkenflug auch ein nicht unbeträchtlich zu nennender Teil des alten Waldes in Mitleidenschaft gezogen wurde. Auch hier im rußgeschwärzten heruntergebrannten Unterholz kam es zu grausigen Funden weiterer Leiber, möglicherweise von Flüchtenden, die vergebens versuchten der geflügelten Bestie zu entfliehen.

Wutzenwald: Widersprüchliche Gerüchte über den Verbleib von Morchais Horde, Handgreiflichkeiten zwischen Garde und Bürgern

Nachdem weiter im Unklaren liegt, wo sich die Kräfte des orkischen Kriegsfürsten Sharkush Morchai sammeln, verbreiten sich unter der einfachen Landbevölkerung die wildesten Gerüchte über den Mordbrenner. Tatsächlich bestätigt sind weiterhin nur eine Handvoll Übergriffe, bei denen das Augenmerk der Plünderer scheinbar mehr der Beute als dem Erschlagen der Bauernfamilien galt, wie Überlebende berichteten. Bereitet sich Morchai auf den Winter vor oder handelt es sich hierbei um die ersten Vorbereitungen für eine langwierige Belagerung von Wutzenwald selbst? Aldoron von Wutzenwald hat eine Gesandtschaft aus Grassing empfangen und es machen Gerüchte die Runde, dass hinter den Kulissen die Bedingungen für ein mögliches Verteidigungsbündnis verhandelt werden. Um die Verhandlungslage des Wutzenwalder Barons könnte es allerdings, schenkt man dem Volksmund Glauben, eher dürftig bestellt sein. Tatsächlich spielt Grassing in die Karten, dass sich die unmittelbaren Anreiner an Wutzenwald bislang mit Unterstützung und Hilfsangeboten bedeckt halten. Infolge der Blockade am Wutzenwalder Tor kam es zu mehreren Handgreiflichkeiten zwischen Stadtbürgern und Gardisten und gut einem Dutzend Verhaftungen. Der Pfleger des Landes hat die Konfliktparteien zur Mäßigung aufgerufen und sich als Vermittler für eine mögliche Lockerung der Ausgangssperre angeboten. Er betonte die Bedeutung gerade jetzt in diesen schwierigen Zeiten an einem anhaltenden Dialog festzuhalten.

Rabenmark: Mögliche Sichtungen des Schwarzschelms, mehrere Würdenträger setzen hohe Belohnungen für Ergreifung und Hinweise aus.

Unbestätigten Gerüchten zufolge könnte Torxes von Freigeist die schwarzen Lande verlassen haben und sich der anhaltenden Unruhe in der Wildermark bedienen um wieder zurück ins Herz des Mittelreiches zu gelangen. Sowohl Ludalf von Wertlingen als auch Answin d. J. von Rabenmund, Ucurian von Rabenmund und Gernot von Mersingen haben hohe Belohnungen für Hinweise geboten, die zur Ergreifung des Schwarzschelms führen. Von einer direkten Konfrontation wird aufgrund der Gefährlichkeit und Unberechenbarkeit des Gesuchten dringend abgeraten. Es ist ungewiss, welche Ziele der vergiftete Geist des Schwarzschelms dieses Mal verfolgt und der Marschall ruft alle Wildermärker zur Vorsicht und Wachsamkeit auf.
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Ein Brief nach Hohenstein
Werter Freund,

ich weiß nicht ob dieser Brief dich erreichen wird, aber ich vertraue Erlgau und er ist in den vergangenen Götterläufen zu einem fähigen Grenzreiter und Kundschafter geworden, der sich darauf versteht unsichere Straßen, Pfade und auch allerlei lichtscheues Gesindel zu meiden, dass sich leider auch dieser Tage noch in der Mark herumtreibt. Alles, was ich weiß, ist, dass du dich auf Geheiss deiner hochgeschätzten Mutter dem Falkenbund angeschlossen hast. Also habe ich Bastan nach Hohenstein entsandt, ganz alleine in der Hoffnung, dass er dich dort noch antreffen wird.

Wie mir zugetragen wurde, haben sich in den vergangenen Wochen viele Räder in Bewegung gesetzt, angefangen von der Bedrohung durch Sharkush Morchai und seine Mordgesellen aus dem Norden, kleineren Scharmützeln zwischen Gallys und Grassing bis hin zu Beergard von Rabenmund, die nach ihrem Sieg über die Aufrührer jetzt das Falkenbanner über Ochsenweide aufziehen ließ. Der Falkenbund lagert nun also auch in direkter südlicher Nachbarschaft vom einstigen Einzugsgebiet der Baronie Zweimühlen.

Wie ist es dir ergangen? Hat man dich mit einem angemessen komfortablen Bett für die beschwerliche Reise versöhnt? Ich weiß wie sehr es dir aufs Gemüt schlagen kann, sollte dem durchaus berechtigten Anspruch an eine wohnliche Schlafstatt nicht entsprochen werden. Doch lassen wir den Schelm mal ruhen und besinnen uns auf das, was hinter uns liegt. Es wird dich sicher mit derselben Erleichterung erfüllen, dass ich dir mitteilen kann, dass der Finstermann erneut geschlagen wurde. Wie mir Aruna berichtete, wurde die Seele des letzten Marschalls von Darpatien, Wulfrat von Rabenmund, beim Kampf in seinem eigenen verderbten Geiste befreit und er hat damit zum letzten Mal einen Fuß auf die geschundene Erde der Mark gesetzt.

Ein Blutbad wie in der berüchtigten Nacht des Schreckens blieb Zweimühlen erspart, aber der Kampf gegen die Schatten forderte dennoch seinen blutigen Tribut vor den verschlossenen Toren. Unter den wehrlosen Flüchtlingen. Ich weiß nicht, ob wir mehr hätten tun können … ob ich mehr hätte tun können. Als wir mit blanker Klinge zwischen die wütenden Schatten fuhren, war schon so viel, zu viel Blut vergossen worden. Der Sicherheit der Stadt galt unsere größte Sorge, doch rechtfertigt das wohl kaum mein Zaudern, das mich jetzt mit diesen Bildern bis ins hohe Alter verfolgen wird. Aber keine Sorge, die Lebenserwartung von Männern wie mir hält sich wohl durchaus in Grenzen, es gibt also wohl kaum zu befürchten, dass ich irgendwann mit düsterer Miene und Grüblerisch auf steinernen Stufen sitze und meinen Enkeln mit brechender Stimme von dieser Nacht berichte.

Wir alle haben unser Bündel zu tragen, spüren die Verantwortung, die in unsere Hände gelegt wurde. Das wird bei dir nicht anders sein, alter Freund, der du dich nun auf einer Seite wiederfindest, die ihr Knie vor einem falschen Kaiser beugt. Es ist selten so, dass uns die Wahl bleibt, wenn wir selbst uns einmal für das entschieden haben, was wir für das Richtige halten. Doch die Konsequenzen müssen wir alleine tragen. Wie vielleicht bereits an deine Ohren gedrungen ist, wird die Kaiserin in der Mark erwartet und Zweimühlen befindet sich in Aufruhr, weil es selbst zum zeitweisen Quartier Ihrer kaiserlichen Majestät auserkoren wurde.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was Sie hierher führen mag, aber ich bange ein wenig um die Ruhe, die wir uns jetzt alle verdient haben. Natürlich wäre es noch zu viel gewagt, die Wildermark jetzt schon als sicher zu bezeichnen, aber zumindest können wir uns in der Gewissheit wähnen, dass einer der vielen Brandherde ein für alle Mal erloschen ist.

Du magst mir sicher nachsehen, dass ich dich hier nicht mit weiteren Berichten über die politische Lage im Umland langweile, aber leider kann ich bis mich auch deine Worte erreichen, nicht sicher sein, ob jemand anders diesen Brief abfängt. Du sollst nur wissen, dass du auch weiterhin mein allumfängliches Vertrauen als Freund genießt, ganz gleich welche mit spitzer Feder gezeichneten Grenzen uns nun trennen mögen. Du bist mit uns durchs Feuer gegangen, hast mit uns Nekorius bezwungen und auch wenn die Kaiserin dich vermutlich mit keiner Silbe erwähnen wird, zählst für uns und die Menschen hier auch du unbestreitbar zu jenen, die ihnen in der Zeit größter Not Schwert und Stab waren.

Aus diesem Grund eröffne ich dir hier nun noch etwas, dass du im Trubel deines Aufbruchs selbst vielleicht nicht zur Kenntnis genommen hast: Salina hat Zweimühlen verlassen. Ich weiß weder wohin sie gezogen, noch ob sie in Sicherheit ist. Die Späher, die ich ihr nachgesendet habe, um ihren Weg unbemerkt zu begleiten und für ihre Sicherheit zu sorgen, waren angewiesen ihr bis zu den Grenzen der Mark zu folgen. Sie folgte der Straße in Richtung Markgrafschaft Greifenfurt, als die Männer und Frauen kehrtmachten, um nach Zweimühlen zurückzukehren. Die Wildermark hat sie also hinter sich gelassen und ich bin überzeugt, dass die Zwölfe ihre Hände auch weiterhin schützend über sie halten und sie vor Unbill behüten. Unter ihrem Herzen trug sie ein Kind.

Ich weiß, dass es für dich vielleicht nicht leicht sein wird auf diese Weise davon zu hören, aber ich bin gewillt den Gerüchten Glauben zu schenken. Dass es dein Kind ist. Wenn du dich eines Tages dazu entschließt sie zu suchen, dann wisse, dass du auch in mir einen entschlossenen Begleiter an deiner Seite wähnen kannst. Gib nur Bescheid.

In aufrichtiger Freundschaft,

Wulfgar

Session: Zeichen des Sommers - das Fest - Monday, Apr 18 2016 from 10:00 AM to 2:00 PM
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3. Ausgabe der Märkischen Volksstimme, Praios 1033 BF
Finstermann geschlagen! Gerüchte über Zug der Kaiserin in die Wildermark

Nachdem Zweimühlen bereits vor einem Götterlauf Opfer der Angriffe des finsteren Unholds geworden ist, stellten sich zur Jährung dieser verheerenden Blutnacht ein lockeres Bündnis aus Mitgliedern des Zweimühlener Städtebundes, den Kaiserlichen und Streitern aus Gallys, Dergelsmund und gerüchtehalber auch Burg Auraleth dem drohenden Schatten entgegen. Obwohl uns genaueren Schilderungen über die Umstände und den Verlauf der Schlacht noch nicht vorliegen, heißt es, dass es den Zweimühlenern gelang das Heer ihres Widersachers zu zerschlagen und ihm auch selbst den tödlichen Streich zu versetzen. Den gesammelten Verbündeten bleibt es wohl gedankt, dass die Schreckensnacht aus dem vergangenen Jahr keine Wiederholung fand. Die Menschen auf den Straßen sprechen von einem Leuchtfeuer der Hoffnung, das mit der Vernichtung der legendären Geißel jetzt wieder in ihren Herzen lodert. Fürwahr ein großer Tag für die Mark und mehr als nur ein Symbol für viele, die auf die Wiedervereinigung und eines Tages auch die Befriedung des einstigen Darpatiens hoffen. Zudem wurden nur wenig später nach dem Bekanntwerden des Sieges Stimmen laut, die davon sprachen, dass Ihre kaiserliche Majestät höchstselbst sich auf dem Weg in die Wildermark befände, um die Bemühungen der tapferen Städter und ihrer Schirmherrn angemessen zu würdigen.

Ochsenweide: Freier Rat entmachtet, Beergard von Rabenmund hisst Banner des Falkenbundes über dem Ochsenweider Turm


Letztlich hatten die Bürgerwehren des Freien Rates den gut organisierten Soldaten des Cronverwesers Ucurian von Rabenmund kaum etwas entgegenzusetzen, noch weniger nachdem es hieß, dass sich der kommandierende Führer der ochsenweider Miliz mit einer Handvoll Getreuer in die Wälder abgesetzt hat, noch bevor es zu einem ersten offenen Gefecht kam. So lösten sich die Verbände der Abtrünnigen auf und die einstige Baronin konnte ohne weiteres Blutvergießen auf ihren alten Stammsitz vorrücken. Die verbliebenen Mitglieder des Rates wurden festgesetzt und in zwei besonders gravierenden Fällen des Verrates an ihrer Baronin geteert und schwarz gefedert aus der Stadt gejagt. Es bleibt abzuwarten welche weiteren Folgen der Machtwechsel nun nach sich zieht. Gerade die direkte Nachbarschaft mit dem offen kaisertreuen Zweimühlen könnte für die Region weitere Spannungen bedeuten.

Gallys: Weitere Hinrichtungen aufgrund der Drôlenhorst-Krise

Wie uns zugetragen wurde, hat der Baron Reto Ertzel von Echsmoos auch zwei adelige Mitglieder der Schwarzklingen, darunter auch Hauptmann Tyakronus von Yslistein mit dem Schwerte richten lassen. Es heißt er hätte dies entgegen der anderslautenden Aufforderung von Hauptmann Wulfhelm von Oppstein getan, der im Namen von Oberst Bunsenhold von Ochs die Herausgabe der Gefangenen zu weiteren Ermittlungen verlangt hatte. Die kaiserliche Gesandtschaft brach die Verhandlungen ab und verließ Gallys damit vorzeitig. Von Echsmoos ließ nachfolgend verlauten, dass dieses Schicksal allen drohe, die seine rechtmäßigen Ansprüche und seinen tadellosen Ruf gleichermaßen bedrohten oder sich als Gefahr für Gallys und seine Bürger erwiesen.

Friedwang: Paktschluß zwischen Goblinsippe und Baronin

Nachdem es im vergangenen Rahja zu mehreren bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Goblins und Friedwanger Bürgerwehren kam, haben sich das Oberhaupt der Goblinsippe und die Baronin auf einen zeitweisen Frieden geeinigt. Die genaueren Umstände sind noch unklar, aber es geht das Gerücht um, dass ein bislang nicht in Erscheinung getretener Drache auf dem alten Stammesgebiet der Goblins sein Unwesen treibt. Aufgrund der großen Bedrohung für die Dörfer in den schwer zugänglichen Wäldern in den Ausläufern der Schwarzen Sichel hat die Baronin ein Kopfgeld von 200 Dukaten für den Tod oder die Vertreibung des Drachen ausgesetzt. Der Pakt zwischen Goblins und Friedwängern soll bis zum Ende dieser Bedrohung Bestand haben, gerüchtehalber regt sich aber bereits Widerstand bei jenen Dörflern, die in der Vergangenheit schon häufiger Händel mit den Rotpelzen zu beklagen hatten.

Wutzenwald: Rauchsäulen über Wutzenwald - Erste Überfälle von Morchais Horde

In den Regionen um die Hauptstadt ist es vereinzelt zu Plünderungen gekommen, wie aus dem nördlichen Baroniegebiet fliehende Bauern berichteten. Über das genaue Ausmaß der Schäden ist nichts Genaues bekannt, aber Späher berichteten von dunklen Rauchsäulen in drei bis vier Tagesreisen Entfernung zu Wutzenwald. Baron Aldoron von Wutzenwald hat die Kontigente der Bewaffneten aufgestockt und macht von seinem Recht Gebrauch jeden Mann und jede Frau waffenfähigen Alters in die Miliz einzugliedern. Unbekannt ist weiterhin, ob aus dem Umland Unterstützung für die verunsicherte Bevölkerung anrücken wird oder wie viele Kämpfer der bislang durch die Wildermark streifende Sharkush Morchai tatsächlich um sich gescharrt hat. Der Baron hüllt sich bislang in Schweigen, schürt damit aber noch die Unsicherheit und Sorgen der einfachen Landbevölkerung, die auf der Suche nach Schutz aus dem Umland in die Stadt strömen. Die Stimmung in der Stadt ist aufgeheizt, seitdem die Garde einflussreiche Bürger und Handwerker an den Toren abfängt und sie daran hindert die Stadt mit mehr als den am Leib getragenen Sachen zu verlassen.

Gareth: Veröffentlichung von vertraulichen Akten des KGIA sorgt für Aufruhr

Die vom Schreiber Igan Trappenfeld geborgenen und dem Aventurischen Boten zugespielten Dokumente aus den vermeintlich als aufgelöst deklarierten Reichsarchiven des KGIA sorgen in der Hauptstadt für Wirbel. Obwohl sich der aufgegriffene Inhalt je nach Quelle und deren Augenmerk stark unterscheidet, handelt es sich zweifellos um eine der brisantesten Dokumentensammlungen der mittelreichischen Geschichte, die vor allem zum Großteil vertrauliche und mit höchster Diskretion zu behandelnde Informationen über viele wichtige und ehrbare Würdenträger im Reichsadel behandeln. Voraussichtlich wird es Jahre dauern die gesammelten Dokumente vollständig zu sichten, zumal die Garether Garde bereits damit begonnen hat, die ersten Teilabschriften zu beschlagnahmen. Jeglicher Besitz, Teilen der durch das Studium errungenen Kenntnisse sowie die Veröffentlichung der unter die höchste Geheimhaltungsstufe fallenden Akten des KGIA wurde unter strenge Strafe gestellt. Es drohen Reichbann und lange Haftstrafen.
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Die richtigen Worte
Die Tinte war längst wieder getrocknet, aber unter dem leichten unmerklichen Zittern seiner Hand bohrte sich das Knirschen und Kratzen des angespitzten Federkiels über das unebene Pergament, das vor Wulfgar ausgebreitet lag, direkt in sein Bewusstsein. Es war der stumme Spott der Leere, die sich wie ein gähnender Spalt vor ihm auf dem Pult auszubreiten schien, während er durch das immer noch unbeschriebene Stück Pergament hindurchstarrte. Der leichte Sommerregen klimperte fröhlich und vereinzelt gegen die Fensterscheiben der Schreibstube, in die aufgrund des immer wieder zwischen den dunklen Wolkenfetzen hervorlugenden Praiosmals zu dieser fortgeschrittenen Stunde immer noch mehr als genug Licht fiel, um den in seinen Streifen tanzenden und wirbelnden Staub zu bescheinen. Die Luft war stickig, muffig vom Dunst der vielen sich hier lange unbewegt in den Regalreihen drängenden Bücher, Dokumente und Karten, die sich hier über die Jahrzehnte angesammelt hatten. Wulfgar fragte sich, wie Paske und Eldrinn Genugtuung darin finden konnten, ihre Nasen stundenlang in Bücher zu stecken. Andererseits hatte jemand einstmals die Disziplin gefunden, um seine Worte zu Papier zu bringen. Wulfgar fand nicht ein einziges …

Er stützte den Ellbogen auf das Pult und vergrub das Gesicht in seiner Handfläche, während seine vom keine Stunde zurückliegenden Schwerttraining schwieligen Finger seine Schläfen massierten und seufzte. „Liebe …“ setzte er in Gedanken an und zog innerlich einen dicken Strich durch sein geistiges Gekritzel. „Liebste …“ – „Werteste …“ Am liebsten hätte er das Tintenfässchen genommen und gegen die Wand geworfen. Normalerweise dachte er über so etwas kein zweites Mal nach, aber in seinem Körper und seinem Verstand breitete sich eine unerklärliche Mattigkeit aus, die seine Hilflosigkeit zum Ausdruck brachte und selbst das plötzliche Aufwallen der Frustration erstickte. Gedankenverloren glitt Wulfgars Blick zum Fenster und den aufragenden Umrissen der Häuser am Platz der Sonne, die getränkt in den goldenen Glanz der Praiosscheibe nur noch undeutlichen Schemen glichen. Nahezu alles erschien ihm ungleich verlockender als hier zu sitzen und mit den Fingern in seiner Ungeduld unwillkürlich auf das dunkle Holz der Schreibplatte zu trommeln. Auf das Blatt zu starren, das sich einfach nicht von alleine füllen wollte. Selbst das undeutliche Rauschen, das Stimmengewirr aus den Gassen zerrte an ihm, wollte seine vormals so unbändige Entschlossenheit ins abendliche Tageslicht schleifen, um den warmen Regen auf seiner Haut zu spüren und die andauernde Qual abzuwaschen.

Fast zwei Wochen waren seit dem Ende der namenlosen Tage vergangen und nahezu mit dem ersten Glockenschlag hatten sich auch wieder Botenreiter unter die Reisenden gemischt und die Tore in beide Richtungen durchritten. Seine Schwester hatte sich für das Fernbleiben der Weidener entschuldigen lassen und auf kleinere Grenzscharmützel zwischen dem Sturmbanner und bislang keinem Mächtebündnis zugeordneten Söldnerhaufen an der nördlichen Grenze zwischen der Wildermark und der Baronie Perainenstein verwiesen, die sich dort zwischenzeitlich ereignet hatten. Lianna hatte ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht, dass sie ihm in jenen dunklen Stunden nicht zur Seite gestanden hatte, ja, musste sich erkundigen, wie es überhaupt um sein Wohlergehen bestellt war. Er war ihr bis zu diesem Zeitpunkt eine Antwort schuldig geblieben … Seitdem zwang er sich regelmäßig dazu die Einsamkeit der Schreibstube zu ertragen und sich dem Widerhall seiner hier ungebrochen auf ihn hereinbrechenden Gefühle der Zerrissenheit zu stellen. Auf der einen Seite die Pflicht … seine Familie … das Erbe seines Vaters, auf der Anderen die Geborgenheit in den Armen einer Frau, die ihn besser und länger kannte als jede andere … seiner Gefährtin, die auch in der Zeit der größten Not und Finsternis Schulter an Schulter, Seite an Seite mit ihm gekämpft hatte.

Aruna … die Amazone, die er vor wenigen Wochen noch als unerreichbar, ja vielleicht sogar unnahbar bezeichnet hätte, sobald es über die Grenzen ihrer Freundschaft hinausging. Wulfgar konnte nicht einmal sagen, was genau sich verändert hatte. Er wusste, dass sie unter dem Herzen noch immer die schrecklichen Bilder von der Befreiung Warunks trug. Sie hatte bislang noch kaum ein Wort darüber verloren, aber Wulfgar war überzeugt davon, dass sie sich ihm anvertrauen würde, sobald sie dazu bereit war. Als sie den Anschlag auf Ludalf von Wertlingen vereitelt hatten, hatte Wulfgar geglaubt etwas von ihrem Schmerz durchschimmern zu sehen. Das Pferd, das sie von dem Schwertzug heimgeführt hatte, hatte zuvor einer Kampfgefährtin, einer Kameradin gehört, die den Sturm auf Warunk wohl mit dem Leben bezahlt hatte. Eine Stück atmender, schnaubender Erinnerung, an dass sie sich geklammert hatte, und das von einem einzigen, verirrten Armbrustbolzen, der vielleicht seiner Reiterin gegolten hatte, im wüsten Kampf gegen die Reichsverräter eine Verletzung davongetragen hatte, denen es noch auf dem Schlachtfeld erliegen sollte. Sie war schon lange seine Freundin gewesen, jene unerschütterliche Gefährtin, die ein jeder sich der Schlacht nur an seine Seite wünschen konnte. Eine Schwertschwester, nach denen Männer wie Frauen ein Leben lang suchten. Oftmals vergebens. Doch in diesem Moment hatte ihr unvermittelter Zusammenbruch ihn an etwas erinnert, dass er lange verdrängt hatte. Dass sie ein Mensch war …

Nicht nur die entschlossene Amazone mit einem klaren Sinn für Recht und Gerechtigkeit unter dem strengen Blick der donnernden Göttin. Nicht nur der verlässliche Schwertarm und der wache Verstand in der Hitze des Kampfes, in dem Wulfgar sich ganz dem Rausch der klirrenden Klingen und krachenden Schilde hingab. Nicht nur die strenge, schroffe Hauptfrau der Garde, die dem Haufen eingeschüchterter Büttel Ehre und Disziplin beigebracht und sich ihr Ansehen in Zweimühlen selbst hatte verdienen lassen. Sondern eine verletzliche Frau und Freundin, die in der Zeit in den Schwarzen Landen Furchtbares hatte erdulden müssen. Obwohl beide nie die gegenseitige Nähe gesucht hatten, konnte Wulfgar dem Drang nicht widerstehen, seine Gefährtin in diesem Moment tröstend in die Arme zu schließen.

Vielleicht war es dieser Moment gewesen, der sie beide hatte spüren lassen, dass dort in aller Aufrichtigkeit etwas begraben lag, dass sie beide stets unterdrückt hatten. Dass beiden niemals über die Lippen gewichen war … und auch jetzt nicht. Er konnte es nicht in Worte hüllen, was sie beide jenseits aller Offensichtlichkeiten in der gemeinsamen Berufung verband. Ob es die emotionsgeladene Spannung vor dem vor unheiliger Energie knisternden Portal gewesen war, an deren unsichtbaren Ausstieg der Finstermann auf sie gewartet hatte … der ferne, dumpfe Schlag der Glocken am Tor, das von der Ankunft der Schattenhorden kündete … die Ungewissheit, ob sie beide sich wiedersehen würden, nachdem sich hier offensichtlich der bislang gemeinsam beschrittene Weg gabelte. Einer musste bleiben, einer den Finstermann stellen. Und die eisig kalten Finger der Erkenntnis, die sich in diesem Augenblick um Wulfgars Handgelenk geschraubt hatten, an ihm zogen, zerrten und sich gegen die Wälle seines Verstandes warfen, der gebetsartig wieder und wieder flüsterte, dass sie beide ihre Pflicht tun müssten. Eine klamme, ungekannte Furcht, dass das brodelnde Tor in die verzerrte Gedankenwelt des Wulfrat von Rabenmund Aruna verschlingen und nie wieder freigeben könnte.

Dass er im Bruchteil einer Sekunde hätte entscheiden können sie zu bitten mit ihm fortzugehen. Die Pferde zu satteln und die Stadt, das Alles, die Bedrohung, die Gefahr hinter sich zu lassen. Nicht dass sie jemals eingewilligt hätte … nicht einmal, dass ihm diese Frage im Angesicht des nahenden Feindes jemals in den Sinn gekommen wäre. Das war ein Gedanke für den Moment gewesen, in dem sich die Traube an Umstehenden geteilt und ihm gerade lange genug eine Gasse bereitet hatte, um sehen zu können, wie Aruna regungslos ausgestreckt dort lag. Auf demselben Stein, auf dem der Finstermann schon einmal ihrer beider Blut vergossen hatte. Eine Hand, die sich auf seine Brust legte und Ariadne gehörte, die ihm entschlossen und mit einem Blick der keinen Widerspruch duldete den Weg vertrat, während sie nahezu beiläufig auch alle anderen aus dem Pallas scheuchte. Er hatte den Stich gespürt, das plötzliche Hervorbrechen der Erinnerung an den flüchtigen Moment, in dem sie zu ihm gestürmt war, ihm die Arme um den Hals geworfen und ihre Lippen auf seine gepresst hatte. Er war zu benommen, um der Bannstrahlerin zu widersprechen. Zu überwältigt von dem fast friedfertigen Ausdruck, der sich über Arunas in ihrer Todesnähe fast sanft wirkenden Zügen ausgebreitet hatte. Wulfgar musste an das Aufblitzen, das Strahlen ihrer dunklen Augen denken, als sich ihre Blicke begegnet waren, während sich ihre Körper nach dem schicksalhaften Kuss gelöst hatten.

Wäre Esra nicht gewesen, wären ihre Augen für immer geschlossen geblieben. Auch wenn er wusste, dass es in dieser Nacht das Rauschen des Blutes in seinen Ohren war, das sich wie flüssiges Feuer durch seine Adern wälzte, glaubte er dem mächtigen Flügelschlag des Golgari zu lauschen, der über der einstigen Grafenburg kreiste. Als wollten ihm die Zwölfe sagen, dass jedes Leben endlich ist. Dass nicht die Menschen alleine über den Zeitpunkt entscheiden, an dem die Götter sie an ihre Tafel rufen. Das Unausgesprochene, das, wofür er die Worte auch jetzt nicht fand, flutete seinen Verstand, riss die krude gezimmerten Dämme mit sich und sog sie in den dunklen Strudel des einzigen Gedankens, den er noch fassen konnte, als die Bannstrahler sie aus der Tür zum Rittersaal schoben.

Vielleicht niemals.

Wulfgar bettete die Feder auf dem Pergamentstapel und griff nach dem ausgefransten Lederstück, dass er mit einer Schnur wieder sorgsam um den gläsernen Hals des Tintenfässchens wickelte. Er wusste nicht, was er schreiben sollte. Er verstand nicht, was mit ihm geschah. Aber es fühlte sich echt an … aufrichtig und es erfüllte ihn mit der Gewissheit mit allem hier, den Entscheidungen wie auch der Verantwortung nicht alleine zu sein. Aruna und er, sie gaben einander Halt. Etwas, dass sie beide brauchten, weil sie zu lange nicht danach gegriffen hatten. Es nicht gewagt, vielleicht gefürchtet hatten …

Vielleicht niemals.

Die Worte hallten in seinem Kopf wider und Wulfgar vergrub das Gesicht zwischen den Händen. Dann rieb er sich die Schläfen und erhob sich langsam von dem erleichtert knarrenden Stuhl. Auch in diesem Belang wogen diese Worte schwer. Er war es Lianna schuldig. Aber nicht heute … Möglicherweise auch nicht morgen. Erst musste er verstehen, was in ihm vorging. Ob es mehr war als bloße, zu lange unterdrückte Leidenschaft. Andererseits … als würde er überhaupt wissen, wie er herausfinden konnte, was in ihm vorging. Vielleicht sollten Aruna und er auch zur Abwechslung mal miteinander reden. Der Weidener schmunzelte und fuhr sich durch den Bart, während er gemächlich zum Fenster schritt und sich gegen den Rahmen lehnte, um in die draußen vorherrschende Helligkeit zu blinzeln, die immer noch von sporadischen Regentropfen durchbrochen wurde, die von außen gegen das Glas pochten.

Die Zwölfe hatten ihnen diese Gelegenheit geschenkt und das war nichts, was man hinterfragen sollte. Für die Erfüllung ihrer Pflicht hatten sie beide einen hohen Preis bezahlt. Wulfgar im fackelerleuchteten Zwielicht am Tor, als die verzweifelten, markerschütternden Schreie der wehrlosen Flüchtlinge zu den Mauern empordrangen und Aruna den Kampf gegen den fürchterlichen Unhold und Meister der Schatten beinahe mit ihrem Leben. Etwas Glück … nur ein kleines bisschen Glück sollten sie beide sich jetzt verdient haben. Auch und gerade, weil sie beide wussten, dass der Kampf um die Mark mit dem Sieg über den Finstermann noch keinesfalls entschieden war.
Session: Zeichen des Sommers - das Fest - Monday, Apr 18 2016 from 10:00 AM to 2:00 PM
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Abschied Teil III
Der frische, noch jungfräulich weiße Docht benötigte einige Augenblicke, bevor er sich zu verfärben begann und sich schließlich den Flammen der Kerze ergab, die auf Wulfgars Nachttisch brannte. Die Flamme knisterte züngelnd und hungrig, als sie ihre flackernde Pracht geduldig mit der geschnitzten Ikone teilte. Der angenehme, fast beruhigende Duft von Bienenwachs stieg ihm in die Nase. Als der Docht brannte, hob er sie wieder an und ging bedächtigen Schrittes auf das Fenster zu, dass nach draußen wies und ihm aus dem zweiten Stock der Burg einen Blick über das abendliche, in den mattglühenden Glanz der untergehenden Praiosscheibe gehüllte Zweimühlen gewährte. Wenn er darauf geachtet hätte, aber er wog nachdenklich die Figur in seiner von Wildleder geschützten Hand und musterte das krude, jeglicher Gesichtszüge entbehrende Abbild. Den Mann, der in einer Plattenrüstung, die Hände auf das Schwert gestützt, wortlos in seinem Fenster Wache halten würde. Tatsächlich erschien ihm die eigene Erinnerung ebenso getrügt, wie es die geschnitzte Kerze selbst wiedergab. Grob konnte man die verunstaltete Gesichtshälfte erkennen, derer sich der unbekannte Künstler noch glaubte entsinnen zu können. Kein Lächeln, keine Augen … Wulfgar selbst war sich nicht einmal mehr sicher, ob der Ritter einen Bart getragen hatte. Wer immer diese Figur geschnitzt hatte, hatte vermutlich aus demselben Grund ganz darauf verzichtet. Vor fast genau einem Götterlauf hatte Corelian Alarich von Rabenmund, ihr Gefährte, Begleiter und Freund, sich im Kampf gegen den Finstermann geopfert, ihn mit einem letzten mit dem Mut der Verzweiflung geführten Streich aus dieser Welt verbannt, die der, wie sie jetzt wussten, letzte Marschall Darpatiens Stunden zuvor in Brand gesteckt hatte. Damit drohte alles zu vernichten, was sie hier in Zweimühlen in den zwei Monden vor dem Jahreswechsel auf die wackeligen Beine gestellt hatten.

Ein Götterlauf und der Weidener konnte sich nur noch verschwommen an die Züge seines mittelreichischen Waffenbruders erinnern. Noch weniger an sein Gebahren, sein Verhalten … seine Stimme. So vieles war in der Zwischenzeit geschehen und das Jahr in der Mark erschien ihm jetzt wie eine Ewigkeit, in der er alt und grau geworden war. Die Unrast und Unbeschwertheit seiner Jugend abgestreift hatte, wie den schweren Fellmantel bei den ersten wärmenden Strahlen der Praiosscheibe, wenn in Weiden die Schneeschmelze eingesetzt hatte. Er grinste verschmitzt, während er Willbrecht innerlich zum Ältesten und Burgschrat gleichermaßen erklärte. Ertzel war durch seinen sorgsamen und peniblen Verzicht auf jeglichen Bartansatz sehr schwer auf sein genaues Alter zu schätzen, während sein Ohm mit dem dichten schlohweißen Bart keinen Hehl aus seinem gehobenen Alter und seiner offenkundig damit verbundenen Erfahrung zu machen pflegte. Mit der freien Hand strich er gedankenverloren über das Fensterbrett und blickte auf die Stadt herab, in deren Fenstern stellenweise verloren und winzig wirkende Lichtpunkte entzündet wurden und in weitaus mehr bereits brannten. Ein Lichtermeer, das mit der hereinbrechende Dunkelheit, die sich am Horizont, begleitet von dicken, sich faul wie träge Maden über den Himmel schiebenden Wolkenformationen, bereits ankündigte, zunehmend an wärmendem Glanz und dem Gefühl der Gemeinschaft gewann, mit der man diesen alten, darpatischen Brauch teilte. Als Wulfgar glaubte einen geeigneten Platz für Corelian gefunden zu haben, kippte er die Figur leicht an und ließ einige Tropfen des bereits flüssigen Wachses auf das dunkle, fein gemaserte Holz fallen. Darauf bugsierte er das kleine Andenken an seinen alten Gefährten, dessen Blick so durch die Scheibe in unbestechlicher Wachsamkeit auf den Platz der Sonne herabfiel. Zumindest so lange, bis auch das wächserne grob geschnitzte Haupt des Ritters geschmolzen war. Er lächelte und tippte scherzhaft wie zur Entschuldigung mit seinem Finger auf die Schulter des wächsernen Recken. Er verband keine Schwermut mit dem Gedanken, dass Corelian sie damals verlassen hatte. Der einstige Knappe von Danos von Luring hatte sein Schicksal selbst gewählt, um ihnen allen das Leben zu retten.

Er spürte das Jucken der tiefen Verletzung in seiner Schulter, die ihm der Finstermann über dem Schildarm beigebracht und dabei Knochen und Sehnen gleichermaßen mühelos gespalten hatte. Ganz zu schweigen von den gesplitterten Gliedern seines Kettenhemdes, die Salina noch am Tag darauf aus dem tiefen klaffenden Schnitt hatte fischen müssen. Der junge Nordfalk erinnerte sich noch genau, wie sich die schartige Klinge des einen der beiden Breitschwerter in seine Seite über der Hüfte gebohrt und der Daimonid ihn, mühelos wie ein Kind eine Strohpuppe, über seine Schulter gegen die Wand des Thronsaals geschleudert hatte. Nur seine Rippen hatten verhindert, dass der hasserfüllte Schatten Wolfrats ihn einfach in zwei Hälften spalten konnte. Der in seine Wahrnehmung und Erinnerung eingebrannte Schmerz pochte noch einmal dumpf durch seinen Körper und Wulfgar verzog unwillig das Gesicht zu einer Grimasse. Seine Hand glitt zu der Stelle, an der unter seinem Gambeson die Narbe zu pochen schien. Jetzt bedeckte der matte Stahl der Plattenrüstung einen Teil davon, dumpf schimmernde Kettenglieder füllten die wenigen Lücken in dem im Zwielicht fast düster glimmenden Panzer. Darunter das mit Nieten beschlagene, knielange Wams … dennoch befürchtete er, dass es für den Finstermann nicht reichen würde. Nicht alleine …

Aber sie hatten viel gelernt. Aruna und er, sich in der Zwischenzeit zwar auch den einen oder anderen Feind gemacht, aber auch Verbündete … ja, Freunde gefunden. Die Fackeln, deren Schein sich auf den Bruchsteinfundamenten der Stadthäuser, dem hellgetünchten Fachwerk, aber auch dem dunklen Holz spiegelte, die in den Gassen loderten, gehörten nicht zu dem finsteren Söldnerhaufen, der sich das letzte Mal Zutritt zur Stadt verschafft hatte. Es waren nicht nur Soldaten und Gardisten Zweimühlens, die heute Nacht über die Straßen wachten. Alle waren sie gekommen. Alten Verbündeten wie Wulfbrandt von Rosshagen und Ochsenweide, Ronderik Borkerich mit einem guten Dutzend an Talfer Spießbürgern, Erlan von Dunkelstein-Schnattermoor mit seinen wichtigsten Gefolgsleuten, aber auch neue, zum Teil unverhoffte Verbündete gegen die Finsternis wie Reto Ertzel von Echsmoos, der Baron von Gallys mit einem guten Dutzend Söldner und Ariadne von Grauenstein mit einer Handvoll Sonnenlegionäre von Burg Auraleth. Selbst der Marschall war ihrem Ruf in Person von Hauptmann Wulfhelm von Oppstein mit einem Dutzend kaiserlicher Soldaten gefolgt. Lediglich die Weidener waren noch nicht zurück. Alleine aus Lichthag hatten sie noch nichts gehört, aber es war für Boten und Reisende wahrlich keine einfache und gefahrlose Route über Wehrheim nach Greifenfurt. Ob es reichen würde um den Finstermann zu bezwingen, wusste er nicht, aber Wittgenstein hatte auch davon gesprochen, dass die eigentliche Schlacht nur einigen wenigen vorbehalten bleiben würde. Ihm schauderte, wenn er daran dachte, dass der Magus der Ansicht war, dass sie in den immerwährenden Alptraum des zu Unleben verdammten Marschalls eindringen mussten, um seine dort gebundene Seele zu befreien. Sein einstiger Gefährte, der Golgarit Ardo hätte ihm sicher damit in den Ohren gelegen, dass Träume nur für die Schlafenden und die Toten bestimmt seien und Wulfgar selbst befand, dass er damit durchaus im Recht war. Allerdings war er sich dessen bewusst, dass er es selbst war, der dem schweigsamen Ordensritter diese Worte in den Mund legte … sein Unterbewusstsein … ein Teil der Angst vor dem Unbekannten.

Wahrscheinlich wäre Ardo sogar auf seine … durchaus reservierte Art Feuer und Flamme für das Vorhaben gewesen, die geknechtete Seele des letzten Marschalls aus den Klauen unheiligen Wirkens zu befreien.
Wie es dem Golgariten und der Rittfrau, in deren Gefolge er geritten war, wohl seitdem ergangen war? Ob es ihnen gelungen war Perainefurten zu erreichen? Er wusste es nicht, seit ihrem Widersehen vor einigen Monden hatte er von seinem Gefährten nichts mehr gehört, geschweige denn zu lesen bekommen. Der junge Weidener dachte an die Zeit zurück, als er Aruna und ihrem wild durcheinandergewürfelten Haufen begegnet war, der vom widrigen Wetter gezwungen worden war, den gefährlichen Weg durch das Nebelmoor zu wählen, um schnellstmöglich Nachrichten aus der Grünen Ebene und von Donnerbach nach Trallop zu überführen. Frisch von der Akademie stand er damals noch im Dienst von Stadtmeister Tannfried von Binsböckel und es war das erste Mal, dass er auf weitgereiste Abenteurer traf. Es waren unruhige Zeiten gewesen, die Schnitterunruhen befanden sich kurz vor ihrem Höhepunkt, als sie sich tatsächlich das erste Mal begegneten. Wenn ihm damals jemand erzählt hätte, dass er einst mit der damals so steifen und in ihrer Glaubensausrichtung nahezu verbohrt zu nennenden Amazone gemeinsam durch die Lande ziehen würde, hätte er ihn oder sie schamlos und schallend ausgelacht. Auch das lag jetzt schon fast zweieinhalb Sommer zurück … Götter, wie die Zeit verging. Im Gegensatz zu dem wie er sich fühlte, war sie um keinen Tag gealtert, aber auch in ihren Augen war etwas erloschen. Das jugendliche, fast naive Vertrauen in die auswendig gelernten und streng ausgelegten Worte der Donnerin? Der Glaube an die Ehrenhaftigkeit, die sie stets jedem zu gewähren trachtete? Oder war es einfach die Unschuld eines Menschen, der nie einen Krieg, nie das Leid, nie den Verlust gesehen hatte, der auf einem fahlen Ross auf dem Schlachtfeld direkt neben einem ritt?

Der Hüne seufzte knapp und warf einen Blick zum dem kleinen Schreibtisch, der sich irgendwo unter den unsortierten Stapeln aus Papier verbarg und seiner Blicke entzog. Nur eine Stelle hatte er sorgsam von Pergamenten und Dokumenten freigeschaufelt und sorgte dafür, dass auch nichts von den wackeligen Haufen nachrutschte und die Ruhe der dort sorgsam zusammengefalteten Briefe störte. Sie hatten den Finstermann schon einmal besiegt, sie hatten einen falschen und irregeleiteten Jünger des Kor in seinen letzten Momenten zurück auf den richtigen Pfad geführt, das verseuchtes Blut durch die Adern der Mark pumpende Herz der Dämonen aus der Brust dieser Lande gerissen … sie hatten sich den hinterlistigen Täuschungen eines korrupten Oberst der kaiserlichen Armee entzogen und ihn seiner gerechten Strafe zugeführt … Zweimühlen vor dem Zugriff von Answin dem Jüngeren bewahrt, der bereits seine Hand danach ausgestreckt hatte … sie hatten hier etwas geschaffen. Etwas, das stärker war als jeder Zweifel. Nachdenklich wanderten seine Augen über die wenigen Zeilen, die er aus dieser Entfernung in formschöner Schrift im Zwielicht der einsamen Kerze auf dem Büttenpapier ausmachen konnte. Lianna … Wieviel sich im Laufe eines Sommers doch verändern konnte … wie wenig er die Zeit gefunden hatte, um überhaupt einmal innezuhalten und in sich zu gehen. Zu erfassen, was es eigentlich war, was ihn antrieb. Und jetzt … in diesem Moment blieb ihm noch weniger als in den ungezählten Stunden davor, die Zeit. In einem halben Stundenglas würde auch das letzte Licht der Praiosscheibe von der Finsternis der Nacht verschluckt werden.

Wieder konnte er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Die Nacht, in der es begann … in der er erkannte, dass er für Zweimühlen, für die Stadt und ihre Bewohner kämpfen und, so die Götter es denn wünschten, fallen würde. Der Kreis schloss sich. Dieselbe Frage … und klarer als jemals zuvor seine Antwort. Seine Hand legte sich entschlossen um den Griff seines Zweihänders, Schattenreißer, den er an den Stuhl vor seinem Schreibpult gelehnt hatte und dessen von Eldrinn gravierte Runen im Dämmerlicht verheißungsvoll auf der Klinge glommen. Zu keinem anderen Zweck hatte der halbelfische Magus den Zauber gewebt, der nun im Inneren der todbringenden Waffe schlummerte … um den Schatten zu vertreiben. Ein für alle Mal …

Ein Licht der Hoffnung in Zeiten der Finsternis.
Session: Unsterblicher Schmerz - Einen Schatten zu fangen - Monday, Feb 08 2016 from 10:00 AM to 1:00 PM
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Abschied Teil II
Seine Finger gruben sich in die lockere, lehmige Erde und schoben den braunen Mulch beiseite, mit dem er das Beet bedeckt hatte. Wulfgar lächelte, als seine wühlende Hand eine unförmige, schmutziggelbe Knolle freilegte. Sicher waren sie schon lange eines der Grundnahrungsmitteln im Herzen Garetiens und damit auch alles andere als ein Meisterstück, aber es waren die ersten Kartoffeln des Jahres und damit die ersten, die er selbst gezogen hatte. Mit der Fingerspitze strich er nachdenklich über die runzelige Oberfläche der Knolle und schabte mit ruhiger Bewegung die daran klebende Erdkruste ab. Die Arbeit im Garten beruhigte ihn, sie war ein willkommener Kontrast zum hochauflodernden Feuer des Kampfes, das sobald Klingen gezogen wurden, über seinen Körper hinwegspülte und jegliche Zurückhaltung und Vorsicht augenblicklich zu Asche verbrannte. Hier zählte keine Hast, keine Eile, keine Hektik. Der Weidener lauschte dem Säuseln des Windes, der durch die Sträucher im Innenhof der Grafenburg strich, genoss das Rauschen der Blätter in den gestauchten Baumkronen der beiden jungen Kastanien, die hier Schatten spendeten und zum Verweilen einluden und atmete den durch das rückseitige Fenster in den Hof ziehenden Duft von gebratenem, auf heißem Stein brutzelnden Fleisch für das Abendessen, das Valna in der Küche bereits vorbereitete. Zwar verwehrte ringsum ansteigende Mauerwerk des alten Grafenschloßes Praios zu dieser Stunde bereits den Blick in den Hof und das Licht der Praiosscheibe war nur noch ein goldenes Glimmen an der Oberkante des alten, gut erhaltenen Gemäuers, aber die Wärme des Tages erfüllte noch immer die Luft.

Ertzel, der bis vor wenigen Minuten noch den Burghof gefegt hatte, räusperte sich und Wulfgar blickte auf. Der alte, ergraute Hausdiener hatte sich ebenso straff wie würdevoll auf dem Pfad zwischen den Beeten des kleinen Gartens aufgebaut, dass es auch einem Gardisten Zweimühlens gut zu Gesicht gestanden hätte. „Herr, Salina Selmenbruch und Tjolf Djaske wünschen Euch zu sprechen.“ Tjolf, der junge schwarzhaarige Mann, der gefühlt zu ihrer Ankunft noch ein Kind gewesen war und die Frau mit dem elegant geschnittenen Gesicht, den dunkelgrünen Augen und den langen kastanienbraunen Haaren standen hinter ihm. Die gesunde, kräftige Hautfarbe stand Salina ausgezeichnet und hatte wenig von der übernächtigten und dennoch keine Anstrengung fürchtenden Heilerin, als die er sie im Gedächtnis behalten hatte. Seitdem Eldrinn recht unvermittelt seinen Kontakt fast schlagartig ausgesetzt hatte, war ihr der Krieger weder in den Hallen der Burg noch auf den Straßen von Zweimühlen begegnet. Doch mit der Vielzahl an hilfsbedürftigen Flüchtlingen und den regelmäßig vorkommenden Verletzungen bei Feldarbeit oder Handwerk, hatte die Kräuterkundige sicher auch alle Hände voll zu tun gehabt. Sie trag ein weites erdfarbenes Kleid und darunter die Schultern bedeckend ein weißes bäuerlich geschnürtes Leinenhemd. Wulfgar lächelte, nickte kurz und zog den Leinenfetzen von seiner Schulter, mit dem er seine Hände von den gröbsten Verunreinigungen befreite. „Aber natürlich …“

Daske machte einen kurzen Schritt nach vorne neben den sehnigen Majordomus, als sich Wulfgar erhob und die Erde von den seinen verschlissenen Lederhosen klopfte. Der junge, bartlose Mann deutete eine respektvolle Verbeugung an. „Wir sind gekommen, um euch mitzuteilen, dass wir Zweimühlen noch vor den namenlosen Tagen verlassen werden.“ Der Weidener nickte bedächtig und lenkte seinen Blick auf die unbewegte Miene der Heilerin, der lediglich ein kurzes, fast bedauerndes Lächeln über den Mundwinkel zuckte. „Zuallererst solltet ihr wissen, dass ihr weder mir noch sonstwem für eure Wahl Rechenschaft schuldet, denn meiner Erlaubnis bedürft, wenn es euch danach verlangt Zweimühlen zu verlassen.“ Wulfgar schenkte Salina, die sichtlich lange mit ihrer Entscheidung gehadert zu haben schien, ein mildes Lächeln. Tjolf, der offensichtlich mit anderem gerechnet zu haben schien, tauschte einen kurzen Blick mit seiner Mentorin. „Es ist meiner Meisterin nicht leicht gefallen …“ Wulfgar musterte die junge Frau nachdenklich. Sie war die gute Seele der Stadt, auch wenn Weitzmann sich alle Mühe gab, diesen Titel für sich zu beanspruchen. Sie nahm von den Städtern nie mehr als sie unmittelbar zum Leben brauchte und teilte ihr Wissen mit jedem, der ihrer Hilfe bedurfte. Wenn sie Zweimühlen verließ, bedeutete das einen herben Verlust … aber es oblag nicht ihm, darüber zu richten.

„Salina weiß, dass die Namenlosen Tage unerbittlich näher rücken und dass sie an keinem Ort mehr gebraucht werden könnte als hier. Aber dennoch …“ Die schöne Heilerin strich den Stoff ihres weiten Kleides über dem Gürtel glatt und machte den Grund von einem auf den nächsten Moment sichtbar. Den besten Grund … ihr sonst flacher Bauch wölbte sich auffällig und allzu markant, als dass Pludertaschen und Windbeutel die Verantwortung dafür hätten tragen können. Tausend Fragen schossen ihm durch den Kopf … Eldrinn … er stellte keine einzige davon. Seine Züge erhellten sich ob der frohen Kunden, aber er konnte nicht verhindern, dass sich Sorgenfalten auf seiner Stirn bildeten. „Ja, in wenigen Tagen wird Zweimühlen kein Ort für euch drei sein …“ Tjolfs Blick wandte sich ab und er schaute in der Traurigkeit des Kindes, das er vor der Nacht des Schreckens noch gewesen war, auf seine Füße herab. „Zwei, ich werde Salina auf ihren eigenen Wunsch hin nicht begleiten. Ich werde mich …“ Seine Stimme stockte. „… bei der Garde einschreiben.“ Wulfgar wusste nicht, wie lange Tjolf als Salinas Gehilfe gearbeitet hatte, aber er spürte unterschwellig, dass die stumme Heilerin ihm wie eine Mutter gewesen war. „Die Garde kann tapfere junge Männer wie dich brauchen, Tjolf. Ich werde sehen, dass du Erlgau auf den Grenzritten begleiten kannst, wenn Zweimühlen wieder sicher ist. Bleib über die Tage bei deinen Eltern und danach meldest du dich bei Rondrian Pulvertreu.“ Wenn ihm jetzt etwas half, dann war es eine Aufgabe. Seine Augen wanderten zu Salina, begegneten ihrem entschlossenen, aber zweifellos auch von tiefer Traurigkeit durchdrungenen Blick. „Ihr verfügt über eine Reisemöglichkeit?“ Sie nickte und lächelte dankbar über das unausgesprochene Angebot, dass ihr Wulfgar sonst sicher unterbreitet hätte. „Und ihr kennt euer Ziel bereits?“

„Sie möchte ihr Kind gerne im Kreis ihrer Familie aufziehen. Dorthin möchte sie gehen.“ Antwortete Tjolf für die von Nekorius ihrer Zunge und damit auch ihrer Stimme beraubte Frau. Mehr nicht. Selbst wenn er davon erfuhr, würde er ihr nicht folgen können. Götter, Eldrinn, du verdammter Narr! Wulfgar faltete die Hände und verneigte sich tief vor der jungen Frau, die sich nach der Nacht des Schreckens auch seiner Wunden angenommen hatte. „Ihr wisst hoffentlich, das ganz Zweimühlen Euch viel zu verdanken hat, Salina. Wenn ihr eines Tages wünschen solltet, wieder hierher zurückzukehren, dann tut dies in dem Wissen, dass wir, meine Gefährten und ich euch mit offenen Armen empfangen werden.“ Er konnte sehen, dass die Last ihrer eigenen Entscheidung sie niederdrückte, sie aber dennoch entschlossen war diesen Weg bis zu seinem Ende zu gehen. „Mögen die Zwölfe euch auf Euren Reisen beschützen.“ Er stieg vorsichtig über die niedrigen Sträucher hinweg, die den Rand des Beetes säumten und legte ihr eine Hand auf den Bauch, als sie seiner fragend ausgestreckten Hand mit einem Lächeln die Zustimmung erteilt hatte. „Euch beide.“

Sie legte ihre warmen Hände auf seine und er konnte spüren, dass sie ihm in voller und herzlicher Aufrichtigkeit dasselbe wünschte. Ihr Pfad führte sie ins Ungewisse … aber was Zweimühlen erwartete, war ihnen beiden noch allzu gut vertraut. Zu lebhaft waren noch die Bilder, die sich in ihren Köpfen eingebrannt hatten, zu frisch noch die Erinnerungen an die Nacht des Schreckens. Nein, kein Ort für sie … kein Ort für ihr Kind.
Session: Unsterblicher Schmerz - Wandelnde Schatten - Monday, Dec 07 2015 from 10:00 AM to 1:00 PM
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Epic!
Abschied Teil I
Der Ingerimm, der sich langsam seinem Ende entgegenneigte, hatte über die Nacht hinweg noch einmal Regen gebracht und der Duft nassen Grases hatte sich in den sich zu dieser frühen Stunde erst zögerlich mit Leben füllenden Gassen ausgebreitet. Das Praiosmal lugte zögerlich über die Dachgiebel der den Platz der Sonne umringenden Häuser und schien in einer erheiternden Laune der Natur verschlafen zu blinzeln, als sich die letzten verbliebenen, dunklen und noch immer regenschwangeren Wolkenfetzen in der Ferne über den sich zunehmend verfärbenden Himmel schleppten und von Zeit zu Zeit das sonst so wachsame Auge des Götterfürsten streiften. Wulfgar stand gegen einen der hölzernen Balken gelehnt im Eingang der Stallungen und beobachtete schweigend, wie Eldrinn, wie eh und je schief und wackelig im Sattel seines Grauen unter dessen unstetem Gang schwankend, noch einmal einen Blick über die Schulter warf und dabei Wulfgars nachdenklichem, sich noch von der Leere seiner vorauseilenden Gedanken klärenden Blick begegnete. Der Halbelf nickte ihm zu, auch wenn es für den Ungeübten schwierig gewesen wäre, die Bewegung seines blonden Schopfes nicht seinem unkonventionellen Reitstil und der Wahl seines Reittieres zuzuordnen, und hob die Hand. Obwohl der neu erwählte Vogt von Zweimühlen es ihm gleich tat, konnte er spüren, wie schwer es ihm fiel. Wulfgar konnte die Kraftlosigkeit, die Erschöpfung spüren, die sich seiner bei den Worten des Abschieds zwischen seinem Freund und ihm bemächtigt hatte und erst langsam wieder von ihm abfiel. Das Gefühl der Gelähmtheit, der stummen Ohnmacht, die es Wulfgar jetzt schon so oft verwehrt hatte verhindern zu können, dass Freunde und Gefährten von dannen zogen. Zweimühlen den Rücken kehrten.

Corelian opferte sein Leben im Kampf um das, woran er hier glaubte, obwohl es damals noch kaum der Traum, die Vision von Aruna und Wulfgar gewesen war. Es war eine Bedrohung, die bezwungen werden musste, für das Danach hatte sich der Weidener schon mit dem Gedanken angefreundet weiterzuziehen und sich anderswo neuer Probleme anzunehmen … Doch auch Zordan von Elenvina hatte die Nacht des Schreckens mit dem Leben bezahlt, auch wenn sie es in diesem Moment noch nicht ahnen konnten. Seine Verletzungen waren schwer, aber noch schwerer wog seine eigene Entscheidung Eldrinns Hilfe abzulehnen, die sein Leben hätte retten können. Der alte Stadtmeister hatte zu viel gesehen, zu viel erdulden müssen, zu lange nicht die Stimme für den Schutz der Bevölkerung gegen die stetig wechselnden Herren über Zweimühlen erhoben. Und jetzt wusste oder wähnte er sie zum ersten Mal seit dem Jahr des Feuers in guten Händen. Zum ersten Mal hatte er für etwas gekämpft, dass er als würdig und erstrebenswert erachtete. Ein letzter Dienst für seine Stadt … seinen Traum von Zweimühlen, den er selbst nie erfüllt sehen würde. In den Nachwehen der Schlacht hatten nach einiger Zeit sowohl Eldrinn als auch Aruna die Stadt verlassen, hatten ausserhalb der Holzmauer Zweimühlens nach ihrer Bestimmung gesucht. Er war geblieben … So richtig benennen konnte er den Grund dafür nicht. Weil es sonst keiner getan hatte? In einem Anflug altmodischen Pflichtgefühls oder jugendlicher Leichtgläubigkeit?

Eldrinn hatte auf dem Eselrücken die Gasse neben der Roten Gilde erreicht, zwei Händlerinnen, die einen der wenigen zu dieser Stunde besetzten Tische, für sich in Anspruch genommen hatten, sahen kurz von ihren Frühstücksbrettern auf und musterten die bunte Reisegesellschaft. Dann steckten sie die Köpfe zusammen, als sie der Halbelf passierte, hinter dem offensichtlich übellaunig Giacomo mit seinem Ranzen und der Stafellei, die ihm Wulfgar überlassen hatte, hertrottete. Ebenso wie die kleine Abteilung der Almadaner Hakenspieße, die der Magus von seiner Reise nach Punin mitgebracht hatte. Dann verlor er sie hinter der weißgetünchten Fassade des herrschaftlichen alten Magistrats aus den Augen, nur das Rasseln der Bewaffneten drang noch zu ihm herüber. Erst Ramal Ben Amun, der ihm in seiner Zeit in der Stadt ein guter Freund geworden war und nun auch Eldrinn. Der Aruna und ihn als die letzten der einstmals vier Helden von Zweimühlen zurückließ. Wulfgar hatte ihm fast ein Ohr abkauen müssen, bis der Magus mit dem Hintergrund seines Aufbruchs noch vor den Namenlosen Tagen herausrückte. Von Rebental war überraschend wortkarg gewesen und hatte sich zunehmend zurückgezogen, nachdem eines Abends ein Bote aus Taladur eingetroffen war. Nachrichten von seiner Mutter hatten für Eldrinn selten Gutes gebracht. Ein müdes Lächeln kroch über seine Lippen, als er sich daran erinnerte, dass die letzte der vollkommen abgebrannte Giacomo gewesen war, der auf seiner Reise nach Zweimühlen um alles erleichtert worden war, was sie ihm zur Unterstützung ihres Sohnes mitgegeben hatte. Wahrscheinlich hatte Giacomo es auf dem Weg verhurt.

Jetzt zog Eldrinn aus, um sich, wie ihm geheißen wurde, dem Falkenbund unter Ucurian von Rabenmund anszuschließen. Dem Cronverweser des falschen Kaisers Selindian Hal. Eldrinns Mutter musste gehört haben, dass der Marschall der Mark Zweimühlen unter seinen Schutz gestellt hatte, was die Hoffnung auf eine Kontaktaufnahme zu Ucurian von Rabenmund, von der der Magier tatsächlich bezeiten gesprochen hatte, zerschlug. „Man kann sich nicht alle zum Freund machen, aber sieh zu, dass aus einem Freund niemals ein Feind erwächst.“ hatte ihn sein Vater einst gelehrt. Wulfgar hegte die grimmige Befürchtung, dass diese Entscheidung nicht die Menschen alleine trafen. Eldrinn verließ Zweimühlen als sein Freund, aber wenn die Kaiserin einst zur entscheidenden Schlacht rief, würde sie vermutlich das Schlachtfeld trennen, wenn Ucurian nicht zuvor das Knie beugen sollte. Zweimühlen unter dem Greifenbanner, sein Freund unter dem Falken. Er betete dafür, dass es niemals dazu kommen würde.

Sie hatten nicht viele Worte gewechselt zu seinem Abschied. Das Nötigste war gesagt worden, nachdem sich Eldrinn ihm anvertraut hatte. Aber er hatte gespürt, dass die Drohung dessen, was sein könnte, die Luft um sie herum erfüllte, obwohl keiner sie aussprach. Das hätte das Unglück ohnehin nur heraufbeschworen. Innerlich war Wulfgar auf die Knie gesunken, wollte ihn anbetteln, anflehen zu bleiben, Aruna und ihm nicht alleine die Last der Verantwortung über Zweimühlen auf die Schultern laden … aber das war egoistisch. Vielleicht harrte er insgeheim des Tages, an dem ihn ein Marschbefehl des Weidener Heerbanns ihn zurück an die Grenzen der Schildlande rief. Dorthin, wo schlicht und ergreifend der Moment über sein Wohl und Wehe entschied und er keine Entscheidungen traf, deren Auswirkungen erst einige Zeit nicht ihn sondern zuallererst jene trafen, die ohnehin schon schwer an ihrem Los zu tragen hatten. Wenn er sich das gewünscht hätte, wäre er mit Ardariel bei seinen Hauslehrern und seinem Ohm geblieben und hätte sich nicht für den vermeintlich einfacheren, simpleren Weg über die Kriegerakademie entschieden. Voller Abenteuerlust war er losgezogen, um Ruhm und Ehre für sein Haus zu erringen und vielleicht … irgendwann … eines Tages den Fußstapfen seines Vaters zu entwachsen. Er tat es, das spürte er … vor allem, weil ihm die Götter gerade alle naselang einen Felsfindling auf die gerade noch so eben wirkende Straße kippten und von ihm erwarteten, sich davon nicht beirren zu lassen.

Leichter gesagt als getan. Er hatte sich vorgenommen im Stillen vor sich hinzubrüten, wann immer die Zeit es erlaubte. Wulfgar wusste nicht, wem er sich anvertrauen sollte. Die Plattitüden seines Onkels quollen ihm bereits aus den Ohren. Aruna war froh, wenn er sich mit Eifer in die Trainingsduelle stürzte, aber er zweifelte daran, dass er ihr sein Herz ausschütten konnte, ohne dass sie sich für all die kleinen und großen Gemeinheiten, die er ihr schon um die Ohren gehauen hatte, revanchieren würde. Ja, geschweige denn, bemerken würde, wie ernst es ihm mit diesen Gedanken war. Wie gerne er davonlaufen würde … und wie sehr er sich gegen diesen Drang stemmte, weil sonst keiner außer Aruna bliebe, der den Menschen in Zweimühlen noch Schwert und Schild war. Mehr noch … ein unerschütterliches Vorbild im Glauben an den Frieden, der einst eines Tages hier Einzug halten würde … ja, musste. Nicht zwangsläufig jemand, der sie führte. Aber jemand, der ihnen bewies, dass es Hoffnung gab.

Etwas, das so einfach klang … es vielleicht auch war, nach allem, was sie schon in Zweimühlen erreicht hatten. Dennoch fühlte es sich furchtbar zerbrechlich an. Ganz so wie Freundschaften und das Miteinander auf der Burg, dass nicht mehr dasselbe sein würde. Wulfgar hasste es daran zu denken, wie still es ohne die handfesten Streitigkeiten zwischen dem Halbelfen und der heißblütige Amazone in den Mauern der Burg werden würde. Ihm war nicht nach Streiten zumute … etwas Beständigkeit erschien ihm verlockender. Aber vielleicht fehlte ihm auch der Wind, der während er auf dem Rücken von Graf Hagen saß, an seinem Gambeson, seinem Umhang zerrte … der Regen, während man unter einer aufgebockten Zeltplane an einem Feuer saß … die Zeit, in der die Reise noch das Ziel war. Und er nicht hier auf einem hölzernen Sessel saß, damit andere zu ihm aufsahen. Er war nicht wie sein Vater. Er war kein geborener Anführer. Und noch weniger, die Götter mögen es verhüten, ein Mann der Diplomatie.
Er tat es, kümmerte sich weil er es musste. Die Hand im Lederhandschuh fuhr er behutsam über den Griff seines Schwertes. Wie einfach ihm im Vergleich der Kampf erschien. Kein herumtänzelndes Schaulaufen, um bloß niemandem auf die Stiefel zu steigen.

Vielleicht sehnte er sich nach ihm, vermisste ihn, aber er schenkte auch der Stimme Gehör, die ihn tief in seinem Inneren flüsternd ermahnte, sich genau das nicht zu wünschen. Er kämpfte nicht mehr alleine für sich, nicht mehr nur für Ruhm, Ehre und jungfräuliche Unschuld, wie man es ihm in Baliho eingebläut hatte. Wenn er ein Schwert zog, dann für alle, die hier lebten. Die hier Zuflucht gefunden hatten. Die auf ihn vertrauten. Auch wenn er selbst in seinem Inneren mit sich haderte. Ins Straucheln gekommen war. Aber wie eine durchzechte Nacht ging auch das vorüber … Es war nur leider kein Kater, den man mit Eiern und Speck verjagen konnte.
Ein Lächeln fand seinen Weg zurück auf seine bartumrahmten Lippen und sein Verstand vertrieb die Düsternis, die auf seinem Gemüt gelagert hatte. Wenn ich es mir recht überlege, dachte er, wären Eier und Speck jetzt genau das Richtige.
Session: Vom Ende des Sommers - Rabenblut - Monday, Oct 05 2015 from 10:00 AM to 1:00 PM
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Epic × 3!
2. Ausgabe der Märkischen Volksstimme, Rahja 1032 BF
Eilmeldung! Mordbrenner vor den Toren! Morchai zieht gen Wutzenwald

Nach dem überraschenden Abzug der Truppen um Varena von Mersingen in den nördlichen Wäldern nahe der Weidener Grenze wendet sich der orkische Kriegsfürst dem fruchtbaren Süden zu. Noch ist ungewiss, ob er der Drachenmeisterin eine empfindliche Niederlage zufügen konnte oder ob es sich um eine geplante Finte der Söldnerführerin handelt. Gewissheit herrscht einzig darüber, dass man über die Wipfel der Bäume nördlich der Stadt in der Ferne pechschwarze Rauchwolken aufsteigen sieht. Köhlerhütten und Holzfällerlager stehen in Flammen, wie wagemutige Waidmänner zu berichten wussten. Baron Aldoron von Wutzenwald hat die Miliz versammelt und bewaffnen lassen und sein getreues Waffenvolk aus dem Umland zurück in die Stadt beordert. Noch ist unklar, ob es sich um einen gewöhnlichen Raubzug mit Plünderungen im ländlichen Umland der Baronie handelt oder ob der Schwarzpelz mit seinen Truppen gar einen Angriff auf die Stadt selbst wagen wird. Noch hat Baron Aldoron nicht verlauten lassen, ob er sich mit der Bitte um Beistand an die benachbarten Baronien gewandt hat, aber es ist auch ungewiss ob Gallys, Zweimühlen oder Königsweber dieser nachkommen werden. Die Unruhe innerhalb der Stadtbevölkerung wächst und die Stadt ächzt bereit unter der Zahl von Flüchtlingen aus den Gehöften aus dem unmittelbaren Umland. Die Garde geht jedoch davon aus, dass sich deren Zahl in den kommenden Tagen noch weiter erhöhen wird.

Ochsenweide: Beergard von Rabenmund stellt Ultimatum und fordert Auslieferung der Mitglieder des freien Rates


Nach mehreren militärischen Erfolgen, die ihr Heerbann an mehreren strategisch wichtigen Furten über das Ochsenwasser erringen konnte, hat Beergard von Rabenmund den Marsch auf die Hauptstadt angekündigt und ein Ultimatum ausgesprochen. Darin verspricht sie den sich selbst ausliefernden Mitgliedern des Neuen Rates freies Geleit, sofern Sie denn auf jegliches politische Amt und jegliche damit verbundenen Ansprüche verzichten. Entgegen landläufigen Rechts, dass für Aufständische wider die göttergegebene Ordnung den Tod als einziges Strafmaß vorsehen, bietet sie ihren politischen Widersachern den Gang ins Exil an. Sollte ihre Forderung unbeantwortet bleiben, so kündigte die einstige Baronin an, ihre Gegner mit der vollen Härte der märkischen Rechtssprechung und dem geltenden Kriegsrecht zur Rechenschaft ziehen zu wollen. Berichten der Landbevölkerung zufolge sollen weitere Truppen unter dem Banner Ucurians Nordwesten Grassings gesichtet worden sein, die nahe der Ochensweider Grenze Lager bezogen hätten. Es ist jedoch unklar, ob es sich dabei nicht um Gerüchte handelt, welche die Baronin selbst in Umlauf bringen ließ, um den Druck auf die bislang ausharrenden Renegaten zu erhöhen.

Gallys: Teile der Verschwörung gegen den Marschall aufgedeckt und in den Hochverrat verstrickte Söldner gehängt

Wie Baron Reto Ertzel von Echsmoos mitteilen ließ, wurden die beim Durchsuchen der Unterkunft der Schwarzklingen sichergestellten Unterlagen nach, gemäß eigener Aussage, eingehender und gründlicher Prüfung als ausreichend belastend eingestuft, um jeglichen Zweifel an der Schuld der festgesetzten Söldlinge zu zerstreuen. Auch gegen den erheblichen Widerstand des örtlichen Kor-Tempels verkündete das vom Baron einberufene Tribunal das Strafmaß und erklärte es vor dem Hintergrund des Hochverrates und des versuchten Mordes am Marschall der Mark als einzig mögliche Konsequenz für das uneinsichtige Handeln der Verschwörer, welche die Stabilität in der Wildermark selbst gefährdeten. Das Urteil wurde noch vor Sonnenaufgang auf dem Galgenberg außerhalb von Gallys vollstreckt.

Friedwang: Berichte von Plünderungen am Fuß der Schwarzen Sichel

Im Bereich der schwerzugänglichen Grenzgebiete der Baronie kam es einem Bericht der mittelreichischen Armee zufolge vermehrt zu Plünderungen und Übergriffen auf die Landbevölkerung. Es ist die Rede von einer Goblinplage, da die Angriffe ausschließlich im Schutze der Dunkelheit erfolgen und bei den jeweiligen Überfällen nur wenige Säcke Mehl oder Hühner entwendet werden. Die Baronin ruft zu erhöhter Wachsamkeit auf und empfiehlt das Bilden von Wachgemeinschaften, die in den entlegenen Dörfern weitere Diebstähle verhindern. Zudem entsandte sie eine Gruppe von Bütteln und Waidmännern in die Grenzgebiete, um die weiteren Entwicklungen im Auge zu behalten.

Bröckling: Vorsichtige Annäherung nach Grenzverletzungen durch Wilderer aus Königsweber

Nach den Übergriffen einer Gruppe Wilderer auf den weitläufigen Barnhelmer Forst im südlichen Bröckling scheint sich die Lage entlang der Reichsstraße wieder zu entspannen, nachdem es einer berittenen Patroullie aus Königsweber gelang die Delinquenten festzusetzen. Als Zeichen guten Willens versprach Baron Praiodan Bernfried von Bregelsaum diese nach geltendem Recht bestrafen und den fälligen Jagdzehnt an Baron Answin den Jüngeren von Rabenmund für die entstandenen Schäden an Wild und Recht weiterreichen zu wollen. Sollte die Habe der Festgesetzten dazu nicht genügen, würde er Bröckling die Summe aus der Kasse der Baronie erstatten. Zudem sprach er eine scharfe Warnung aus, sollten sich derlei Ereignisse in naher Zukunft wiederholen. Die Kornkammern der Baronie seien gut gefüllt und niemand müsse Hunger leiden. Wer also aus eigenem Antrieb oder selbstsüchtigen Absichten handle, müsse damit rechnen mit der vollen Härte geltenden Rechts bestraft zu werden.

Zweimühlen: 1. Warenmesse für den jungen Praios angekündigt, Händler erwarten großen Andrang

Wie die Handels- und Handwerksgilden der Stadt verlauten ließen, hat Vogt Wulfgar Nordfalk von Moosgrund für die zweite Woche des nahenden Praios eine große Warenmesse nach dem Vorbild der Balihoer Warenschau anberaumt. In erster Linie für Handelstreibende und Handwerker aus dem Zweimühlener und Talfer Umland gedacht, gilt die Einladung ausdrücklich auch für Interessierte jenseits der Baroniegrenzen und aus der gesamten Mark. Aufgrund der für die Jahreszeit sehr verhaltenen Kampfhandlungen und der gestiegenen Sicherheit entlang der Reichsstraße rechnen die Händler auch aufgrund des bunten und vielfältigen Rahmenprogramms mit einem großen Andrang. Begleitend dazu sind auch ein großer Götterdienst des Perainetempels und auch der Schluß mehrerer Traviabünde geplant. Für die wenigen freien Termine kann man sich ab sofort bei Tempelvorsteherin Erlgunde Ganslieb in Zweimühlen eintragen lassen.

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Ulf
Krähen
Das Geäst über ihnen knackte in der leichten Brise, die zwischen den Bäumen hindurchkroch und den Geruch von taufeuchtem Moos und altersschwacher Borke zu ihnen hinübertrieb. Die Blätter der Baumkronen, die im langsam emporsteigenden Nebel lagen, raschelten und es glich einem Flüstern, einem Raunen im Hintergrund, dass dem Anblick vor ihr einen noch unwirklicheren Anschein verlieh. Schemen bewegten sich zwischen den alten, mächtigen Baumstämmen und glitten knackend und klimpernd durch das Unterholz. Ilmengart verspürte einen leichten Druck auf ihrer Brust, der nicht von der Schwere ihres geschwärzten Kettenhemdes herrührte, sondern eher mit der Gewissheit einherging, dass irgendetwas hier nicht stimmte. Ein Gefühl, dass sie begleitete, seitdem ihre Späher davon berichtet hatten, dass der Feind sich augenscheinlich von der hart umgekämpften Linie am Dremmelsumpf zurückgezogen hatte.

Jetzt wandelten ihre Soldaten wie Geister zwischen den niedergebrannten Wachfeuern, Feuerstellen und den tiefen Abdrücken im weichen Waldboden, an denen vor wenigen Stunden offensichtlich noch Zelte gestanden hatten, umher. Durchstöberten das Unterholz oder stocherten schweigend in den geschwärzten Holzresten und der Asche herum. Sie hatten mit einem Kampf gerechnet, einem weiteren Scharmützel ... und nicht der Bestätigung der Ungewissheit, wo in diesem von den Göttern verlassenen Waldstück sich die verfluchten Söldlinge der Drachenbuhle jetzt herumtrieben. Einer ihrer Soldaten schälte sich aus dem Dunst, der über dem östlichen Teil des Lagers lag und erstatte Hogg Bericht, der etwas ratlos neben einem der Feuer kniete und mit seinem Handschuh im verdorrten Gras in unmittelbarer Nähe zu dem flachen Steinkreis wühlte. Seine ohnehin schon griesgrämige Miene verfinsterte sich weiter und schien sich auch kaum zu bessern, als er etwas Glitzerndes aufhob und in einem der Beutel an seinem Gürtel verschwinden ließ. Er nickte dem jungen Soldaten knapp zu und scheuchte ihn mit einer unwirschen Handbewegung davon. Mit sichtlich schmerzverzogener Miene rappelte er sich auf, die Hüfte machte ihm seit seinem Sturz vom Pferderücken immer noch zu schaffen, und er kämpfte sich die steil abfallende Böschung empor, auf der Ilmengart mit zwei Frauen ihrer Garde Stellung bezogen hatte.

"Schlechte Neuigkeiten, Herrin ..." Er spuckte aus und verzog das Gesicht verdrießlich, möglicherweise um so etwas wie Mitgefühl zu heucheln. "Die Späher, die wir vor zwei Tagen am äußeren Gernat entlanggeschickt haben, baumeln weiter vorne bei den behelfsmäßigen Stallungen." Sie nickte kühl. Bedauerlich, aber damit hatte sie bereits gerechnet, als sie nicht zurückgekehrt waren. Zumindest waren sie nicht desertiert.

"Hängt sie ab und gebt Ihnen ein ordentliches Begräbnis ..."

Sie las seinen aufkeimenden Widerwillen aus seinen zusammengezogenen Augenbrauen und der ungläubig gekräuselten, wettergegerbten Stirn, noch bevor die Worte über seine schmalen Lippen krochen. "Das war keine Bitte. Wenn du dich nicht im Stande fühlst zu graben, krummer Hogg, dann drück den Neuen aus dem letzten Weiler eine Schaufel in die Hand. Zum Kämpfen taugen sie ohnehin noch nicht. An den Anblick von Leichen können sie sich aber schon mal gewöhnen." Hogg nickte stumm und machte kleinlaut auf dem Absatz kehrt. Seine laute Stimme und die geblafften Befehle rumpelten durch die morgendliche Stille des Waldes, der selbst den Atem anzuhalten schien.

Das dumpfe, vom weichen Erdreich gedämpfte Auftreten beschlagener Pferdehufe von hinter ihr, die sich in gemächlichem Gang näherten, verlangte unmissverständlich nach ihrer Aufmerksamkeit und sie warf einen kurzen Blick über die Schulter. Als sie den massiven Schatten erkannte, der sich auf einem beinahe klein wirkenden Pferd, dass dennoch auch entgegen der Statur seines Reiters vor ungezähmter, wilder Kraft zu strotzen schien, zwischen zwei Felsfindlingen hindurchschob, zuckte ein freudloses Lächeln über ihre hageren Wangen. Es würde ihm nicht gefallen.

Das tiefe gutturale Knurren, das jedes in hartem Garethi gespuckte Wort begleitete, hatte es zu einer Kunstform erhoben, ihn zu verstehen und die Söldnerin war stolz darauf, dass sie die Eigenheiten seiner Sprache kaum noch wahrnahm. "Wo ist sie? Wo sind ihre Soldaten?"

"Abgezogen." antwortete die hochgewachsene Frau mit den langen, zum Dutt geflochtenen Haaren knapp. "Die Späher haben berichtet, dass sie Spuren gefunden haben, die nordöstlich aus dem Lager herausführen. In einer Anzahl, die groß genug war, als dass es sich um das Gros des Zuges gehandelt haben muss. Dennoch gibt es auch Fährten, die in den Osten und den Südosten weisen." Sein Haupt bewegte sich unter der Kapuze kaum, als er es zu einem Nicken neigte.

"Unsere Fährtenleser berichten, dass nichts auf eine überstürzte Flucht hinweist, allerdings müssen Sie bereits gestern abend aufgebrochen sein." Grimmig warf sie einen Blick zurück zu den Überresten des verwaisten Lagers. "Unsere Wachen haben sie wohl mit den Feuern darüber hinweggetäuscht, dass niemand mehr hier war ausser ein paar Strohpuppen mit zerbeulten und abgewetzten Rüstungen ..." Der Hüne brachte sein Ross mit einem kurzen Schnalzen zum Stehen und schwang sich aus dem aufwenig verzierten Sattel. Die Glieder seiner metallbeschlagenen Brigantine rasselten dumpf, als sie gegen die Lederplatten schlugen. Schweigend trat er neben sie. Er war kaum größer als sie selbst, aber seine Statur fiel mit den muskelbeladenen Schultern und dem gewaltigen Brustkorb zweifelsfrei weitaus beeindruckender aus als ihre eigene, die selbst von zahllosen Schlachten geschmiedet worden war.

"Sie beendet also den Kampf ... aber nur zu ihren eigenen Bedingungen." In seiner Stimme schwang so etwas wie Bewunderung, vielleicht auch Nachdenklichkeit mit. "Gut. Lasst hier ein kleines Lager im Schatten des Alten aufschlagen und teilt ihm einige aufmerksame Männer zu, die sichergehen sollen, dass sie uns hier nicht in die Flanke fährt. Gute Reiter, im besten Fall, damit uns die Kunde schnell erreicht, wenn sich hier etwas tut."

Sie nickte. Hogg hatte es zwar momentan nicht so mit dem Reiten, aber hier konnte er sich von seiner üblen Laune erholen und lernen seinen verletzten Stolz herunterzuwürgen. Außerdem war der humpelnde Drecksack dann keine Bürde mehr für ihre Einheit.

"Trommelt die Horde zusammen und schickt einen Reiter durch die Furt auf die andere Seite des Gernat. Sie sollen sich mit uns vereinen." Etwas, das ein Lächeln hätte sein können, kroch über seine wulstigen Lippen. In schmutzigem Weiß glänzten seine Hauer, als er das Gesicht zu einer grässlichen Fratze verzog. "Wir ziehen nach Süden. Sagt ihnen, der Weg ist frei. Und die Krähen sind hungrig."
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Die Löwin
Arnhild von Rothenbach nickte bedächtig. Ihr strenger Blick glitt gedankenverloren durch das geöffnete Fenster der Schreibstube auf die Fassaden der sich unweit von der alten Grafenburg erhebenden Häuser, die den Platz der Sonne säumten.
"Ich denke, das sollte im Bereich des Möglichen liegen. 30 Mann für die Garde, nochmals 40 als Soldaten. Pulvertreu kehrt wieder in sein altes Amt zurück und ich kümmere mich um die Ausbildung der Rekruten."

Wulfgar ließ sich gegen eines der mit Dokumenten und dicken, vollgestöpften Ledereinbänden vollgestopften Regale sinken und verschränkte die Arme vor der Brust. Ein beiläufiges Lächeln glitt über seine Lippen.
"Und Ihr behaltet den Oberbefehl, Arnhild." Dann seufzte er und zog unwillig die Augenbrauen zusammen. "Ich wünschte wir hätten ausreichende Ressourcen um beide Einheitenteile zu vollwertigen Bannern aufzufüllen, aber wir müssen einen Kompromiss finden zwischen der gewünschten und der von anderen tatsächlich als gefährlich eingestuften Drohkulisse zur Verteidigung Zweimühlens."

Mühsam stemmte er sich wieder hoch, seine Knochen und Gelenke schmerzten noch von dem zurückliegenden Gewaltritt und dem kurzen, aber heftigen Kampf mit dem Überfallkommando auf den Marschall und dem auszehrenden Klingenkreuzen mit von Drôlenhorst. Die Kettenglieder zwischen den starren Elementen seiner Garether Platte rasselten leise, verloren sich aber fast im Stimmengewirr und dem Straßenlärm, der von draußen durch das Fenster nach innen schwappte.

"Wir wissen, dass der Aufschwung Zweimühlens uns ob im Verborgenen oder ganz offen Neider eingebracht haben wird. Wir wissen, dass auch Gallys in dieser Verschwörung eine Rolle spielte ... unsere Situation wird sich zumindest in Anbetracht unserer Rivalen auch durch die Legitimierung durch den Marschall nicht groß verändert haben. Vielleicht verschoben, zumindest ist es nun mit einem weitaus größeren Risiko verbunden über Zweimühlen herzufallen. Aber wir können uns jetzt nicht einfach unter das Greifenbanner ducken und hoffen, dass dieser Krieg jetzt von anderen für uns gefochten wird."

Auch Arnhild legte die Stirn in Falten. Vereinzelte Strähnen ihres trotz des gehobenen Alters immer noch rabenschwarzen Haares, das stets akkurat zum mittelreichischen Topf gestutzt war, flatterten in der Brise. Der Geruch nach Backwerk zog durch die Stube und entrang Wulfgars Magen ein tiefes unwillkürliches Grollen. Er hoffte, dass ihr das entgangen war, aber er hatte auf das Frühstück verzichtet, um der Gardeinspektion beizuwohnen. Jetzt musste das kleine Glockenwerk des Perainetempels bald zur Praiosstunde schlagen.
"Ebenso wird Zweimühlen antworten müssen, wenn der Marschall zur Heeresschau ruft." vervollständigte die Rittfrau nachdenklich seinen Gedanken.

Diesmal war es Wulfgar, der nickte. "So ist es. Deshalb mussten wir uns besprechen." Er erwiderte eindringlich den Blick aus den grünblauen Augen der gestanden Rittfrau. "Aruna ... ich wünsche, dass Ihr sie in der Kriegskunst unterweist."
Auf Arnhilds Lippen schob sich ein dünnes, freudloses Lächeln. "Das wird ihr nicht gefallen, Herr." Doch der schmutzigblonde Hüne ließ sich nicht beirren. Nicht dieses Mal.

"Seit ihrer Rückkehr vom Schwertzug nach Warunk ist sie eine andere. Weitaus umgänglicher und offener gegenüber Dingen, die wir einstmals vermieden um nicht tagelang mit ihrem Schweigen und abfälligen Blicken gestraft zu werden." Der junge Nordfalk wandte sein Haupt wieder dem geöffneten Fenster zu, doch sein Blick verlor sich in der Leere. "Der Krieg hat sie berührt ... den Stahl in ihrem Herzen erhitzt. Ihr könnt ihm eine Form geben, bevor das Metall wieder erkaltet und meine Gefährtin gestärkt, geschmiedet aus diesen Erinnerungen hervorgeht." Wieder sah er ihr in die Augen, begegnete dem Zweifel, der in ihnen wogte.

"Ich habe den Krieg noch nicht gesehen. Diesen Krieg, diesen Teil des Krieges ... Ihr hingegen schon, Arnhild. Sie braucht jemanden an ihrer Seite, der ihre Sorgen, ja, die Ängste und die Bilder dieser Schlachten kennt. Sich ihrer annehmen kann."
"Ich bin nicht besonders gut darin ..."
"Sie ist auch nicht besonders gut darin, darüber zu sprechen, aber ich glaube, dass euch genau das auch verbinden kann ... Alles, was ich ihr sagen kann, sind die Worte meines Vaters und meines Ohms. Und nicht meine eigenen."

Von Rothenbach schwieg und ließ stumm ihren Blick durch die Schreibstube und über die leeren Pulte gleiten.
"Ich glaube an ihr Talent, Arnhild. Die Fackel ihres Glaubens, ihrer Überzeugung ist ein Feuer, dem Männer und Frauen gleichermaßen bereit wären zu folgen ... jetzt da sie die Flamme nicht mehr gegen jene richtet, die den strikten Regeln ihres Glaubens nicht gerecht werden können." Wulfgar schmunzelte. "Was zugegebenermaßen wohl auf jeden von uns zutreffen würde."

Auch die nachdenklichen Züge der Rittfrau erhellten sich, als sie sich offensichtlich an die letzte Standpauke, welche die Amazone möglicherweise ihr selbst gehalten hatte, entsann. Dann zog sie die Augenbrauen zusammen und musterte ihn. Nicht abschätzend ... eher in einer Mischung aus Interesse und Überraschung.
"Warum nicht Ihr, Herr? Warum sie?"

Es war die Frage, von der Wulfgar geahnt hatte, dass die Rittfrau sie ihm stellen würde, dennoch klang seine sorgsam zurecht gelegte Antwort in seinen Ohren plötzlich keinesfalls mehr so überzeugend wie zuvor. Also entschied er sich für die Wahrheit.
"Ich habe uns kämpfen sehen, habe oft Seite an Seite mit ihr gestanden. Wir beide haben unser Blut im selben Schlamm vergossen. Und trotz des Feuers, das im Kampf mehr noch als sonst in ihr lodert ... verliert sie im Gegensatz zu mir niemals die Beherrschung, niemals die Kontrolle."

Er seufzte. "Ich will ehrlich mit euch sein, ich bin und war niemals ein vorsichtiger und überlegter Kämpfer. Dass ich überhaupt einmal ein Duell gewinnen konnte, lag lediglich daran, dass mein Hieb meinen Kontrahenten schwerer verletzte als seine Klinge mich." Verlegen strich er sich mit der behandschuhten Hand über den Nacken. "Ich bin ein Krieger, aber im Getümmel verliere ich den Überblick über das Schlachtfeld. Es gibt nur noch mich und meinen Gegner ..."

"Glaubt Ihr, dass das bei der Herrin anders ist ..."

Wulfgars Augen glommen vor Überzeugung. Er hatte gesehen, dass sich etwas verändert hatte, dass sie sich verändert hatte.
"Ich glaube, dass sie verstanden hat, wofür wir kämpfen ... dass ihr die Stadt und ihre Bewohner ans Herz gewachsen sind, auch wenn sie vielleicht noch nicht offen davon spricht. Sie war die Erste, die ihre Worte an die Zweimühlener richtete und das obgleich sie damals noch eine andere war. Jetzt spricht nicht mehr nur ihr Glauben aus ihren Worten, sondern auch die Wahrheit und die Weisheit, die sich nur auf dem Schlachtfeld finden lässt."

Langsam schritt Wulfgar auf die Rittfrau zu und legte ihr die Hand auf die kettenbewehrte Schulter. "Sie hat die Kraft, das Feuer um zu inspirieren. Lehrt Sie, Arnhild, dieses Feuer zu schüren. Die Zweimühlener unter ein Banner zu führen. Denn der Tag wird kommen, an dem sie keiner Posaune, keiner Trommel ... sondern nur dem Gebrüll einer Löwin in die Schlacht folgen werden."
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1. Ausgabe der Märkischen Volksstimme, Ingerimm 1032 BF
Vorwort

Dem Leser dieses Exemplars der 1. Märkischen Volksstimme gilt zuallererst unser ergebenster Dank. Ohne Eure Geschichten, Eure Reisen, Euren Beitrag wäre das alles nicht möglich gewesen. Doch noch ein Wort der Warnung vorweg: Diese Gazette erhebt keinerlei Anspruch auf die Vollständigkeit oder auch den Wahrheitsgehalt der von emsigen Boten zusammengetragenen Informationen. Obgleich die Reisemöglichkeiten und die Sicherheit auf den Straßen zugenommen haben, sollte man Reisen in der aktuellen Wildermark dennoch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Von daher bitte ich im Namen meiner Redakteure um Nachsicht, sollten die Umstände sich trotz aller betriebener Recherche nicht bis ins letzte Wort so zugetragen haben, wie Ihr es hier lesen könnt.

Hochachtungsvoll,
Wegerich vom Berg


Dergelsmund: Gnadenerlass durch Baron von Rosshagen

Nach einer Anzahl von Übergriffen im näheren Umland des verwunschenen Randolphsforst konnte das dafür verantwortliche Dutzend aus Männern und Frauen von Grenzreitern der Dergelsmunder Garde gestellt und unter Arrest gestellt werden. Zwei Soldaten wurden dabei leicht verletzt, einer der Strauchdiebe bezahlte seinen Widerstand gegen die Verhaftung mit dem Leben. Hauptmann von Perz bedauerte diese Entwicklung und wies darauf hin, dass sich die Delinquenten in einem furchtbaren Zustand befunden hätten. Ausgehungert und ausgemergelt handelte es sich bei ihnen wohl um Flüchtlinge von den östlichen Grenzen des Mittelreichs. Entgegen des geltenden Kriegs- und Schollenrechts verzichtete Baron Wulfbrandt von Rosshagen auf die üblichen Strafen für Wegelagerei und Landfriedensbruch -das Hängen am Halse bis zum Tode- und verpflichtete die geständigen Verbrecher zum einjährigen Frondienst in den Steinbrüchen.

Wutzenwald: Handel weiter rückläufig, Pfleger des Landes bestreitet Ausbleiben der Pilger

Trotz anderslautender Berichte der Handelsgilde weist Ihro Gnaden, der Pfleger des Landes, jegliche Gerüchte zurück, dass der sich trotz der allgemeinen wirtschaftlichen Entspannung in der Region nicht einstellende Warenfluß auch auf die Besuchszahlen des altehrwürdigen Perainetempels auswirken würde. Sowohl die Besuchszahlen zum Saatfest als auch die der wöchentlichen Götterdienste seien unverändert und auf beständig hohem Niveau. Zudem wirkten sich die gestiegene Sicherheit und die anhaltende Wahrung des Kaiserfriedens auf der nahen Reichsstraße sichtlich auf die Reisebereitschaft der wildermärkischen Landbevölkerung aus. Die Handelsgilde der Stadt Wutzenwald bemängelt schon seit Jahreswechsel die mangelnde Teilnahme der Baronie an den Wirtschaftskreisläufen der angrenzenden Baronien. Seit dem ungeklärten Übergriff auf eine Gruppe Boronspilger auf Wutzenwalder Grund meiden viele Handelsreisenden die Straßen. Auch dem von Cronverweser Ucurian von Rabenmund ausgesprochenem Bann über Baron Aldoron von Wutzenwald sprechen viele Bürger eine Mitschuld an dieser Entwicklung zu.

Gallys: Garde stürmt Verstecke von mutmaßlichen Verschwörern


Gardetruppen drangen in der Nacht vom 18. auf den 19. Ingerimm in mehrere Gebäude auf dem Artema-Berg ein, darunter auch das geschätzte "Baruun Kratosz". Es gibt Berichte über Verhaftungen, aber noch keine offiziellen Erklärungen von Baron Reto Ertzel von Echsmoos oder einem seiner Adjutanten. Es wird gemunkelt, dass die Garde Hinweisen auf ein geplantes Attentat auf den Baron nachgeht, offiziell wollte man sich aber auch dazu nicht äußern. Schon seit längerem kursieren in Gallys Gerüchte über einen geplanten Umsturz, bislang konnte die Garde der Verschwörer aber nicht habhaft werden. Augenzeugen zufolge soll es sich bei einigen der Verhafteten auch um einige Söldner der Schwarzklingen gehandelt haben. Der Kor-Tempel legte formgerecht Protest gegen das, so wörtlich, "willkürliche Vorgehen" der Garde ein.

Zweimühlen: Deklaration des Kaiserlichen Marschalls ernennt Lehnsvogt für einstige Grafenstadt und legitimiert die "Helden von Zweimühlen"


Laut der Kunde offizieller Gesandtschaften und durchreisender Soldaten hat Marschall Ludalf von Wertlingen den sogenannten "Helden von Zweimühlen", den Bezwingern des selbsternannten Magiermoguls Nekorius seine offizielle Unterstützung ausgesprochen und damit die dorten bislang von eigenen Gnaden herrschenden Eldrinn von und zu Rebental, Aruna aus Yeshinna und Wulfgar Nordfalk von Moosgrund, Bruder der Burggräfin Ardariel Nordfalk von Moosgrund und Sohn des letzten Streiter des Reiches, legitimiert und den Weidener zum Lehnsvogt des Zweimühlener Landes erhoben. Die Hintergründe sind bislang unbekannt, doch lässt die Handlung des Marschalls vermuten, dass sich die Aufmerksamkeit der Kaiserin jetzt nach der Beendigung des Albernia-Nordmarken-Konflikts schon bald ganz dem einstigen Darpatien zuwenden wird. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Legitimation auf Dauer auf die wieder erstarkende Stadt auswirken wird.

Ochsenweide: Die Baronin kehrt zurück, Geplänkel am Ochsenwasser

Die von der Landbevölkerung vertriebene Baronin ist unter Bedeckung eines kleinen Heerbanns unter dem Banner von Ucurian von Rabenmund wieder in die Baronie zurückgekehrt. Verlässliche Kunde aus Kriegsgebiet reist oftmals leider sehr langsam, so dass uns leider zum Erscheinen dieser Ausgabe nicht genug Informationen vorliegen um die Geschehenisse am Ochsenwasser aufzugreifen. Flüchtlinge berichteten jedoch von kleineren Gefechten zwischen den Einheiten der Baronin und der Landwehr. Als sicher gilt, dass die von freien Bürgern besetzte Verwaltung Beergard von Rabenmund nicht viel wird entgegensetzen können, sollte es die vormalige Baronin tatsächlich auf ein militärisches Kräftemessen anlegen.

Hartsteen: Kaiserin ruft Streitparteien zur Ordnung

Berichten der Reichskanzlei zufolge hat sich Kaiserin Rohaja von Gareth nach weiteren Übergriffen und Auseinandersetzungen des weiter schwelenden Nachfolgestreits um die seit dem Verschwinden von Thuronia von Quintian-Quandt verwaiste Grafenwürde von Hartsteen angenommen und die Klärung der rechtmäßigen Nachfolge in die Hände des Reichsgerichts gelegt. Seit dem Verschwinden der Gräfin im Jahre 1027 führt die sogenannte Natterndorner Fehde regelmäßig zu Verzögerungen in der Verwaltung des Lehens und einer Blockadepolitik zwischen den konkurrierenden Parteien und den beiden Kontrahenten Luidor von Hartsteen und Geismar II. von Quintian-Quandt. Im selben Zug rief die Kaiserin beide Seiten zur Mäßigung auf, bis ein zweifelsfreier Urteilsspruch über die Erbfolge vorliegt. Dennoch rechnet die Hartsteener Bevölkerung nicht mit einer schnellen Einigung. Die Machtansprüche beider Parteien gelten als gleichermaßen berechtigt als auch umstritten.
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