Recent Posts For Tag: Background

Popular tags:
Back to all Posts (See More...)
← Previous 1 3 4 5 6 7 8 9 29 30
Nussschalen und Rohalskappen
Borkforst, 19. Travia 1033 BF

Rauschen erfüllte die Luft, ein leises Plätschern durchdrang den dünn bewachsenen Waldsaum des Borkfortes, immer wieder stieß der Beleman sanft durch die Kronen der Rotbuchen und Rosskastanien und tauchte den Wald in ein buntes Spiel aus fallenden, vielfarbigen Blättern. Der Boden war tief und feucht, der lange andauernde Regenfall der letzen Tage hatte den wenig Wasser führenden Knorrbach in einen munter sprudelnden und gurgelnden Bach verwandelt. Graf Hagen und Grimmerich standen ruhig nahe einer eng gewachsenen Baumgruppe im tiefen Sonnenlicht des noch frühen Tages. Zwischen dem Bachlauf und einem umgefallenen Baum ging Paske mit einem Tuchbeutel umher, der Blick war dabei auf den im leichten Nebel liegenden schattigen Boden gerichtet. »Es ist lange her dass ich Rohalskappen und Steinpilze gesammelt habe, es war wohl doch eine gute Idee mich auf einen kleinen Ausritt mitzunehmen, wobei du dabei sicher in erster Linie an die Sicherheit der Ländereien gedacht hast …« Er ging in die Knie um eine kleine Gruppe Pilze mit Hilfe eines kurzen, gekrümmten Messers einzusammeln und lachte scherzhaft auf »Ich hoffe wir vergeuden nicht zu viel Zeit mit dieser ungeplanten Ernte …«

Wulfgar zog begleitet von einem schmierigen Schmatzen seinen Reiterstiefel aus dem aufgeweichten Boden und ließ die Arme kreisen, während er die nach Harz, Regen und Moos duftende Waldluft genüsslich und mit tiefen Zügen in seine Lunge schwemmen ließ. Natürlich hingen in den Gassen Zweimühlens weder die Ausdünstungen hunderter Rinder noch die Wohlgerüche der wappenspendenden Schweine wie in Wutzenwald, aber die Luft unterschied sich dennoch merklich von allem, was der Wind so durch die Gassen der kleinen, von Leben erfüllten Stadt trug. »Wie kommst du darauf, dass ich eine Suche nach den Gaben der gütigen Göttin als Zeitverschwendung abtun könnte? Vielleicht haben wir ja Glück und finden einen wahren Waldmeister? Oder etwas Sauerklee, das bereichert jede Stulle mit Käse. Lediglich Pfeifenkraut bleibt uns hier wohl verwehrt.« Er schmunzelte und stapfte zu einer nahen Ansammlung von locker gestreuten Sträuchern, die wohl erst vor wenigen Monden damit begonnen hatten, sich aus dem Erdreich den Strahlen des Praiosmals, die durch die Wipfel brach, entgegenzurecken.
Seine Hand fuhr behutsam durch das Blattwerk und griff nach einem Stück des raschelnden rotgefärbten Schmucks, dass er sanft aus dem Gewirr löste und in seiner Handfläche begutachtete, ohne es von seinem Zweig abzutrennen. »Bluthasel … in meiner Heimat erzählt man sich, dass Ifirn sich in Zeiten der Not dem Leid der Tiere im tiefsten Winter erbarmte und versteckt, wenn der Blick ihres grimmen Vaters nicht auf ihr ruhte, einige Tropfen ihres Blutes in den Schnee fallen ließ, auf dass an genau dieser Stelle im kommenden Jahr ein neuer lebensverheißender Strauch sprießen sollte.« Er warf einen Blick zurück zu dem am Waldboden kauernden Magier. »Weißt du, Paske, wasdas Schöne an diesen Geschichten ist, die du jetzt gerade bestimmt im Stillen belächelst?«

»Himmel-Ork-und-Wolkenbruch!« entgegnete Paske fluchend, er erhob sich ruckartig wie von der Maraske gestochen, seine Miene war für den Hauch eines Augenblicks von Schmerz gezeichnet. Argwöhnisch betrachtete er seinen Zeigefinger und steckte ihn sich nach reiflicher Überlegung für einen Moment in den Mund um das aus dem kleinen Schnitt sickernde Blut zu saugen. Es dauerte nur wenige Wimpernschläge, bis der Halbelf wieder die Fassung zurückgewonnen hatte. »Wie meinen, ... ach ja, ... dass ein Funken Wahrheit in ihnen steckt, … man sagt ja auch die Weidener wissen zwar, wo dem Ork der Kopf abzuschlagen ist, aber sonst recht wenig von der Welt.« Er grinste leicht und betrachtete kurz seinen Finger und hob dann das Messer und die geschnittenen Rohalskappen vom Waldboden auf, um diese im Tuchbeutel sauber zu verstauen. »Nun etwas Zeit haben wir ja, um noch ein paar Schritte in den Wald zu gehen« Er deutete den plätschernden Bachlauf entlang in Richtung einer Anhöhe. Wulfgar zog fragend die Augenbrauen in die Höhe, ein verschmitztes Grinsen umspielte seinen Mundwinkel, während sein Blick Paskes Fingerzeig folgte. »Du bist wohl im Zorkforst noch nicht genug durch den Matsch gestiefelt, was? Aber was weiß ich einfältiger Weidener schon vom Leben außerhalb der vom Kaminfeuer gewärmten Mauern.« Obgleich er zugegebenermaßen nicht unbedingt der Richtige wahr, um vor dem Svelltaler seine Begabung als Wildniskundiger zu heucheln, belustigte ihn der Gedanke, dass es heute ausgerechnet den Magier nach einem Spaziergang im Wald verlangte, schätzte Paske doch nichts mehr als einen guten Wein und ausgezeichnete Lektüre in der warmen Stube. Vielleicht hatte sein Gefährte auch lediglich einen interessanten Zeitpunkt erwählt, um sich auf sein elfisches Erbe zu besinnen. Vermutlich tat er seinem Freund sogar Unrecht. Paske war nicht Eldrinn. Und dennoch schien er, dem Almadaner Magier nicht unähnlich, diese Seite von sich immer weit von sich zu weisen. »Und um meine Frage selbst zu beantworten, die du in Verweis auf eines unserer zahlreichen Talente abgebürstet hast: Das Schöne ist, dass Sie das Wirken der Götter in unserer Welt spürbar machen. Wer kann schon sagen, ob es wirklich so ist, aber allein der Gedanke daran, spendet Trost und Hoffnung. Deshalb bin ich auch ganz vernarrt in den Mond der Ernte. Anders als alle Orden, Titel oder Heldensänge ist das ein viel unmittelbarer Lohn für alle zurückliegenden Mühen und Anstrengungen.« Aufsteigende Gefühle der Bitterkeit und Kälte, die sich um sein Herz krampften, kämpfte Wulfgar nieder und verbarg sie sorgsam unter einem verklärten, abwesenden Lächeln, als er zu Paske aufschloß. »Pilze sammeln also?« Er legte einen lauernden, aber nicht unfreundlichen Unterton in die Frage, die er an seinen Gefährten richtete. »Ist es das, was den schwer beschäftigten Paske, der sich nur noch selten in der Grafenburg blicken läßt, dieser Tage so umtreibt?« Wulfgar stieß einen kurzen Pfiff aus und Socke, der gerade noch seine Schnauze in einem Kaninchenbau vergraben hatte, hob den schlammverschmierten Kopf und stellte, aufgeregt hechelnd die Ohren an. Er schien abzuwägen, ob er nicht lieber seinem Jagdtrieb nachgehen wollte und trottete dann, nach kurzem Zögern gemächlich an die Seite seines Herrn.

»Ach, dabei solltest doch gerade du dich dabei glücklich schätzen, oder ist dir im Moment etwa nach theoretischen Abhandlungen über die hochgradig komplexen und vielschichtigen arkanen Möglichkeiten wie man ohne einen Hammer einen Eisennagel in ein Brett schlagen könnte?« Feixend legt er ihm für einen Moment eine Hand auf die Schulter »Vielleicht finde ich neben den ganzen Gaumenfreuden auch einen seltenen Pilz, einer der mir das Repertoire an alchemische Rezepturen erweitert, ... warten wir doch einmal ab« Mit ein paar flinken Handgriffen verknotete er den halb gefüllten Tuchbeutel neben ein paar Beutelchen locker an seinem Gürtel, klopfte sich die schmutzigen Hände an der Robe ab und ging dann langsam voran. Ohne weiter ein Mann vieler Worte zu sein, ging er dann die Gedanken ordnend am Bachlauf entlang. Dabei balancierte er spielerisch Schritt für Schritt am steinigen wie schlammigen Rand des Wasserlaufes entlang, Unbekümmertheit lag in seiner Bewegung. »Und was mich beschäftigt, bei den Zwölfen mir war nur nach ein paar Stunden Sonnenlicht fern von allen Dingen, ... nicht das mich etwas bewegt oder Kummer umtreibt. Nur eben die Gedanken schweifen lassen, ... da musst du dir keine Sorgen machen. Und um ehrlich zu sein, muss auch nicht immer die ganze Grafenburg darüber informiert sein worüber sich zwei Freunde unterhalten ... in deiner Küche wird viel geredet.« Nach ein paar weiteren Schritten über den feuchten Grund blieb Paske dann wieder stehen »Aber vielleicht gibt es ja etwas das dich beschäftigt, ich weiß das Thema mag unangenehm sein, Esra erzählte ja schon, dass du eine mögliche Hochzeit in Aussicht hast, und auf der anderen Seite die Geschichte um Aruna, bei Rahja was für eine verzwickte Lage.«

Wulfgar schwieg und blickte Socke nach, der an einem aus dem morastigen Grund ragenden Ast zerrte, bis er ihn dem aufgeweichten Erdreich entrissen hatte und mit übermütigem Knurren triumphierend schüttelte wie einen frisch erlegten Hasen. Der Winhaller Wolfsjäger hätte durchaus auch vergeblich mit einer vom Regen freigespülten Wurzel rangeln können, von daher gönnte ihm der Weidener seinen Sieg, der ihm unter anderen Umständen sicher ein Lächeln entrungen hätte. Sein Gesicht war starr, wie eingefroren und ein Frösteln lief ihm den Nacken herab, als die klammen Hände seiner Erinnerung an der verriegelten Tür rüttelten, hinter der er die unzähligen, verwirrenden und aufwühlenden Empfindungen seit jenen Tagen im späten Ingerimm gesperrt hatte. Bilderfolgen blitzten kurz und gleißend vor seinem inneren Auge auf. Das Zelt, der Streit … seine Stiefel, die einen Schemen mit brutaler Wucht in die Knie zwangen, Schmerzen, flehende … brechende Worte … und der blanke Stahl in seiner Hand, der die jämmerlichen Klänge verstummen ließ. »Warum sollte es mir auch gleichermaßen vergönnt sein, meine Gedanken von derlei Unbill unbehelligt schweifen zu lassen …« seufzte er in aufgesetzter Gelassenheit, die seinen Ärger über die Frage nicht überzeugend zu verbergen vermochte. Nur ein Satz und er hätte die Diskussion fortgewischt … so wie alle anderen vor ihm. Aber er sprach ihn nicht aus, auch in der Furcht die schlummernden Geister zu wecken, die sich eingesperrt offensichtlich in ihr Schicksal gefügt hatten und schwiegen. »Ich bin mir nicht sicher, ob du von mir jetzt eine Antwort darauf erwartest, aber deine Einschätzung trifft den Nagel auch ohne Zuhilfenahme magischer Mittel auf den Kopf …« knurrte er unwillig und sein leerer Blick verlor sich im Dickicht, dass tiefer in den Wald wies. »Es gibt im Moment den Göttern sei Dank genügend andere Dinge über die ich mir den Kopf zerbrechen kann.« Seine Stimme klang hohl und von Müdigkeit gezeichnet. »Vielleicht kommt irgendwann die Zeit, in der wir uns wieder anderen Dingen als diesem lediglich ruhenden Krieg zuwenden können. Aber nicht jetzt.« Eine grimmige Entschlossenheit ergriff von seinen Zügen Besitz und er begegnete Paskes Blick mit einem kühlen Lächeln. Der junge Adept hielt dem Blick des Weideners ruhig stand, als würde er erst einmal eine weitere Reaktion abwarten. Das Unbehagen, das er durch sein Frage in Wulfgar offenbar auslöste, schien ihn für einen kurzen Moment zu verwundern, er seufzte kurz und erhob dann wieder die Stimme »Ich bin mir im Moment auch nicht mehr sicher ob ich eine Antwort möchte. « Die wenigen Worte klangen dabei etwas unsicher, er konnte wohl nicht abschätzen inwiefern ein ernsthaftes Gespräch in diesem Moment der unausgesprochene Angelegenheit Linderung verschaffen könnte. Mit gefassterer Stimmlage und einer versöhnlichen Wärme durchbrach er das unangenehme Schweigen.

»Verzeih wenn das Anrecht auf die Frage nicht verhanden oder der Moment falsch gewählt war.« Sein Blick löste sich wieder vom stolzen Krieger, der in diesem Moment eben wieder wohl seinen eigenen
Kampf für sich fechten wollte. Der Wind frischte in diesem Moment wieder auf, wie eine nicht greifbare Urgewalt stieß dieser durch die hohen Wipfel und fegte die noch wenigen Blätter vom Geäst der alten Bäume. Vereinzelte Verwirbelungen am Waldboden hoben die güldene Blätterpracht wieder vom Boden und trieben sie in die Höhe. Paske zog es wohl eben vor für einen Moment zu schweigen.

Wulfgar wusste nicht genau, ob es Bedauern oder sein schlechtes Gewissen war, dass in ihm aufstieg, aber er fühlte kein Verlangen danach sich jemandem zu öffnen, bevor er nicht mit Esra über seinen Verdacht hatte sprechen können. Jegliche Worte kamen ihm dazu ohnehin nur schwer über die Lippen, ja schnürte ihm der Gedanke daran sogar schon in einem Maß die Kehle zu, dass er fürchtete ersticken zu müssen. Er fürchtete den Moment, in dem er den Damm niederriss und das viele Ungesagte, was ihm auf der Seele brannte, entfesselte und es nur so aus ihm heraussprudeln würde. Alles würde zurückkehren … die Erinnerung, der Schmerz … die Machtlosigkeit … die Wut. So blieb ihm nichts anderes übrig als den Kloß in seinem Hals herabzuwürgen und sich in Schweigen zu hüllen. Nachdem Paske der malerischen Stille im herbstlichen Wald ebenfalls den Vorzug zu geben schien, richtete Wulfgar sein Augenmerk auf den im Schattenspiel glitzernden Bachlauf. Rechterhand und ein paar Schritt die Böschung hinauf, erspähte er einen immergrünen Strauch mit schätzungsweise fingerlangen Dornen und fahlweisen Beeren, der augenscheinlich sowohl den zunehmend kühleren Tagen also auch den weniger werdenden Sonnenstunden zu trotzen schien. Entgegen jeglicher Ansätze, bei denen man leichtfüßiger über die moos- und algenbedeckten aus dem gurgelnden Wasser emporragende Steine zum Überqueren des eiskalten Baches verwendet hätte, entschied er sich für den bei seiner Rüstung praktikabler wirkenden Ansatz. Er stapfte direkt durch die zahme Flut, die seine Stiefel umspülte und sich durch den vom Leder gewaschenen Schlamm in Flussrichtung verfärbte. Er griff nach der freigelegten, kräftigen Wurzel eines nahen Baumes und erklomm schnaufend den sanften Anstieg, der ihn das Gewicht der stählernen Platten abermals spüren und dauern ließ. Vor dem Gewächs ließ er sich auf das linke Knie sinken und legte den Kopf schief, während er den Strauch betrachtete, der sich so auffällig von dem umliegenden Gestrüpp unterschied. Er zog den Dolch aus der Scheide, ließ aber die führende Rechte noch auf den matt glimmenden Beintaschen auf seinem Oberschenkel ruhen. »Paske?« rief er in der Erwartung, dass ihm der Magier noch nicht durch den Bach gefolgt war, gegen das Plätschern des Wassers an.

Dem Ruf nach seinem Namen folgend setzte Paske über und stolperte dabei mehr schlecht als recht über die rutschigen Steine im Bachbett »Ja, was ist?« Nichts ahnend positionierte er sich im Rücken von Wulfgar. Sein Blick fiel erst ein paar Atemzüge später auf den Busch, vor welchem der Weidener nun kniete, gar an die zwei Schritt dürfte dieser Segen der Natur aufragen. »Na, sieh einer an, wenn ich mich nicht täusche, ist das ein Satuariensbusch, ein echter Glücksfund Wulfgar, dieser Strauch birgt bei Hesinde wohl auch mehr Geschichten und Weisheit als man glauben mag.« Auf seine lobenden Worte folgte ein Schmunzeln. »Er soll böse Geister, Wiedergänger und sogar Dämonen fernhalten.« Er deutete auf Früchte und das Blattwerk des Strauches. »Ich schlage vor wir nehmen uns einen Augenblick und sammeln eine handvoll Blätter und Früchte, ein Aufguss damit kann vor Krankheiten schützen - ein wahrer Segen der Herrin Peraine in den kommenden kalten Tagen.«

»Meinertreu ...« Wulfgar ließ einen kurzen anerkennenden Pfiff zwischen seinen Lippen entweichen, während sein Blick an dem Strauch emporkletterte. »Ein Satuariensbusch ...« wiederholte er fast andächtig und in fester Absicht, sich das neu errungene Wissen einzuprägen. »Lass mich raten. Es gibt keine Möglichkeit diesen eigenhändig irgendwo anzupflanzen? Sonst pflanze ich davon eine ganze Hecke um die Grafenburg und verteile getrocknete Beeren vor den namenlosen Tagen an alle, die Schutz in und um die Mauern von Zweimühlen herum gesucht haben.« Natürlich dachte er an die Nächte des Schreckens, die sternlose Finsternis in welcher der Finstermann wiedergekehrt war. Die letzte ... jene Nacht, in der ... Wulfgars Gedanken kamen ins Stocken, sein Herzschlag nahezu zum Erliegen.
Warum hast du es mir verschwiegen, Aruna ... .

Gedankenverloren wog er das Messer in seiner Hand, hoffte das Paske ihm nicht soweit zugewandt stand, dass er in seinem Gesicht zu lesen vermochte. Seine Maske war sein Schild, seine Wehr ... »Die Geister, die Dämonen und Wiedergänger ... was von diesem Busch hält sie fern?« murmelte er mit verräterisch gepresster Stimme, die mühsam die Worte in die Kühle der herbstlichen Luft schob.

Paske fuhr sich mit den Fingern der freien Linken grüblerisch über das glatte bartlose Kinn. Mit der rechten Hand den Blutulmenstab fest umschlossen stützte er seinen Körper leicht auf diesem ab um hier
an der ansteigenden Böschung sicheren Halt zu finden. »Ein Geistesblitz, der nicht abwegig erscheint, wenn das Frühjahr naht, könnten wir es versuchen, dein Talent bei der Feldarbeit wird da sicher Gold wert sein. Und genau zu bestimmen welcher Teil für diesen Schutzbann verantwortlich ist, fällt mir im Moment etwas schwer, ich würde jedoch die Vermutung aufstellen, dass ein hoher Grad an abschirmender Kraft im Gehölz dieses Strauches innewohnt. Wenn wir wieder zurück in Zweimühlen sind, kann ich gerne dazu den ein paar Schriften zurate ziehen. Vielleicht sollte ich aber auch eine grobe Analyse vor Ort durchführen.« Sein blauen Augen wanderten wieder zu Wulfgar, die Anspannung nahm er sichtlich wahr. Er atmete einmal tief durch »Willst du mit mir darüber sprechen?« Er fixierte Wulfgar, wohl wissend dass was auch immer hinter den Worten des Kriegers verborgen lag, sicherlich ein Gespräch alleine nicht zu lösen vermochte. Es wäre aber dennoch zumindest ein Anfang.

Der Weidener ließ ein freudloses Schmunzeln über seine Mundwinkel huschen. »Über die Analyse? Nein, ich denke ich vertraue auf die erste Einschätzung des gelehrten Herrn.« Seine im Lederhandschuh steckende Rechte begann sorgsam das auch hier den Waldboden bedeckende Laub um den schlanken Stamm des Busches herum beiseite zu schieben und er zog aus dem bunten Durcheinander einige wenige kurze, augenscheinliche von passierenden Waldtieren abgebrochene Zweige, an denen nur noch einige verschrumpelte Beeren und bereits verdorrte Blätter hingen. Dann schob er mit seiner rechten Hand behutsam die unteren Zweigreihen des Busches empor und suchte den Stamm nach weiteren angerissenen oder bereits abgeknickten Zweigen ab. Wulfgar wirkte fokussiert, ja entschlossen und Paske hatte gar den Eindruck, als hätte sich sein Ausdruck in Anbetracht der neu gefundenen Aufgabe merklich erhellt und die kurze Düsternis verbannt. Als er das Messer an einem abgeknickten Ast ansetzte, setzte er zu einem kurzen Reim an, der jeden seiner sorgfältigen Schnitte begleitete. »Gütige Herrin, Mutter der Saat … dir zu Ehr und Lob … es ist kein Pfad der Welt so steil, dass ihn nicht Blumen schmücken … nur das bleibt unser eigener Teil, dass wir sie dann auch pflücken …« Mit einem zufriedenen Lächeln befreite er den abgetrennten Zweig aus der Umklammerung der umliegenden Äste und begann ihn von den verbliebenen Blättern und Beeren zu befreien, die er vorsichtig in seinem, am Gürtel getragenen Saatbeutel verstaute. Dann raffte er das erbeutete Holz zusammen, ließ sich auf einem moosbedeckten Stein nur einige Schritt von dem Satuariensbusch entfernt nieder und breitete die Holzstücke auf seinem Knie aus. Das Messer versenkte er im weichen Boden neben seinen Füßen und zog aus einer seiner Gürteltasche eine kleine, grob geschnitzte Holzfigur hervor. Einen kleinen, etwas zu kurz geratenen Krieger oder Ritter in Rüstzeug, der den Griff seines klobigen Schwert an seine Brust gedrückt hielt, wie Paske schien. Der Blick des Hünen lastete für einen Moment fast liebevoll auf dem kleinen Schnitzwerk, dann beschlich Paske das Gefühl, dass Wulfgar dem Blick aus den kleinen hölzernen Augen nicht länger standhalten konnte, als er sich wieder den Zweigen zuwandte und die Figur neben dem aus dem Boden ragenden Messer, das er jetzt wieder hervorzog, auf das Laub bettete. Dann machte er sich daran die gesammelten Zweige zurechtzustutzen.

Wortlos, schweigend und nachdenklich saß er da und vertiefte sich in seine Arbeit. Und obwohl sich Paske der Sinn der Handlungen seines Gefährten nicht zur Gänze erschloß, war er sich dennoch sicher gerade Teil eines bedeutsamen Momentes für den Krieger geworden zu sein. Ohne lange zu zögern, gesellte Paske sich zu seinem Gefährten und machte es sich neben Wulfgar nahe des Steines auf einem entwurzelten Baumstamm gemütlich. Dabei wählte er seinen Platz so dass das ansteigende Praiosauge seinen Sitz mit wärmenden Strahlen erhellte. Neugierig verfolgte er die Zeremonie, welche eben noch in einer frühen Phase zu stecken schien. Da nun wohl ein Umstand der Ruhe und eine erste erholsame Pause vorgesehen war, fischte Paske ganz in Manier eines Lebemann seine langstielige Holzpfeife hervor, stopfte diese mit mildem methumischen Tabakkraut und fing an genussvoll zu schmauchen. In beständigen Abständen hingen nun dichte Rauchschwaden in der Luft, welchen ein würzig-süßer Duft anhaftete. »Was soll das werden, willst du da eben etwa aus den dünnen Zweigen einen Talisman flechten?« In seiner Stimme klang weder Spott noch Belustigung, es war der offene und freundliche Ton von jemandem, der seinen Gegenüber verstehen wollte.

»Einen Kranz, um mein wallendes Haar zu bändigen…« gab Wulfgar scherzhaft zurück, ohne innezuhalten oder seinen vertieften Blick von seiner Arbeit zu heben. Immer wieder hielt er die dünnen Holzstücke vor das fahle Licht, dass durch das Blätterdach schimmerte und schien deren Länge abzumessen. Wenn nötig, griff er wieder zu seinem Messer und die überschüssigen Reste der kurzen Stücke mischten sich unter das niedergetretene Laub um seine schlammverspritzten Stiefel. Ein zufriedenes Grunzen verkündete das Ende seiner Schnitzarbeit, aber das, was er dort auf seinem Schoß lose sammelte, glich eher den Teilen einer winzigen, vom tosenden Augrimmer umgewehten Palisade. Er fischte nach kurzem Kramen ein Knäuel Zwirn, das er sonst wohl für die gröbsten Ausbesserungen an seinen Gewändern auf der Reise zu nutzen pflegte, aus den offenbar unerschöpflichen Untiefen seiner Gürteltaschen und begann die Hölzer kleinteilig und stellenweise etwas umständlich zu umwickeln. Die Minuten verstrichen, ohne das Wulfgar ein weiteres Wort verlor. Ungewöhnlich genug für den sonst so geselligen und redseligen Krieger aus Baliho, aber sein Gesicht strahlte eine Ruhe und Friedlichkeit aus, die Paske so bei seinem Begleiter noch nicht bewusst wahrgenommen hatte. Dennoch spürte er, und wenn es nur das leichte Zittern der Finger des Recken war, dass dem Magier verriet, dass Wulfgar gegen etwas ankämpfte. Als er den Garn wieder verstaute, tauchte die Glut des sich am Horizont herabneigenden Praiosmals den Wald in ein feuersattes Farbenspiel, dass sich an den zahllosen Rot- und Gelbtönen der Baumwipfel, der fallenden und bereits gefallenen Blätter labte und mit diesen zu einer glühenden Pracht verschmolz. Wieder erkannte der Lowanger die Erschöpfung und Kraftlosigkeit, welche die bartumrahmten Züge des Zweimühlener Vogtes ausstrahlten, als sich sein Blick zwischen den umstehenden Bäumen verlor, in unbekannte Ferne starrend. »Früher, als ich noch ein kleiner Knirps war, der seiner Schwester überall hin folgte, haben wir manchmal Nussschalen am seichten Ufer in den Pandlaril gesetzt und sind ihnen, soweit wir konnten, nachgelaufen.« Das ferne glucksende Lachen von Kindern hallte durch seine Erinnerungen. Wie die Stiche dutzender winziger Dolche, die jede Stelle seines Körpers fanden, der nicht mit mattem Stahl bedeckt war. »Wir haben uns immer gefragt, ob es an der Mündung des Flusses bei Trallop wohl jemanden gab, der sie alle herausfischen würde, bevor sie auf den Neunaugensee hinaustrieben. Ardariel hat gemeint, dass die Fischer eines Tages von einer neuen Insel im See erzählen würden, die über und über nur aus den Nussschalen der Kinder entlang des Pandlaril bestehen würde.« Ein bitteres Lächeln schlich sich auf Wulfgars Lippen. »Sie hat mir versprochen, dass wir eines Tages mal dorthin rudern würden, wenn sie erst das Ungeheuer im See selbst bezwungen hätte.« Er schluckte schwer. »Damals haben wir noch die Ungeheuer gefürchtet … die Drachen … die Oger … Riesen und Dämonen.«

Er richtete sich auf und seit langer Zeit begegnete sein Blick wieder dem seines Begleiters. Tiefer, unausgesprochener Schmerz spiegelte sich in seinem im Leuchten des Waldes dunkel glühenden Augen. »Kein Ungetüm … keine Sagengestalt … hat mir jemals diese Schmerzen zugefügt. Ein Leben, das erlischt, bevor es sein Licht in unsere Leben werfen kann, hinterlässt Dunkelheit in meinem Herzen … Leere, Schwärze … die kein Feuer erhellen kann.« Er bückte sich nach der kleinen Holzfigur, die dort im Moos noch auf dem Stein lag und drehte sie nachdenklich zwischen seinen behandschuhten Fingern. Paske schluckte schwer, all die klugen Worten und Ratschläge, die sonst in seinem Kopf kreisten waren wie fortgeweht, und selbst wenn er sie zu fassen bekommen hätte, welchen Sinn würden sie ergeben? Diese Offenbarung ließ einen Kloß in seinem Hals anschwellen. Nur langsam setzte er an, seine Worte waren leise und er kam ins Stottern. »Ich, ... ich, ... du, ... du« Es war ihm anzumerken, dass er sich hilflos fühlte. Was sollte er nur sagen oder tun? Was konnte er tun, konnten seine Worte doch niemals dem Leid und Verlust Wulfgars in irgendeiner Form gerecht werden. So erhob er sich und trat an Wulfgars Seite, seinen rechte Hand legte er dabei vorsichtig auf die Schulter des Kriegers, er wollte ihm in diesem Moment keine Umarmung aufzwingen, also ließ er diese dort trostspendend ruhen. Er setzte abermals an und zwang alles, was er an Kraft aufzubringen vermochte in seine Stimme. »Ich bin und werde für dich da sein, mein Freund. In jeder Form in der ich dir meine Hilfe angedeihen lassen kann. Meine Vorstellungen können sicher nicht den Schmerz fassen welcher durch deinen unglaublichen Verlust in dir brennt. Also sprich mit mir, wenn du kannst und teile deinen Schmerz.« Wulfgars nickte langsam, während sich seine Schultern mit dem tiefen Atemzug, den er nahm um sich zu sammeln, hoben und senkten. Aus seinem schwachen Lächeln sprach die Dankbarkeit für Paskes Worte. »Wie viel tiefer muss der Schmerz noch bei Aruna brennen … wie viel dunkler noch die Finsternis, die Leere … in ihr selbst sein. Und ich kann ihr nicht die Hilfe zuteilwerden lassen, die sie braucht, weiß ich doch kaum selbst wie ich das Loch in meiner Seele wieder aufschütten kann.« Sein abwesender Blick schien aus den Erinnerungen, in denen er geschwelgt hatte, zurückzukehren und richtete sich auf die kleine Ritterfigur. »Ich habe keine Ahnung, ob sie einen Junge oder ein Mädchen unter ihrem Herzen getragen hatte, aber es erschien mir naheliegend, dass sie einst wie wir eine Rüstung getragen hätte.« Er rang hörbar mit den Worten, die sich über seine Lippen quälten. Seine Augen schimmerten glasig. »Verstehst du, ich wusste nicht einmal, ob ich einen Jungen oder ein Mädchen schnitzen sollte … ich wollte mir vorstellen, wie es wohl gewesen wäre … noch Stunden nach meinem Streit mit Aruna saß ich brütend in einem Wäldchen vor Talf und versuchte nach den unzähligen Momenten zu greifen, die man uns genommen hatte. Splitter dieser Zukunft aufzuklauben, zusammenzustecken und mir auszumalen, was wohl gewesen wäre, wenn …« Er verstummte und schloß die Augen. Sammelte sich für einige Augenblicke, bevor er sie wieder aufschlug. »Ich kann Aruna nicht heilen, keiner kann das. Und manchmal frage ich mich, ob ich überhaupt einen Anrecht auf diesen Schmerz habe, da ich doch selbst das neue Leben niemals an meiner Brust,auf meinem Arm spüren durfte … dass ich nicht einmal geahnt habe, dass zwei Herzen nun in Aruna schlugen, wenn wir beisammen lagen. Sie hat es gespürt, gefühlt, wie es wächst … das kleine, unschuldige Leben.« Seine Stimme stockte.

»Aruna hat es gewusst, Esra hat es gewusst … nur ich in meiner übersprudelnden, unbedarften Art habe weder die Zeichen erkannt noch das Geringste geahnt. Und jetzt fühlt es sich an, als hätte jemand ein großes Stück aus meinem Herzen geschnitten. So viel, dass ich gar nicht weiß, wie es möglich sein soll, das es immer noch schlägt.« Wulfgar legte die um die Holzfigur geschlossene Hand auf seine linke Brust und senkte den Blick. »Weißt du, Paske, mein Schwertmeister hat mich immer gewarnt, dass ein einziger ungezielter und die schützenden Ketten durchbrechender Pfeil, der im Zufall mein Herz durchbohrt, mein Leben beenden kann. Hier und jetzt … Vom einen auf den anderen Wimpernschlag … Das hier fühlt sich so an.« Er pochte mit der Faust gegen den matten Harnisch seiner Rüstung. »Aber ich stehe noch. Weil es alle von mir erwarten. Weil Zweimühlen und die Wildermark uns brauchen. Doch dieser niederhöllische Schmerz … er bleibt. Und in jedem Moment der Einsamkeit, Ruhe oder Rast wird er stärker. Wenn ich in Arunas Augen blicke … wird er stärker. Wenn ich Kinderlachen durch die Straßen hallen höre … oder mich in Erinnerungen flüchte …« Er brach ab, sein Gesicht verzerrt vom Kampf gegen die Tränen, die ihm in die Augen stiegen. Unvermittelt fasste sich der Weidener wieder und zog in einem trotzigen Aufbäumen seiner ruppigen Art die Nase hoch. Ein Teil der Düsternis schien von ihm abzufallen, als er auf der geöffnete Linken das kleine Floß wog und die Ritterfigur sanft, fast zärtlich in dessen Mitte bugsierte. Er flüsterte beinahe, als er mit kraftloser Stimme das nur von den Geräuschen des Waldes durchspülte Schweigen durchbrach.

»Ich … konnte nicht einmal Abschied nehmen. Von unserem Sohn … unserer Tochter, als sie … oder er die Reise über das Nirgendmeer antrat. Aber ich habe die Hoffnung, dass er … sie es hören … oder spüren kann … wenn ich unseren kleinen Ritter dem Bachlauf übergebe, dessen hüpfende Wellen ihn in den ewigen Schlaf schaukeln sollen …« Unerwartet durchbrach ein warmes, hoffnungsvolles Lächeln seine grüblerische Ernsthaftigkeit, dass ihn in diesem Moment nicht weniger verletzlich wirken ließ, aber von seiner tiefen Entschlossenheit kündete. »Geschützt vor Geistern, düsteren Träumen und der Angst. Etwas, dass unser Kind wissen läßt, dass wir da sind und eines Tages zu ihm zurückkehren werden.« Paske löste seine Hand wieder von Wulfgars Schulter und sein Blick glitt zu dem sich friedlich durch sein abgesunkenes Bett schlängelnden Bachlauf. Er begleitete Wulfgars Worte dann und wann mit einem beipflichtenden Nicken und schien, andächtig in den geweckten Gedanken versunken, zu begreifen. »Dann soll es so sein, ... lass uns an diesem Tag, in dieser Stunde einen Anfang wagen um den Schmerz verblassen zu lassen. Und lass uns ehren und behüten was war und sein wird ... der Gedanke an das Kind, ein Geschenk der Götter ...« Seine Stimme war leise und einfühlsam. »Ich bin mir sehr sicher, dass aus deinem Kind ein großer Kämpfer geworden wäre.« Die Sätze fielen ihm sichtlich schwer und krochen nur zögerlich über seine Lippen, während er damit rang den Frieden dieses stillen Momentes jetzt nicht mit unbedarften, unbedachten Äußerungen zu stören. Soll doch nun der Anfang gewagt werden, dass die fürchterlichen Ereignisse um diese Tragödie vergehen … ja, langsam verblassen können. Er ging ein paar Schritte und lauschte in das Rauschen des Baches. Die gesammelten Rohalskappen in seinem Tuchbeutel waren schon längst in Vergessenheit geraten. Ein Geschenk der Götter, wiederholte Wulfgar nachdenklich in seinem Geist. Ja, das und nichts anderes war ihr Kind wohl gewesen. Er hob sein Haupt und blickte durch eine der ungezählten Lücken in den Baumkronen, die sich im Wind wiegten und durch die das von den vorherrschenden Rottönen verfärbte Blau schimmerte, himmelwärts. Insgeheim wünschte er sich, dass die Zwölfe ihm eines Tages eine Antwort auf seine drängendste Frage geben würden, aber er war sich bewusst, dass sie ihm keinerlei Rechenschaft schuldeten … nur warum hatten sie ihnen dieses Geschenk wieder genommen? Ihm diesen Teil seines Herzens herausgetrennt … gerissen? Seinen Verstand mit Hilflosigkeit und Trauer gelähmt? Ja, ihn sogar zornerfüllt zweifeln lassen … Er wusste es nicht, verstand es nicht … würde es wahrscheinlich niemals erfahren … Aber im Tode gab es nur eine Gewissheit. Dass alles, jeder Funke, endlich war.

Ihm blieb nur seine eigene Vermutung davon, was die Zwölfe ihm vermitteln wollten. Aber alles davon konnte seinen Geist, seine Entscheidung in diesem Moment weder eintrüben, noch das sanfte Lächeln
von seinen Zügen vertreiben, das liebevoll auf dem kleinen Floß in seinen Händen ruhte. Noch, geliebtes Kind, bleibt es mir verwehrt dich kennenzulernen, aber es gibt etwas … einen Abdruck davon, wer ich
bin, den ich dir mit dem Flüstern der Fluten schicken kann. Ganz gleich, wie weit du von uns entfernt bist. Damit du weißt, wie gerne ich dir der Vater gewesen wäre, der einst mein Vater für mich war. Grüße Avon herzlich von mir. Er ist … war ein hervorragender Geschichtenerzähler und so hoffe ich, dass du eine Ewigkeit auf seinem Schoß in seiner Umarmung verbringen kannst, während du seinen Geschichten über die Orte lauschst, die auch dir eine Heimat gewesen wären. Und irgendwann … Wulfgar schlug die Augen nieder und ließ seinem Blick dem Bachverlauf folgen, bevor er sich im Gestrüpp und Dickicht stromabwärts verlor … komme ich nach und bringe neue Geschichten mit.

Verstohlen verdrückte er sich eine Träne, die sich zwischen seinen Lidern auf seine Wange geschlichen hatte und nickte Paske zu, der selbst grübelnd und ergriffen am Rand der Senke stand, durch die sich der Knorrbach seinen Pfad durch den Wald gegraben hatte. Dann begann er vorsichtig Schritt um Schritt mit dem Abstieg, um sein spätes Geschenk den wispernden, glucksenden Fluten zu übergeben.
Session: Herbstliche Ehren - Monday, Nov 13 2017 from 10:00 PM to 2:00 AM
Viewable by: Public
0 comments
Epic!
Unbesiegbar
Heerlager des Talfer Bundes, Wildermark, in den letzten Tagen der Rondra 1033 BF

Für einen kurzen Moment schien Wulfgar zu straucheln, ganz wie jemand dessen Schild gerade unter einem mächtigen Hieb zerschmettert worden war. Seine Hand stemmte sich auf das stützende Holz des schweren Eichentisches, der in der Mitte des von der Wärme des jetzt noch über den Horizont hinwegblinzelnden Praiosauges aufgeheizten Zeltes gefunden hatte. Seine Hand zitterte. Unmerklich, aber dennoch stark genug als dass Aruna es wahrnehmen konnte.

“Wir ... Ich ... Warum bei den Göttern ... warum hast du es mir nicht gesagt? Niemals hätte ich dich mit den anderen ziehen lassen ...“ Seine Stimme verlor mit seinen Worten zunehmend an Kraft, wurde heiser und presste die wenigen Sätze nur umso eindringlicher und mühsam zwischen seinen Lippen hervor. Und dennoch wirkte es so, als wäre das Gros seiner Worte an sich selbst gerichtet. Als würde er noch vergeblich versuchen zu begreifen, was sie ihm gerade eröffnet hatte.
Aruna war auf die Knie gesunken, mit hängendem Kopf und Schultern ruhte sie, zitternd und bebend auf dem flachgetreten Boden des vögtlichen Zeltes.

Sie hob den Blick und mit schmerzerfüllter Miene und aus tränenerfüllten Augen sah sie an dem Weidener Krieger empor.
"Eben darum, Wulfgar." Sie schluckte und schluchzte.
"Niemals hättest du mich ziehen lassen, nicht nur Gallys... auch..." ihre Lippen bebten. "Talf... Eldrinn, Esra und Paske hätten Talf aufgegeben... wir..." Die Stimme der sonst so stolzen und aufrechten Amazone drohte zu brechen und sie hielt einen kurzen Augenblick inne, um sich mit den Handflächen über das Gesicht zu streichen. Die beiden wiederspenstigen Strähnen ihres kastanienbraunen Haares ließen sich zwar durch keine Macht dieser Welt bändigen, doch die Tränen konnte sie sich von den Wangen streichen.

"Wenn ich nicht... wir... wir stünden ganz alleine hier. Umzingelt von Feinden... was hätte ich denn tun sollen?!"
Es war weniger ein Vorwurf an den Moosgrunder Recken als ein verzweifelter Hilfeschrei an sich selbst.

In Wulfgar brodelte der Wunsch sich von dem Tisch abzustoßen und die Lücke zu schließen, die sie trennte, vor ihr auf die Knie zu gehen und ihren Kopf mit seinen Händen zu stützen um ihr in die Augen zu sehen und zuzuraunen, dass alles gut werden würde. Ganz so wie damals, als sie Ludalf von Wertlingen vor den Attentätern des verräterischen von Drôlenhorst gerettet hatten. Als er seine starke Löwin zum ersten Mal unter der Last ihrer Gefühle hatte zusammensinken sehen ... doch seine Beine folgten dem stummen Impuls nicht, seine Muskeln waren wie erstarrt, verkrampft in dem unsäglichen Schmerz, der in seinen Adern der feurigen Glut einer Esse gleich in seinen Adern pochte.

Eine Art von Schmerz, den er in dieser Form nicht kannte und alles überstieg, was selbst die schartigen Schwerter des Finstermannes in seinem Körper losgetreten hatten. Kluge, mitfühlende Worte kreisten in seinem Kopf, zerplatzen aber, sobald er in dem Funkensturm in seinem Inneren nach ihnen fischte. Seine Zunge klebte am Gaumen, löste sich nur schwerfällig und in der Anmutung unendlicher Erschöpfung, die sich in seinem Körper breitmachte. Das Mal der Alveranierin Raskorda auf seiner Brust schien zu glühen und er spürte wie es auf seiner Haut brannte, als würde jemand ein frisch aus dem Feuer gezogenes Brandeisen auf seine Haut pressen.

“Ich ... Talf ... Wir ...“ setzte er mehrfach vergeblich mit erstickender Stimme an. “Warum? Aruna ... Warum?“ Alles, jeglicher Gedanke in seinem Kopf wand sich schlangengleich um diese eine Frage, beraubte ihn jeglicher Kraft und Farbe in seiner sonst so tönenden Stimme. Seine Worte klangen hohl und dumpf in seinem Schädel nach. Fremd ... als hätte er sie nicht selbst ausgesprochen oder erkannte sich selbst nicht wieder.

“Ich hätte nie ...“ Er hatte ... das war das “Aber“ das ihm selbst dieses letzte Ansetzen unter den wackeligen Beinen wegzog. Irgendwie gelang es ihm seinen freien, bislang nutzlos an seiner Schulter hängenden Arm zu regen, ihn wie unter großer Anstrengung emporzuschieben und in einer Geste wortloser Betroffenheit seine Hand auf Mund und Kinn zu legen. Eine Geste der Hilflosigkeit, die in grellem Kontrast zu der aufkeimenden Verzweiflung in seinen trübe schimmernden, blauen Augen stand. Er hatte das Gefühl zu fallen.
Mit nahezu unerträglichem Schmerz in den Züge blickte die junge Amazone erneut auf zu ihrem Gegenüber. Unter einer Grimasse presste sie ihre Lippe aufeinander und schloss die Augen.

"Ich... ich kann dir keine... Antwort geben, die dich zufrieden stellen würde," presste sie vorsichtig und mit wankender Stimme zwischen ihren Lippen hervor. "Ich weiß nicht, vor welche Prüfung die Götter mich... uns... hier stellen und wieso all das geschehen ist."
Aruna schluckte und presste die Augenlider aufeinander. Tränen rannen ihre Wangen herab und fielen von ihrem Kinn.

"Ich wollte dich nicht damit belasten... natürlich hätte ich es dir früher oder später gesagt... aber... wir haben Aufgaben hier... Bestimmungen... Menschen, die ihre Leben in unsere Hände gelegt.." erneut zeichneten tiefe Falten die Stirn der Amazone und der Schmerz hinterließ tiefe Schatten über ihren Zügen.

"Ich habe das... nicht gewollt. Natürlich nicht. Ich wollte ihn nicht... Reto... ich wollte ihn nicht töten... müssen. Aber... aber als ich das Gift spürte, das auf seinem Dolch...". Sie schluckte und verstummte, stützte sich mit einer Hand auf den Boden und schüttelte wortlos den Kopf.

Ihre Blicke begegneten sich kurz, aber Wulfgar gelang es kaum der Verzweiflung in ihren tränengefüllten, dunklen Augen standzuhalten, bevor sein Antlitz abwenden musste und die Hand sinken ließ. Doch in seine Trauer, den Schmerz über den Anblick seiner gebrochenen Geliebten und längsten Freudin und seine eigene Machtlosigkeit mischte sich etwas anderes. Kalte, brutale Wut ... er ließ die Hand nicht einfach sinken, er ballte sie zur Faust und mit einem wütenden, markerschütternden Brüllen fegte er Pergamente, hölzerne Figuren und einen schweren Lederband vom Tisch in seinem Rücken, der mit einem dumpfen Geräusch eines trotzigen Aufschlages auch ein kleines Tintenfässchen und ein Bündel Federn mit sich in die Tiefe riss.

Er spürte den Schmerz, der durch das unnachgiebige Holz in seine weiß gewordenen Knöcheln drückte, aber vor dem Toben, dem Zerren in seinem Körper verblasste wie vereinzelte Wassertropfen auf vom Praiosauge erhitzem Pflaster. Seine Unterarme, seine Schultern, sein ganzer Körper bebte. Einige Augenblicke lang verharrrte er in dieser Haltung, abgesehen von dem diesem Zittern regungslos ... schweigend ... sein starrer, lodernder Blick bohrte sich in die feine verästelte Maserung der Tischplatte. Er schloss die Augen ... nur kurz, aber lange genug um den nebelhaften Schleier abzustreifen, der sich über seinen Blick herabgesenkt hatte.

Er verdrängte die Bilder, die in ihm aufstiegen ... von Momenten, die gewesen waren und jenen, die nie so stattgefunden hatten ... um die sie sich selbst gebracht, betrogen hatten ... die Nacht, die das Ende des Finstermannes aber auch den Ausbruch ihrer lange sorgsam weggesperrten Gefühle gesehen hatte ... ihren ersten sich kreuzenden Blick, in dem noch etwas anderes ausser ihrer bedingungslosen Freundschaft verborgen lag ... die Stunden, in denen sie sich auf zerwühlten Laken engumschlungen und herumalbernd unter dem durch das geöffnete Fenster herabscheinenden Praiosmal geräkelt und scherzhaft über Namen unterhalten hatten ... Arunberth, Kunigunde, Ulfhelm, Perainer ... er kämpfte mit den Tränen.

Unbesiegbar, unverwundbar hatten sie sich gefühlt ... war es real oder nur ein Abbild dessen, was ihnen jetzt so unvermittelt, so plötzlich genommen worden war? Er hatte keine Gelegenheit ... er schluckte und versuchte vergeblich den Kloß in seinem Hals wieder herabzuwürgen. Er fühlte, wie der Zorn seinen hässlichen Hals durch die enggesteckten Grenzen seiner Wahrnehmung reckte und die Wut erneut in ihm emporkochte. Auf Aruna, seine Gefährten, die sie nicht hatten beschützen können. Auf sich selbst, dass er seine Zeit hier in diesem Zelt mit den Spitzfindigkeiten oberflächlicher Adeliger und nicht bei ihr ... nicht an ihrer Seite verbracht hatte ... Auf die Götter ... tränenblind blinzelnd tastete er nach dem hölzernen Falken mit den ausgebreiteten Schwingen, der sich wie im Hohn seinem Wutanfall entzogen hatte und begrub ihn in seiner Faust. Und drückte zu. Bis sich die stumpfen Spitzen seiner Flügel in seine Handfläche bohrten.

Die niedergeschlagene, noch immer auf Knie gesunkene Amazone beobachtete den weidener Krieger mit feuchten, traurigen Augen. Mit zitternden Beinen erhob sich ihr geschundener Körper mühsam. Zögernd, langsam und vorsichtig machte sie einen schwankenden Schritt vorwärts und streckte behutsam die Hand nach seiner Schulter aus.

Als ihre Hand sich unversehens auf seine Schulter legte, zuckte der Hüne unwillkürlich zusammen. In jedem anderen Moment hätte er sich die Wärme ihrer Berührung herbeigesehnt ... aber nicht in diesem. Er fühlte sich erschreckend nackt, verletzlich und das obwohl ihm das bei Aruna unter normalen Umständen niemals unangenehm vorgekommen kam. Er wollte nicht, dass sie ihn so sah, ihm in die Augen blicken und von seiner eigenen Trauer und ziellosen Wut darin würde lesen können. Er wollte ihr der Fels in der Brandung sein, der er immer gewesen war, aber er fühlte wie ihn der Strom seiner Empfindungen trotz aller verzweifelten Bemühungen dagegen anzupaddeln, mitriss. Hätte er Anzeichen für das ungeborene Leben unter ihrem Herzen erkennen können, ja ... müssen?

Wieviele Entscheidungen hätte er umgekehrt und geändert, wenn die Zeit ihm die Möglichkeit dazu gegeben hätte? Spielte es noch eine Rolle? Er oder sie, ihr ungeborenes Kind trieb namenlos und vergessen in Satinavs Sog. Ein Zeichen der jungen Göttin, das sie für einander bestimmt waren, widerrufen in der Hitze eines Augenblicks. Aufgrund der Taten eines einzelnen Mannes und einer feige vergifteten Klinge ... die Berührung ihrer Hand wirkte so zart, gleichzeitig so ungeahnt kraftlos. Wenn er sie jetzt erwidern würde ... befürchtete er das Aruna zerspringen könnte. Diese Wut trieb ihre Wurzeln tief unter seine Haut und instinktiv wusste er, dass die Flammen seines Zornes, die in seinem Körper ihr hungriges Mahl hielten ihr keine Wärme spenden würden.

Er konnte ihre Hitze spüren und das Ziel, dass sie an verbrannten Armen ins Zentrum seines Bewusstseins hoben, fühlte die aus seiner Handfläche sickernde Glut, die den umklammerten Falken zu ertränken suchte. Ihm seine kümmerlichen Flügel abreißen und ihr geiferndes, reißzahnbewehrtes Maul in seinen Nacken schlagen wollte. Er entwand sich ihrem Griff und schleuderte die Holzfigur mit einem weiteren wuterfüllten Brüllen in eine entlegene Ecke des Zeltes. Seine ungesehenen Tränen verdampften sobald sie seine vom daruntertobenden Feuersturm glühende Haut berührten. Zumindest fühlte es sich so an.

Benommen stolperte er ein oder zwei Schritte gegen sich seinen Weisungen widersetzenden Beinen vorwärts und stützte sich wankend gegen den Stützbalken in der Zeltmitte, während er die freie Hand vor das Gesicht schlug. Seine Schultern zuckten unkontrolliert, als sich sein Schluchzen entgegen aller inneren Widerstände Bahn brach.
“Götterverdammt, Aruna!“ zwängte er zwischen zusammengepressten Zähnen hervor. Sein Blut tobte ohrenbetäubend durch seinen Schädel. Er tobte vor Wut und spürte dennoch wie schwach er sich fühlte, während er zerrissen zwischen unbändigem, entfesselten Zorn und lähmender Traurigkeit trieb wie ein abgebrochener Ast in den schäumenden Fluten des Pandlaril.

“Wovor hast du dich so sehr gefürchtet, dass du es mir nicht sagen konntest? Davor, dass ich alles, was zwischen uns wahr Lügen strafen und dich alleine lassen könnte?? Dass ich ausgerechnet in diesem Moment eine Seite an mir entdecken könnte, die mich in der ärgsten Schlacht von deiner Seite weichen ließe??“ Das Mal auf seiner Brust schien im Takt mit seinem Herzschlag zu pulsieren.

“Ja, im schlimmsten Fall hätte ich dich auf Graf Hagen gebunden und notfalls unter Zwang aus diesem verfluchten Landstrich geschleift! Einmal, nur ein einziges Mal wäre es nur um uns gegangen! Ohne die ganze, verfluchte Verantwortung, die wir niemals wollten! Niemals gesucht haben!! Einmal nur aus diesem ständigen Ringen, dem täglichen Kampf auszubrechen, in dem wir ständig nur darauf achten müssen nicht auf das falschen Wappen zu pissen!!“ Wulfgar kam ins Stocken, verschluckte die unausgesprochenen, tief in ihm gehegten Gedanken, die ihn begleiteten, seitdem sie begonnen hatten in Zweimühlen mit ihrem eigenen Blut und Schweiß etwas aufzubauen ... etwas, das er zuvor nicht gekannt hatte, ihn in schwachen Momenten noch immer einzuschüchtern vermochte und in den Guten die Hoffnung schürte, etwas bewirken zu können.

Mehr als ihnen alleine möglich wäre, wenn sie auf allen Schlachtfeldern Aventuriens kämpfen würden. Es war ... ungerecht. Sie gaben den Menschen in der Mark Hoffnung, etwas auf das sie vertrauten, es wagten hier neue Existenzen aufzubauen, sich niederzulassen, zu siedeln ... und wenn es nur in einem Zelt zwischen dem Talfer und dem Wehrheimer Tor war. Kinder ... zu bekommen. Ein nahezu übermächtiges Gefühl des Schwindels drohte Wulfgar zu überwältigen und er konnte hören, wie der Pfosten an den er sich stützte unter seiner Last ächzte.

“Bei den Göttern ... Aruna, haben wir nicht auch das Recht auf ein kleines ... unser eigenes Wunder?!“ Seine Stimme, die bislang anklagend in das Tosen seiner eigenen, jeglicher Ordnung entbehrenden Emotionen gebrüllt hatte, war bedeutend leiser geworden. Als würde er nach seinem Ausbruch kraftlos zusammensacken. “Ein Kind, unser Kind ... Aruna ... Sie ... haben es uns genommen ...“ Seine Schulter sank gegen den Pfeiler, während er Aruna das Gesicht halb zuwandte und ihren Blick suchte. Seine Augen schimmerten glasig, aber in ihnen loderten die Flammen seiner Wut.

Aruna rannen einzelne Tränen aus den Augenwinkeln.
"Ich... ich weiß es nicht, Wulfgar... vielleicht war ich dumm... vielleicht fürchte ich mich davor, dass alles irgendwie... dieser wunderbare Traum... mit einem Mal zuende... vielleicht hat die Herrin andere Pläne für mich... für uns..." Aruna verschluckte sich beinahe an den Worten, die ihre zitternde Stimme hervorbrachte.

"Vielleicht fürchte ich mich auch einfach nur davor...," doch die Worte blieben in ihrem Halse stecken und sie presste bitter die Lippen aufeinander, unfähig, das Ungesagte in die Welt hinaus zu tragen. Aruna blickte hilflos, schuldbewusst zu Boden.

Wulfgar sammelte das erschreckend Wenige an Kraft, dass ihm sein Körper in diesem Moment zuzugestehen vermochte und stemmte sich über die Schulter wieder empor. Dennoch konnte man es kaum als ein aufrichten bezeichnen. Seine Schultern waren eingesunken und seine Arme fühlten sich seltsam kraftlos an. Ausgelaugt und als hätte jemand sämtliche Kraft aus ihnen herausgequetscht. Er unternahm einen unsicheren Schritt in Arunas Richtung. Zu seiner Gefährtin, seiner Freundin ... seiner ... sein eigener, brodelnder Verstand verschluckte das Wort und eine ferne Stimme in ihm grollte: “Sie hat es dir verheimlicht. Die Gefahr auf sich genommen ohne dir deinen Anteil an dieser Entscheidung zuzugestehen.“

Seine Zahnreihen waren fast schmerzhaft aufeinandergepresst und es kostete ihn Mühe sie zu lösen. Seine Augen schimmerten feucht, aber seine Züge wirkten auf grässliche, ungerechte Art und Weise unerbittlich, hart und kühl. Er konnte es spüren, aber kein entwaffnendes, die Schärfe nehmendes Lächeln auf seine Lippen zwingen. Obwohl alles in ihm danach brüllte, danach verlangte. Aber er war nicht mehr Herr seines Körpers, nicht mehr Herr seiner Regungen oder gar Emotionen, die in ihm emporsprudelten.

“Wovor fürchtest du dich?“ zischte er. “Wovor könntest du dich mehr als vor diesem verfluchten Moment fürchten?? Diesem Moment, in dem ich beginne zu begreifen, dass wir unsere Tochter ...“ Seine Stimme bebte. “Unseren Sohn verloren haben??“ Für einen kurzen Moment spürte er die Kraft zurückkehren, fühlte wie sich seine Muskeln mit Zorn füllten und spannten. Nur ein, vielleicht zwei Schritt von Aruna entfernt, warf er sich vorwärts, packte mit beiden Pranken die Tischkante und warf ihn begleitet von dem furchtbaren Getöse, als die darauf noch verbliebenen Gegenstände ins Kullern gerieten und zu Boden stürzten, auf die Seite.

Der dumpfe, schwere Aufprall fuhr ihm bis ins Mark. Seine Muskeln brannten ob der unvermittelten Anstrengung, aber er spürte es kaum ... konnte nicht ... in ihm war nur Leere. Endlose, jegliche möglicherweise trostspendenden Gedanken verschluckende Leere. Ein gähnendes Loch ... etwas, dass die unvermittelte Nachricht vom Tod ihres Kindes, von dessen Existenz er bis vor kurzem noch nicht einmal etwas geahnt hatte, in seine Seele, den Schutzpanzer seiner sprichwörtlichen Unbekümmertheit gerissen hatte.

“Vielleicht hat die Göttin andere Pläne für dich ... für uns ...“ wiederholte er ihre Worte, begleitet von einem verächtlichen Schnauben. Der Kerzenschein warf düstere Schatten auf sein Aruna nur noch seitlich zugewandtes Antlitz. Seine Augen starrten ins Leere. Seine Worte bahnten sich nur mühsam ihren Weg über seine Lippen. Schleppten sich kraft- und klanglos ins Zeltinnere. “Und was ist mit unseren Plänen? Was ist dann mit uns, wenn die Götter uns dieses Geschenk, diesen Wink des Schicksals verwehren?“ Er schüttelte langsam den Kopf und schloss die Augen. “Du ... du solltest schlafen gehen ... du ... brauchst Ruhe.“ Er bückte sich nach seinem Tabakbeutel und der Pfeife, die zwischen Pergamenten, Karten und Holzfiguren auf dem Boden lagen.

Wulfgar suchte ihren Blick. Unsicher, unschlüssig, verletzt und erschüttert. In seinem Herzen brannte nur ein einziger Wunsch. Aruna zu trösten, sie in die Arme zu schließen und endlich zu hauchen, dass alles wieder gut werden würde. Auch er sehnte sich nach Trost, nach den richtigen Worten, den Gedanken, die ihn wieder ruppig auf den richtigen Pfad zurückrempelten ... aber es war zu früh. Die Wunde war zu frisch ... er wollte allein sein ... nachdenken.

“Ich ...“ setzte er an und seine Stimme versagte ihren Dienst. Beschämt griff er nach seinem Umhang und wankte zum Zelteingang. Nur ein paar Schritt noch, mahnte er seinen Körper. Dann kannst du mit mir machen, was du willst.

Westruh, Wildermark, in den ersten Tagen des Efferd 1033 BF

Zurückgeworfen vom eisenverstärkten Schaft fuhr die Klinge seines Zweihänders nieder, nutzte die Wucht, die sein Hieb, der die Deckung des Söldners hinter dessen Hellebarde ausgehebelt hatte, in seinem schweren Rauschen entfaltete. Blut spritzte, als er die stählerne Brustplatte zertrümmerte und das schreiend bunte Gewand, dass der Söldling darunter trug, wie altes, brüchiges Pergament zerschnitt. Sein Brüllen erfüllte den Helm, dessen Sichtschlitze sich im Wissen darum, dass der Söldling sich von der beigebrachten Verletzung nicht mehr erholen würde vom schmerzverzerrten Antlitz des jungen Mannes abwendeten und sich in berechnender Kälte auf die junge Frau mit dem Federbarett richteten, die mit jetzt nur noch halb so entschlossener Miene das Kurzschwert umklammerte, als sie ihren Gefährten jämmerlich schreiend fallen sah. Mit einem Halbschritt versuchte sie die Reichweite seines Zweihänders zunichte zu machen und ihm die Klinge in den Leib zu stoßen.

Gleichgültig ließ es Wulfgar drauf ankommen und ihren Angriff passieren, während er selbst den nach dem Hieb gegen ihren Kumpanen über den Kopf emporgerissenen Zweihänder auf sie herabschnellen ließ. Er spürte den Stich kaum, der wohlgezielt an den Plattenstücken seiner Rüstung vorbei, die wattierte Unterkleidung durchdrang und ihm einen schmalen Schnitt zufügte. Sein Zweihänder hingegen grub sich mit ungebremster Wucht in den kaum von der Brustplatte beschirmten Bereich zwischen Hals und Nacken. Erst als die Klinge sich zwischen Schlüsselbein und dem hoffnungslos verbogenen Stahl der schützenden Brünne verkeilte, drückte er den schweren Stahl über den Griff wieder leicht empor, schob sich in seiner matten Rüstung einem unaufhaltsamen Ungetüm aus Stahl und Blut vorwärts und zwang ihren erschlaffenden Leib mit einem mitleidlosen, heftigen Tritt in den Staub, während er den Bidenhänder aus der klaffenden Wunde schälte. Ihr Schrei erstickte in einem Gurgeln. Seine Schläfen pochten. Von rechts stürmte ein Landsknecht heran, die Infanteriewaffe zu einem kräftigen Stoß auf Brusthöhe gereckt. Ein dumpfes, schnalzendes Pochen brachte seinen Angreifer spürbar aus dem Tritt, während sich sein Gesichtsausdruck von zornerfüllter Überzeugung zu überraschtem Entsetzen wandelte. Er verlangsamte unkontrolliert, taumelte, machte noch ein, zwei Schritte und sank dann auf die Knie. Ein Bolzen ragte aus seiner Schläfe.

Unwirsch rempelte Wulfgar den vorsackenden Körper mit seiner plattenbewehrten Schulter beiseite. Vor ihm schloßen vier, mit unsicher zuckenden Augen die nahen Gebüsche entlang der Böschung absuchende Söldner die ausgedünnte Formation vor einem Schemen, der beide Hände ausbreitete. „Aufhören! Haltet ein!!“ gellte der Ruf eines Mannes durch die Senke. „Ich gebe Euch wonach es Euch verlangt! Gold, Geschmeide! Nehmt auch unsere Waffen, wenn es Euch von unserer friedlichen Absicht überzeugt.“ Wulfgars Schritt wurde keineswegs langsamer, allerdings hob er den gepanzerten Arm und bedeutete den Uhdenbergern in seinem Rücken das Feuer einzustellen. „Tretet beiseite, wenn Euch Euer Leben lieb ist.“ Knurrte er mit donnernder, blechern verzerrter Stimme über das Stöhnen und Ächzen der Verletzten hinweg den Söldnern zu. „Legt die Waffen nieder und ihr werdet verschont!“ blaffte er, noch während sie eine Gasse zu der Gestalt öffneten, die sich im Rücken ihrer Formation verbarg. Das mehrstimmige Klirren aufeinanderprallender und abgeworfener Waffen quittierte, dass sie seiner Aufforderung Folge leisteten. Er selbst öffnete den Riemen unter seinem Visierhelm und hob die geschlossene Faust. „Sichert die Waffen und nehmt sie in Gewahrsam.“ Ins Gesicht des vielleicht 40 Sommer zählenden, dunkelhaarigen Mannes, der jetzt kaum noch fünf Schritt von ihm entfernt war, stieg die Zornesröte.

„Wer seid Ihr, dass Ihr Euch erdreistet …“ Wulfgar gab ihm keine Gelegenheit seinen Satz zu vollenden. Er streifte nur den Helm ab und ließ ihn achtlos ins blutige Gras fallen. „I … Ihr …“ stieß der Mann zwischen zusammengepressten Zähnen hervor, während die Farbe wieder aus seinem Antlitz wich. “Gisbert Gilborn von Talf, vom heutigen Tage an geltet Ihr für euer verdammungswürdiges Bündnis mit den Schergen des falschen Kaisers, kraft der mir verliehenen Legitimation als Vogt Zweimühlens, als Verräter und Bedrohung für das Heil der mir anvertrauten Seelen …“ Er ließ die Worte wirken, stapfte aber weiter unumwunden und ohne Umwege auf den in teure Gewänder gehüllten einstigen Vogt Talfs zu, der zunehmend und mit langsam von ehrlicher Furcht durchtränktem Blick vor ihm zurückwich. Sich allerdings ob der sich aus den Gebüschen über der Senke schälenden Bewaffneten wohl darauf besann, dass an Flucht nicht zu denken war. Sein in quälender Langsamkeit vollzogener Versuch sich Wulfgars Zugriff zu entziehen, endete jäh, als die Hand des Weidener Kriegers vorschnellte, den einstigen Landadeligen am Kragen packte und ihn in den Staub des nur dürftig ausgetretenen Pfades zu ihren Füßen schleuderte.

Wulfgars Gesicht war eine furchtbare Maske des Schmerzes und unaussprechlichen Hasses, auch wenn dieser mehr der unmöglich zu ergreifenden Gelegenheit galt, die er hatte verrinnen lassen müssen, als ihm der goldene Falke so unaussprechlich nah gekommen war. Am Lagerfeuer … nur wenige Meilen vom Heereslager des Falkenbundes entfernt … Seine Zähne knirschten. Die Nacht, in der er Paske das Richtige hatte tun lassen. Für die Wildermark. „Ihr habt bereits einmal Zweimühlen verraten, als Ihr dem Ruf Eurer Baronin Svanja Ragnasdottir nicht in die Schlacht auf dem Mythraelsfeld gefolgt seid. Euer Exil hat Euch keinesfalls Demut gelehrt … nein, ganz im Gegenteil! Ihr verbündet Euch mit einem Feind, der offen gegen den hier geschaffenen Bund zu Felde gezogen ist.“ Wulfgars Stimme war eisig, aber sein ganzer Körper bebte vor Wut. Gisbert Gilborn kroch rückwärts. „Ihr … Ich … Lasst mich doch erklären! Ich verlange einen gerechten Prozess!“ Das schiefe, fürchterliche Lächeln, das Wulfgar auf seinen Zügen spüren konnte, ließ ihm selbst das Blut in den Adern gefrieren. „In der Wildermark gilt das Faustrecht und mit Eurem wiederholten Verrat habt ihr jegliches Anrecht auf einen …“ Er spuckte das Wort förmlich aus. „ …Prozess verwirkt.“

Gisbert hob beschwichtigend die Hände. „Herr Nordfalk, ich bitte Euch … ich kannte Euren Vater! Er war ein großer, gerechter Mann.“ Wulfgar öffnete einen der Beutel an seinem Waffengurt und zog etwas daraus hervor, dass er dem Flehenden zuwarf. Einen kleinen blutverkrusteten, hölzernen Falken. „Aber mich …“ zischte Wulfgar. „Mich kennt ihr nicht.“
Session: Der Zug der Fürstin - Garadan - Monday, Aug 07 2017 from 9:00 PM to 12:00 AM
Viewable by: Public
0 comments
Tags: Background
Epic!
Regenwolken
Heerlager des Talfer Bundes, Wildermark, in den letzten Tagen der Rondra 1033 BF

Wulfgar gähnte herzhaft und ohne sich die Mühe zu machen, um seine offensichtliche Erschöpfung hinter vorgehaltener Hand zu verbergen. Er hatte den Drang lange genug in den erschöpfenden Gesprächen und Diskussionen mit ihren Verbündeten niederkämpfen müssen, um sich jetzt nicht diesen kleinen Ausdruck seiner schlechten Kinderstube, noch dazu demonstrativ vor seinem Onkel, zu erlauben. Er erwartete förmlich eine Schelte von Willbrecht Helmisch, aber augenscheinlich kämpfte sein hochgewachsener, massiver Onkel selbst mit einer durchdringenden Müdigkeit, die ihn sich nur mühsam von der grob gezimmerten Bank erheben ließ. „Ein langer Tag …“ grunzte sein Onkel missmutig. „Nun, sagt nicht dass ihr anderes erwartet hättet, Ohm.“ schmunzelte der schmutzigblonde Weidener und strich sich mit Belustigung durch den ungleich dunkleren Bart, der nach den vergangenen Tagen der Ruhelosigkeit wieder der Sorgfalt eines zurechtstutzenden Messers bedurfte. Die Müdigkeit bemächtigte sich selbst des Lächelns seines Onkels, das sich fast beiläufig auf seine faltigen Züge stahl. „Nun, zumindest hast du deine Unterstützung. Versorgung und Entsatz vor Talf sind für die Monde bis zum Wintereinbruch gesichert.“ Wulfgar streckte sich, reckte die schmerzenden Glieder und schmunzelte schelmisch. „Dann hat sich das Sitzfleisch doch ein weiteres Mal bewiesen. Auch wenn Geduld und stundenlange Diskussionen wohl eher weniger zu den Qualitäten des stolzen Weideners gehören …“ Sein Onkel brummte grollend und überging den kleinen Seitenhieb, den Wulfgar in einer gewissen Ironie auch gegen sich selbst gerichtet hatte. „Ab einem gewissen Alter sollte man den gestandenen Recken aus dem Norden in ein kleines hübsches Zimmer mit Blick auf den Markt sperren und ihn die wie Raben stehlenden Straßenkinder zeternd und mit erhobener Faust vertreiben lassen. Ich dachte aber, dass es Euch auch durchaus gefallen könnte, diesem hier an dieser Tafel nachzukommen. Nur dass die Straßenkinder in diesem Fall selbstgefällige Fürstenthronanwärter, Barone und eingeschüchterte Vögte waren.“

„Überspann den Bogen nicht, Wulfgar.“ Rumpelte Willbrecht, in tief brummendes Gelächter gehüllt. „Natürlich würde ich wie zu jeder Zeit lieber Orkschädel spalten …“-„Oder an den Äpfel aus Valnas Küche naschen …“ fiel dem weißhaarigen Weidener sein Neffe ins Wort. „Wobei, vermutlich eher an den prallen Melonen …“ Willbrechts Gelächter rollte wie der ferne Donner des Gewitters, der sich über der Ebene und im Osten zu unheilvoll auftürmenden Wolkenbergen zusammenzog, durch das Zeltinnere. „Nun ist aber genug, du Schandmaul. Halt die Backen oder ich beraube dich jeglicher Autorität, wenn ich dich vor dem Zelt über’s Knie lege und mal wieder ordentlich vertrimme.“ Wulfgar hob beschwichtigend die Hände und verzog die Lippen zu einem süffisanten spitzbübischen Grinsen. „Verurteilt nicht den Boten, Ohm. Der verlässlichste Zeuge sind Eure eigenen hungrigen Blicke. Wer könnte solch reizvoll gefüllten Obstkorb auch verschmähen?“ Trotz weiterhin unverändert gemessenen Schrittes, mit dem sich Wulfgar auf den Tisch und die darauf angerichtete Schale mit Äpfeln und Birnen zuhielt, beeilte er sich das große, wuchtige und mit Karten bedeckte Hindernis zwischen sich und seinen Onkel zu bringen. Willbrecht Helmisch war gewiss kein Mann leerer Drohungen und noch weniger einer, der sich von seinem neunmalklugen Neffen auf der Nase herumtanzen ließ. Zumindest nicht immer. Das schüchterne, klassischer Weidener Minne entlehnte Geturtel zwischen Valna Arwulf und dem alten Recken diente ihm immer mal wieder als geeigneter Aufhänger, um seinen Onkel aus der Reserve zu locken und seine altersbedingte Ungeduld und sein Handeln durchdringende Müdigkeit zumindest zeitweise aufzulösen. Einer der Gründe, warum Wulfgar auch darüber nachdachte, ihn als Statthalter Zweimühlens in seiner Abwesenheit abzulösen. Während sein Bruder Avon gegen die Orks und dämonisches Gezücht ins Felde zog, übertrug er wie schon all die Jahre zuvor die Verwaltung des Lehens von Moosgrund an Willbrecht, der sich dieser zuweilen recht undankbaren und wenig abwechslungsreichen Aufgabe ohne Murren annahm. Doch als Avon vom Schwertzug nach Warunk nicht zurückgekehrt war und seinen Bruder mit Ardariel und Wulfgar alleine zurückgelassen hatte, hatte er sich verflucht, dass er nicht an seiner Seite gestanden sondern sich im beschaulichen Weiler am Pandlaril den Arsch breitgesessen hatte.

Wulfgar wollte es ihm nicht zumuten noch einmal in eine vergleichbare Situation zu geraten, wenn er und seine Gefährten in der Wildermark gegen die Feinde des Reiches ritten und ihn im Unklaren über Pergamenten brütend in die Schreibstube und den Pallas verbannten. Auch wenn ihn der Gedanke schmerzte, hatte Wulfgar über die Jahre hinweg zu erkennen gelernt, dass Willbrecht keinesfalls stille Vorwürfe an den Geist seines gefallenen Bruders in seinem Herzen trug, sondern vielmehr selbst den für die meisten, die keiner kriegerischen Profession nachgingen, absonderlichen Wunsch hegte, einst sein Leben für etwas Größeres zu opfern als dem Lauf der Dinge folgend schließlich dem friedlichen Schlaf des stummen Herrn den Vorzug zu geben. Und je älter er wurde, umso ferner glaubte er sich der Hoffnung noch einen würdigen Rahmen für einen letzten Dienst an Rondra finden zu können. Andererseits rang dieser altertümliche Antrieb in Willbrecht mit dem Umstand, dass sich der im Alter ergraute Ritter keinesfalls vom Wunsch beseelt einen heldenhaften Tod zu finden kopflos in gefährliche Situationen stürzte, sondern er es vielmehr weiterhin als seine vorrangige Aufgabe erachtete seine Nichte und seinen Neffen nach Kräften zu unterstützen. Und das Wissen weiterzugeben, dass er im Lauf der Jahre über Adelspolitik, Verwaltung und die Kunst der mittelreichischen Diplomatie angehäuft hatte.

Wissen von unschätzbarem Wert für Wulfgar, der im Gegensatz zu Ardariel mehr Zeit mit den als klassisch erachteten Waffengattungen auf dem Übungshof der Akademie von Baliho als zum Unterricht in der Schreibstube der Moosgrunder Burg verbracht hatte. Seine Schwester war von den Göttern durch das Recht der Erstgeborenen für die Fortführung des Lehens und das Tragen des Titels ausersehen worden, ihm legten sie den Griff des Schwertes selbst in die Hände und bestimmten, dass er allein entscheiden möge, wohin er dessen Klinge richtet und mit welcher Überzeugung im Herzen er in die unausweichlichen Schlachten schreitet. Eine vage Bestimmung, mehr ein freundschaftlicher Schubser, während der Vater seinem eingeschüchterten und verunsicherten Sohn ein „Mach was draus.“ über die Schulter ins Ohr raunt. Aber auch die Freiheit sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Nur fehlte ihm dadurch, gerade zu Beginn ihrer Zeit in Zweimühlen, der Zugang zu den einfachsten Prinzipien und Grundlagen der Verwaltung und Herrschaft. „Das Richtige“ lag nicht immer in der Schnittmenge seines eigenen, von Avon geprägten Gerechtigkeitssinnes und dem was das Schollen- und Adelsrecht vorsah und der Begriff erwies sich als äußerst dehnbar gerade an einem Ort wie der Wildermark. Ohne Willbrecht und die Bücher, die ihm Corellian nach seinem Tode vermacht hatte, hätte er es vermutlich niemals geschafft, dass tatsächlich Recht und Ordnung in Zweimühlen Einzug gehalten hatten. Wackelig zwar und bisweilen geleitet von seinem eigenen Bauchgefühl, aber immerhin.

Wulfgar nahm den locker geschnürten Beutel und seine Pfeife von dem eher beiläufig und schludrig zusammengefalteten Wappenrock, den er auf einen der um den zentralen Tisch verteilten Hocker verbannt hatte und fischte etwas von dem bereits im Lauf der vergangenen Tagen an Menge erheblich zusammengeschrumpften Krauts aus den Tiefen des abgegriffenen Leders. Sein Ohm hatte Wulfgars letzte schnippische Bemerkung einfach übergangen und nippte an seinem Wasserschlauch, während er langsam zum Zelteingang schlurfte und einen Blick nach draußen warf. Es war dunkler geworden und ein noch sehr verhalten an der Zeltplane zupfender Wind kündigte Regen oder zumindest ein Unwetter an. In der vorabendlichen Hitze hielt sich die Betriebsamkeit und Hektik innerhalb des Lagers in Grenzen. Die Soldaten und Mitglieder des begleitenden Trosses zogen es vor, wenn ihnen keine unmittelbar zu erledigenden Aufgaben zugeteilt waren, im Schatten der von den Zelten abgespannten Tücher bis zum Absinken und Verschwinden von Praios‘ sengendem Auge auszuharren und nach Möglichkeit Kräfte zu sparen. Sein Neffe folgte ihm und lehnte sich gegen eine der Zeltstangen im Eingang, während er das feine Kraut in den Pfeifenkopf stopfte. Die Stirn unter den langen, blonden, im Moment zu einem kräftigen Zopf in seinem Nacken gebändigten Haaren zerfurcht von Sorgenfalten, nahm der junge Mann die dunklen Wolkenberge in Augenschein, die sich über dem Osten zu grotesken, hoch aufragenden Formen auftürmten. „Es bedarf keiner Hexe, um uns zu verraten, dass es regnen wird … und das vermutlich nicht zu knapp.“ knurrte Willbrecht trocken. „Dem Boden wird es gut tun … wenn es lange genug regnet, dass er das Wasser auch aufnehmen kann.“ bemerkte Wulfgar, bezweifelte aber, dass der rissige, von der Hitze ausgedörrte und festgetretene Staub im Lager überhaupt etwas davon aufnehmen würde. Stattdessen würden sich die Pfade zwischen den Zelten vermutlich bis zum Mittag in eine einzige große und unwegsame Schlammpfütze verwandeln. „Sofern nicht bereits geschehen, gebt bitte nachher die Order aus, dass jeder im Lager seine Strohmatratzen und Schlaflager aufbocken soll. Gleiches gilt für Kleidung, Waffen und Rüstzeug.“ Sein Ohm nickte, ein süffisantes Schmunzeln konnte er sich jedoch nicht verkneifen. „Dann war es doch nicht ganz umsonst, dass dich die Heldentrutzer an den vorlauten Ohren durch die Wildnis am Rand der Schildlande geschleift haben.“ Ein schiefes Grinsen schlich sich über Wulfgars Mundwinkel, gefror aber schnell wieder zu einer Maske der Besorgnis, die sich schon zuvor über seine Züge gelegt und einen düsteren Schatten über seine Miene geworfen hatte.

Etwas, das Willbrecht Helmisch keineswegs entging. „Aber der Regen ist deine geringste Sorge, hab ich recht?“ Wulfgar nickte langsam, fast schwerfällig und seine Augen wanderten in Richtung der Reichsstraße, die sich in der Ferne wenige Meilen vor Talf das sanft ansteigende Hügelland emporwand und gen Gallys führte. „Aruna und die Anderen jagen einen unbestimmten und von Answin beschworenen Zweifel … wer sagt uns, dass von Rabenmund sie nicht wissentlich auf eine falsche Fährte und in die Höhle des Drachen gelockt hat, um die Stärkung unserer Position nach dem Sieg gegen den Falkenbund gleich wieder einzudämmen?“ – „Der Glaube daran, dass auch Answin in diesem Zweckbündnis zumindest für den Moment einen notwendigen Verbündeten gegen Ucurian gefunden hat? Daran, dass er einen Gesichtsverlust vor dem Haus Bregelsaum ebenso fürchtet wie die Unberechenbarkeit eines Weidener Vogts, der ihm schon beim ersten Aufeinandertreffen bewiesen hat, dass er vor einer Demonstration der Macht nicht einfach einknickt?“ Wulfgar blieb ihm eine Erwiderung schuldig und zündete die Pfeife an. Mit einem tiefen, erschöpft klingenden Seufzen ließ er den Rauch durch seinen Mund und die Nasenlöcher entweichen. „Jene, die schon Umgang mit euch pflegten und euch begegnet sind, sehen in euch längst nicht mehr die jugendlichen Emporkömmlinge und Nichtdarpatier. Sie sehen und bewerten das, was ihr in diesen zwei Götterläufen alles erreicht habt. Ob sie es wollen oder nicht, ihr werdet in den Jahren, die da kommen, eine wichtige Rolle bei der Befriedung der Wildermark einnehmen. Und jetzt da der Nordmarken-Konflikt beigelegt ist, wird sich auch Kaiserin Rohaja selbst diesem Schandfleck neben dem Herzen des Reichs annehmen. Vielleicht nicht sofort, aber in absehbarer Zeit.“
Wulfgar brach sein Schweigen mit langsamer, schleppender Stimme. „Wir … haben das nie gewollt. Sind hier geradezu hereingestolpert. Der Finstermann, die Blutkerbe und jetzt das unvermittelte Auftauchen einer Fürstin, das alles, was wir hier auf die Beine gestellt haben, ins Wanken bringt. Mir schlug zugegeben das Herz bis zum Hals, als der Bote vom Auftauchen des Heereszuges vor Talf berichtete. Und davon, dass ihr ihm in vorderster Front begegnet. Das war kein simples Säbelrasseln, der Falkenbund war bereit Blut zu vergießen, wenn ihr seinen Forderungen nicht Folge leisten würdet.“ Er bedachte seinen Onkel mit einem eindringlichen Blick. Seine blauen Augen sprühten vor Zorn, auch wenn sein Gesicht auf bedrohliche Art und Weise regungslos in seiner Ernsthaftigkeit erstarrt blieb. „Es geht ihnen immer noch nur um die Macht … nur um die Titel … die verfluchten Ländereien. Die Schlacht auf dem Mythraelsfeld hat so viele Streiter, jegliche Ordnung und Wehrheim in den Flammen vertilgt und alles, wonach ihre Erben streben, sind die Reste des gleichen schon längst verbrannten Kuchens. Und wer hält für seine Ränkespiele den Schädel hin? Esra, Paske, Aruna und Eldrinn … nicht Answin sind dem Falkenbund nachgeritten. Er hat lediglich die Saat des Zweifels gestreut und darauf gesetzt, wie viel uns an der zeitweisen Stabilität und dem Frieden in der Mark gelegen ist. Im schlimmsten Fall stehen sie im Regen, während ein von Rabenmund bei einem Glas Wein im Trockenen sitzt und einen möglichen Erfolg gegen einen Anderen tauscht, wenn wir dadurch geschwächt werden oder unser guter Leumund Schäden davonträgt.“ Willbrecht nickte langsam und er musterte seinen Neffen lange schweigend, während dieser mit verschränkten Armen an seiner Pfeife schmauchte. Wulfgars Kiefer mahlten unentwegt und er kaute, den Blick in die Ferne gerichtet, unruhig auf dem hölzernen Mundstück herum.

„Du machst dir Sorgen um sie.“ Willbrecht warf seine Vermutung in die auffrischende Brise, welche an den vor dem Zelt gestellten Banner nach der langen Windstille fast liebevoll zupfte, als wolle sie die darauf eingestickten heraldischen Figuren zum Tanz auffordern. „Sie sind meine Freunde. Im Osten jenseits von Talf gibt es nicht viele, die sich mit unserer Freundschaft brüsten und sie folgen einem Feind, den wir alle noch kaum einschätzen können. Sollte die Täuschung jedoch auffliegen, droht Ucurian nicht nur der Gesichtsverlust … auch viele seiner Verbündeten werden sich von ihm abwenden. Und vielleicht auch von seiner richtigen Tochter und deren Ansprüchen, auf die er so pocht. Wenn ihm das wirklich so viel bedeutet, weiß ich nicht, wie weit dieser Mann zu gehen bereit ist, wenn er derer habhaft wird, die drohen der Wahrheit gefährlich nahe zu kommen oder diese gar aufzudecken.“ Er spürte wie sich die Hand seines Ohms auf seine Schulter legte. „Ganz gleich, was Answin damit zu erreichen glaubt, deine Freunde haben sich aus freien Stücken entschieden zu gehen. Sie können und werden diese Entscheidungen selbst treffen. Lade dir nicht noch mehr Verantwortung auf, indem du dich mit der Sorge um ihr Wohlergehen umtreibst. Du weißt, dass sie gut auf sich selbst aufpassen können.“ Der alte Ritter stieß Wulfgar aufmunternd den Ellbogen in die Rippen und er zwinkerte verschmitzt. „Du hast dir da ein verrücktes Weibsbild angelacht, Neffe. Eine mit Schneid, fürwahr. Mit ihrer Rede vor den Talfern hat sie sich meinen Respekt erworben und sie wird ganz sicher nicht auf den Moment verzichten wollen, indem du ihr diesen Umstand eröffnest?“

Alter Narr, dachte Wulfgar in einem Anflug von Erheiterung. Nur der Respekt der Donnerin selbst galt für seine Löwin, für niemand anderen würde sie auch nur einen Finger rühren, um sich dessen Respekt zu erarbeiten. Alle Taten stehen für sich. Alle Wege führen zurück zu dem einen Punkt, an dem sich der Krieger, ein Kämpfer immer selbst messen lassen muss. In seinem Herzen. Er hob den Blick zum Himmel. Zu den dunklen Wolken, die jetzt begleitet von einem leise einsetzenden Prasseln die Regentropfen, den sie in ihrer Schwärze trugen, zögerlich in den Wind streuten. Wulfgar erinnerte sich daran, wie er sie schweren Herzens hatte ziehen lassen. Gerade und insbesondere Aruna, die von Anfang an Paskes Tatendrang in dieser Angelegenheit kaum zu teilen schien und sich nur durch Esras Einwirken dazu erweichen ließ ihnen für eine Art schlimmstmöglichen Ausgang Schwert und Schild in diesem Plan zu sein und sie letztlich doch zu begleiten. Behüte sie, Herrin von Donner und Sturm, murmelte die Stimme in seinem Schädel nachdenklich. Das hier ist kein Schlachtfeld mit dem sie vertraut sind. Es ist ein Sumpf des Verrats und der Lügen. Beschütze sie alle vier. Und bring sie zurück nach Zweimühlen. Ganz gleich, was auch passiert, es wird nur ein bitterer Vorgeschmack dessen sein, was uns alle hier in den kommenden Götterläufen noch erwarten wird. Er ballte die Hände zu Fäusten und das Leder seiner Handschuhe knarrte. In seiner inneren Unruhe, der Ungewissheit, zählte Geduld noch weniger zu seinen Stärken. Donner grollte über der weitläufigen, von sanft ansteigenden Hügeln übersäten Ebene. So sehr ihn diese Erkenntnis auch schmerzte … es lag nicht in seiner Hand. Mit unbewegter Miene verfolgte er, wie sich das Treiben zwischen den Zelten unter Murren und Klagen, aber auch nicht selten begleitet von Gelächter unter die aufgespannten Zeltplanen verlagerte, über die Abspannleinen zum Trocken geworfene Wäsche eilig abgezogen und ins Zeltinnere verfrachtet wurde und die wenigen Wachhabenden jetzt mit übergeworfenen Teermänteln über die nur langsam aufweichenden Wege stapften. Alles, was sie jetzt tun konnten, war warten. Er hasste warten. Aber noch mehr hasste er die Ungewissheit ...

Session: Der Zug der Fürstin - Die Windkönigin - Monday, Jul 10 2017 from 9:00 PM to 12:00 AM
Viewable by: Public
0 comments
Tags: Background
Epic × 2!
Der Talfer Bund
Der ungleichmäßige Tritt seiner Stiefel durch das inzwischen niedergetretene, sich aber Nacht für Nacht trotzig erneut erhebende Gras, ließ die Platten seiner Rüstung klappern und die gespannten Lederriemen knarren, als würden sie ihren Verdruss über die frühmorgendliche Bewegung zum Ausdruck bringen. Auf der Baernfarn-Ebene, die sich von hier nördlich bis zu den Ausläufern der Wutzenmark spannte und sich im Osten bis nach Gallys spannte, glitzerte der morgendliche Tau, der die in sattem Grün leuchtenden Halme benetzte, im Licht der sich besonnen erhebenden Praiosscheibe. Würde nicht die erwachende Geschäftigkeit des erwachenden und nur einen Steinwurf entfernten Talf zu ihm herüberschwappen und sich mit dem murmelnden Stimmengewirr, dem Klirren von Ketten und Waffen, kurz dem aufkommenden Lagerlärm, vermengen, hätte er die Aussicht wohl genossen. Es hätte ihn an seine Zeit nahe der Grünen Ebene und nördlich von Donnerbach erinnert, als er noch ein junger Grenzreiter gewesen war. Eine gefühlte Ewigkeit war das jetzt her. Im Moment konnte er nur durch die Gassen zwischen den wie willkürlich aus dem fruchtbaren Boden gesprossenen Zelten und Feuerstellen sowie der notdürftigen Palisade aus angespitzten, schräg in den Boden gerammten Holzstämmen erahnen, wie sich das hügelige Weideland mit den vereinzelten Imkerhöfen dahinter ausbreitete. Aber er war in seinem langen Leben weit genug gereist, als dass seine Vorstellung die dadurch bedingten Lücken wie von selbst auffüllte. Jenseits der grasenden, an Pflöcke gebundenen Pferde und der Schlange zu dieser frühen Stunde nur hinlänglich bewaffneter Männer und Frauen, die sich am Zelt bei der Essensausgabe versammelten oder keuchend schwere Bottiche mit frischem Wasser zwischen den Zelten herumtrugen, während sie andere, die ihre Wäsche zwischen den Zeltstangen aufhingen, spöttelnd anfeuerten, ruhte zusammengerollt wie ein Hund, der noch in der wärmenden Nähe des Kamins selig schlummerte, der neue Tag und damit auch seine neuen Prüfungen und Herausforderungen, welche die Zwölfe für sie ausersehen hatten. Verborgen im Dunst, dem gemächlich aufsteigenden Morgennebel.

Für einen Augenblick glitt sein Geist zurück zu längst vergangenen Tagen. Mehr als zwanzig Jahre war es jetzt her, seitdem er zum letzten Mal ein Heereslager durchschritten hatte. Natürlich war das kein Vergleich zu den mehreren Dutzend Zelten, die kaum Kampf- oder Marscherfahrene hier in lockerer Ordnung hinter der zusätzlichen und eilig ins Erdreich gestemmten Palisadenreihe hochgezogen hatten … damals waren es fast 15000 Soldaten aus allen Teilen des Mittelreiches gewesen, alleine über tausend Reiter und Dutzende von Rittern und Rondrianern mitsamt Gefolge. Es war das größte Heer und auch die größte Schlacht gewesen, die er jemals in seinem Leben gesehen hatte. Er zog damals unter dem Banner Rondreds Donnerklinge von Salzsteige, der viele Jahre später der Schwertvater seiner geliebten Nichte Ardariel werden sollte, und es war sein letzter, großer Ritt im Schatten des Bären. Graf Helme Haffax und König Brin von Gareth hatten damals die Truppen in die verzweifelte letzte Schlacht gegen die Schwarzpelze auf den Silkwiesen geführt und das ganze Mittelreich war ihrem Ruf gefolgt. Das Lager glich in seiner Hektik und dem Gedränge auf den sorgsam, aber wie mit einem aufgrund der gebotenen Eile von zittriger Hand geführten Lineal gezogenen Zeltgassen einer ganzen, waffenstarrenden Stadt und war erfüllt von der Aufregung, dem Gefühl der Bedrohung durch die dumpfen, hohlen Trommelschläge der nur wenige Meilen entfernt lagernden Orks und zugleich einer fast greifbaren Hoffnung, die durch die Anwesenheit legendärer und schlachterfahrener Helden geschürt wurde. Das Fahnenmeer in dem die größtenteils schlicht und einfarbig gehaltenen Großzelte ertranken, war unbeschreiblich. Banner, Wimpel und Wappen aus allen Teilen des Reiches. Bär und Wolf Seite an Seite mit Greifen, Löwen und Füchsen sowie unzähligen Spielarten fantasievollerer Wappentiere. Er bekam noch heute eine Gänsehaut, wenn er sich daran erinnerte, wie sich die schwere Reiterei mit donnerndem Hufschlag über die Hügelkuppe auf das Schlachtfeld ergoss und den Blick auf die wogende Flut der Schwarzpelze, deren vereinzelt aus der Masse aufragenden Oger und ihre eigene, krude Reiterei freigab. Willbrecht selber auf Graf Siegward, gedrängt zwischen die mächtigen Streitrösser der Weidener und Tobrischen Ritterschaft, die flankiert vom IV. Kaiserlich und Königlichen Garetischen Garderegiment und dem Garderegiment Raul von Gareth, die mit angelegten, blitzenden Lanzen direkt auf die dichtgedrängten Reihen der Orks und damit den Wall aus kruden Speeren, wild gezackten Schwertern und Äxten zusprengten.

Damals war alles noch so einfach gewesen, zumindest gefühlt. Die Orks, wenngleich auch von fürchterlicher und feiger Gerissenheit und brutaler Entschlossenheit getrieben, auf der einen und sie, die letzte Verteidigungslinie des Mittelreiches vor den Toren Gareths auf der anderen Seite. Er fuhr sich mit der behandschuhten Hand durch den vollen, weißen Bart und nickte, während ein Lächeln seine Lippen umspielte, einer jungen Soldatin zu, die gerade einen ausgemergelten, streunenden Hund mit Kochlöffel und Topf von dem krude getürmten Stapel von Schüssel und den daran klebenden Essensresten verscheuchte. Sie stammelte ein bemühtes „Gu … guten Morgen, Herr von … Moosgrund!“ und errötete in Verlegenheit, als sie sich der Tatsache gewahr wurde, dass sich Löffel und Topf beim Versuch zu salutieren durchaus als hinderlich erweisen könnten. Mit einem gütigen Schmunzeln, dass seinen faltigen und aufgrund der im letzten Moment zersprengten Schlacht mit dem Falkenbund ruhelos wirkenden Zügen etwas von der Spitzbübigkeit verlieh, die er so oft auch aus dem Gesicht seines Neffen zu lesen vermochte, befreite er sie von der Sorge sich ungebührlich zu verhalten. Er war nie der Schleifer gewesen, den sich Avon vielleicht manchmal als Vormund für seine Kinder gewünscht hatte … möglicherweise war es aber auch genau diese ruhige, beharrliche Weidener Art gewesen, von der sein Bruder sich erhofft hatte, dass zumindest Teile davon auch auf den jungen Wulfgar und seine ältere Schwester Ardariel übergreifen würden. Rondred Donnerklinge hatte sie mit dem Holzschwert durch den Burghof gejagt und sie alles über den ehrbaren Kampf mit der Waffe des Adels gelehrt, was ihre Körper damals zu stemmen vermochten. Sie bestraft, wenn sie sich wieder mit den Stallburschen gerauft oder eigenmächtig Ausflüge ins Moosgrunder Umland unternommen hatten, während er sich hinter Bittschriften, Urkunden und einer Unterzeichnung harrenden Erlässen vergraben und um die Verwaltung des kleinen Lehens gekümmert hatte. Und der Wulfgar und Ardariel süße Stückchen aus der Küche gebracht hatte, wenn Rondred sie wieder zum Stallausmisten verdonnert hatte.

Er duckte sich mit einem verhaltenen Seufzer ob der nötig geworden Verbeugung unter einem allzu nachlässig gespannten und tiefhängendem Zeltvordach durch und wich damit einer die Zeltgasse verstopfenden Ansammlung von leicht gerüsteten Mitgliedern der Zweimühlener Landwehr aus, die eine der Patroullien der Talfer Garde abgepasst hatten und sich scherzend und gelöst über Neuigkeiten aus dem Umland unterhielten. Natürlich hätten die Gerüchte spätestens bis zum nächsten Markttag in Zweimühlen die Runde gemacht, aber die Gesprächsfetzen, die an sein Ohr drangen, klangen eher nach einem lebensfrohen Ausdruck der großen Erleichterung, die mit der im letzten Moment abgewendeten Schlacht einhergegangen war. Innerlich hallte immer noch das Wimmern und Jammern, das Klagegeheul und Schluchzen nach, dass ihn damals eingehüllt und nach der Schlacht wie benommen zwischen den Zelten hatte umhertaumeln lassen. Orientierungslos, wie betäubt und zwischen alleine aufgrund ihrer bloßen Anzahl und Vielzahl verwischten Gesichtern der Vorbeistreifenden auf der Suche nach seinen Waffenbrüdern und -schwestern umherstolpernd. Er zweifelte nicht daran, dass es hier nicht anders gewesen wäre, wenn der Tag einen anderen Verlauf genommen hätte. Doch die Götter hatten Gnade gezeigt und alle Seiten vor großem in seinen Folgen unabsehbarem Blutvergießen bewahrt. Kein offener Krieg zwischen dem Falkenbund und Zweimühlen, sondern letztlich nur das Rasseln mit zweifelsohne geschärften Säbeln.
Etwas, dachte er sich, als er auf das große, schwarz und gold gekachelte Turnierzelt zuhielt, vor dem zwei junge Frauen in Kettenhemden zwei Pferde, einen großen gescheckten Warunker und einen einen elegant tänzelnden schlanken und gleichzeitig muskulösen Rappen, am Zügel hielten und hier in der jungen Morgensonne offensichtlich der Rückkehr ihrer Lehnsherren harrten. Die kleinere der beiden, eine Frau mit einer streng geschnittenen Topffrisur, deren Haare im Schein von Praios Antlitz golden über dem Wappen mit dem darpatischen Stierkopf leuchteten, musterte ihn, ohne eine Miene zu verziehen. Die zweite, eine vom Feuer geküsste Jungfer, auf deren blasser Haut zahlreiche Feenküsse sprossen, hielt die Augen strikt auf den Zelteingang gerichtet, während ihre behandschuhte Hand auf dem Schwertgriff an ihrer linken Seite lag. Eine goldene Scheibe prangte auf dem grünen Wappenrock, den eine goldene Borte umrahmte. Vor dem Zelteingang hatten zwei Soldaten Zweimühlens Stellung bezogen, ein älterer, an den Schläfen bereits ergrauender Mann mit sorgsam gestutztem Bart und kurzem Bürstenschnitt und eine junge unscheinbare Frau mit schulterlangem braunen Haar und einer hässlichen Hasenscharte über dem linken Mundwinkel. Beide trugen Kettenhemden und den gelben Wappenrock mit den beiden roten Mühlrädern und an der Seite ein Kurzschwert. An ihrer Haltung hätten Offiziere der alten, inzwischen fast vergessenen Wehrheimer Schule sicherlich das eine oder andere auszusetzen gehabt, aber die Wachsamkeit, mit der sie ihn in Augenschein nahmen, verriet dass sie sich auf einem guten Weg befanden. Gemäß ihrer Befehle trat der Ältere beiseite und die junge Frau schlug die Zeltplane zur Seite, um ihm Zutritt zu verschaffen und unterstrich dies mit einem knappen Nicken.

Als er sich unter dem gekachelten Stoff hindurchduckte, benötigten seine von der schlaflosen Nacht noch müden Augen einige Sekunden um sich an das Dämmerlicht im Zeltinneren zu gewöhnen, das nur durch eine Öffnung im Zeltdach und zwei weitere in der Zeltwand vom Morgenlicht gespeist wurde. Weit heruntergebrannte, nur noch trotzig flackernde Kerzen stemmten sich in wachsverkrusteten Zinnhaltern auf dem großen Holztisch in der Mitte des Raumes gegen das Zwielicht, in dem mehrere schemenhafte Gestalten über Karten und zahllose Schriftstücke, die dort verteilt lagen, gebeugt standen. „… in der hinteren Wutzenmark. Die Reiter sollen jegliche Bewegungen entlang der Grenzlinie zu Gallys beobachten. Es ist unwahrscheinlich, aber sicherlich nicht ausgeschlossen, dass von Eulenberg Teile seiner Truppen abspaltet, um festzustellen, wie lange der Verbund hier lagert.“ Wulfgar wischte mit dem Finger über die fleckig gepunktete Grenzlinie im Osten, die das Drei-Baronien-Eck zwischen Gallys, Zweimühlen und Grassing teilte. Die ruhige, im Vergleich zu dem Grollen seines Neffen fast leise wirkende Stimme von Answin dem Jüngeren von Rabenmund antwortete ihm als erste. „Mit Eurer Erlaubnis, Herr von Moosgrund, könnten ausgesuchte Späher meines Banners eure Kontingente aufstocken und den Bereich, den sie abdecken können, erweitern.“ Obwohl er inmitten der hochgewachsenen Krieger wie Wulfbrandt von Rosshagen, Praiodan Bernfried von Bregelsaum und Wulfgar selbst, fast schmächtig wirkte, verlangte ihm der in eine prächtig verzierte, brünierte Plattenrüstung nach Garether Machart gehüllte Mann mit den hageren, glatt rasierten Gesichtszügen Respekt ab. Er konnte seinen Finger nicht darauf legen, was genau es war, was ihm dieses Zugeständnis entlockte, aber der Baron von Bröckling war ein Musterbeispiel für den alten Schlag des darpatischen Adels, dessen berühmt-berüchtigter Vorfahr vor einigen Jahren noch das Mittelreich in eine seiner schwersten Krisen gestürzt hatte. Kompromisslos, stolz und standesbewusst hatte er unter dem alten Ochsenbanner einige der ältesten wenngleich auch nicht zwangsläufig einflussreichsten Häuser der Mark um sich gescharrt. Auch wenn er hier gönnerhaft und als Förderer des neuen Gleichgewichts in der Mark auftrat, wusste Willbrecht, dass ihn die Fortschritte des Falkenbundes gerade unter dem Bekanntwerden der Rückkehr der „Fürstin“ unter Zugzwang gesetzt hatten.

Wulfgar hatte die Stirn in Falten gelegt und nahezu unmerklich streifte sein kurzer Blick in die Runde auch ihn, seinen Ohm. Offensichtlich genügte das, um ihn in seiner stummen, selbst gefällten Entscheidung zu bekräftigen. „Unser Dank für Euer großzügiges Angebot, Euer Hochgeboren, aber seid versichert, dass unsere Grenzreiter in der notwendigen Anzahl das uns wohlvertraute Gelände überwachen. Noch vor unserem Aufbruch in Zweimühlen habe ich entsprechende Anhebungen angeordnet und veranlasst.“ In seinem Lächeln, dass sein schlohweißer, wallender Bart und der Schatten, in dem er sich zum größten Teil noch befand, verbargen, spiegelte sich der ehrliche und aufrichtige Stolz auf seinen Neffen wider. Wulfgar hatte in den vergangenen Monden viel gelernt und in Momenten wie diesen, war es ihm, als würde er das leibhaftige Abbild von Avon dort zwischen Baronen und selbsterklärten Fürsten stehen sehen. Natürlich verfügte Zweimühlen bei der Stärke mit der sie hier auf dem Feld erschienen waren weder über die Mittel noch über die freien Kräfte, um das weitläufige Gelände alleine abzudecken, der Vogt von Zweimühlen hatte jedoch erkannt, dass dies der falsche Rahmen war, um eine solche Schwäche vor einem möglichen künftigen Konkurrenten einzuräumen geschweige denn ihm einen tieferen Einblick in die östlichen Grenzlande der Baronie zu gewähren. Nicht wenige hätten in dieses großzügige Hilfsangebot eingewilligt, aber es war ein nicht ungefährliches Geplänkel zwischen den Zeilen, dass ihm wieder ins Gedächtnis rief, worum es sich bei dieser Zusammenkunft wirklich handelte. Ein loses Zweckbündnis, dass nur die Machtdemonstration gegenüber einem gemeinsamen Feind zusammenhielt, der seine eigene politische Karte jetzt um einige unvorhergesehene und schwer zu durchschauende Seilschaften ergänzen musste.

Answin senkte kurz sein Haupt zur Erwiderung auf Wulfgars respektvolle Absage und seine schmalen Lippen spannten sich zu einem dünnen, aber keinesfalls unfreundlichen Lächeln. „Ich werde meine Truppen täglich um eine Anzahl von 3-4 Reitern verringern, die morgens im Rahmen und Anschein eines Patroullienrittes aufbrechen und nach Bröckling zurückkehren. Durch die Häufung an Plünderungen nahe der östlichen Grenze zu Wutzenwald durch die Bande von Sharkush Morchai sehe ich mich gezwungen hier zu Gunsten unserer eigenen Grenzsicherung von einer längeren Stationierung abzusehen. Die gestellten Zelte werden wir jedoch bis zum ganzheitlichen Auflösen des Feldlagers hier zurücklassen, um Spione, die sich vielleicht unter die Flüchtlinge aus Gallys oder Wutzenwald gemischt haben, über unsere tatsächliche Stärke im Unklaren zu lassen.“ Wulfgar nickte und ließ seinen Blick zu Praiodan Bernfried von Bregelsaum gleiten, der neben Willbrecht und Helmbrecht von Weihenhorst aus Goldweiler der Älteste hier im Zelt war, sich aber hier mit seiner aufrechten Haltung und seiner strengen, autoritären Ausstrahlung sichtlich nicht unwohl zu fühlen schien. Auch er war ein sprichwörtliches, aber in keinster Weise abschätzig betrachtetes Relikt aus älteren Zeiten, der noch das alte Darpatien erlebt hatte und auch einen Teil dieses alten, vergessenen Glanzes in dieses Zelt und die Reihen der größtenteils jüngeren und bei weitem weniger namhaften Würdenträger des in jüngster Zeit als „neues Herz der Mark“ bezeichneten Landstriches trug. Männer wie Erlan von Dunkelstein-Schnattermoor oder auch Brunerich Eichblatt sahen zu ihm auf. Es war abzusehen, dass das Haus Bregelsaum eine gewichtige Rolle bei der Befriedung der Mark zukommen würde. Zudem verhielt sich sein Haus weitaus weniger expansionistisch als die untereinander auch noch zerstrittenen Teile des Hauses Rabenmund und verzichtete in diesem Zusammenhang auf die durchaus nicht seltenen und berechnenden Provokationen an ihre direkten Anrainer. „Wir werden bleiben. In Angesicht unserer Waffenbrüderschaft hier auf den Feldern vor Talf und der Tatsache, dass auch meine hochgeschätzten Nachbarn hier geeint stehen, trage ich die Hoffnung im Herzen, dass unseren Grenzen augenblicklich keine anderen Gefahren drohen, welche den Abzug meines Heerbanns begründen könnten.“

Seine geschätzten 30 Reiter, darunter bestimmt ein Dutzend Ritter mitsamt Gefolge waren ein über ein bloßes Lippenbekenntnis hinausgehendes Versprechen an den Talfer Bund und unterstrichen seine Ambitionen den Falkenbund an einer weiteren Eskalation an der Reichsstraße zu hindern. Aber es war bei weitem nicht alles, was der einflussreiche Baron ins Feld führen könnte. Auch hier schwang also eine versteckte Drohung mit, die aber weniger gegen Dergelsmund und von Rosshagen als vielmehr gegen von Rabenmund und die zurückliegenden Nickeligkeiten gerichtet war, die jetzt mehr noch als sonst als unnötige Nebenschauplätze begraben werden sollten. Ein kurzer aber eindringlicher Appell ohne Säbelrasseln oder beleidigende Schuldzuweisungen. Willbrecht war beeindruckt. Wulfgar ließ die Dankbarkeit gegenüber dem Baron von Königsweber in einem freundlichen Lächeln durchschimmern und ließ die Worte von Praiodan kurz nachwirken, bevor er selbst wieder das Wort mit wieder in Ernsthaftigkeit erstarrender Miene ergriff. „In Absprache mit Talf und den übrigen Mitgliedern des Städtebundes werden wir eine Verstärkung der dauerhaften Präsenz an der Reichsstraße in Erwägung ziehen. Angesichts der noch ungeklärten Zugrichtung von Sharkusch Morchais Mordbrennern und der ungewissen Loyalität der Baronie Gallys, auf die der Falkenbund zumindest soweit Einfluss auszuüben vermag, dass sie ihm Durchzugsrechte gewähren, erscheint mir dies als das Mindeste, was wir tun können, um den gegenwärtigen Status der Stadt Talf zu wahren und den freien Handel über die Reichsstraße zu sichern.“ Wulfgar richtete sich auf und verschränkte die Arme hinter dem Rücken. Der Stahl der Plattenteile seiner Rüstung glomm matt im Kerzenschein und im flackernden Lichthof schienen sich die Flügel der Gravur des herabschnellenden Falken, der seinen bartbewehrten Plattenkragen zierte, zu bewegen. „Die Zweimühlener Landwehr wird die kommenden beiden Tage gemeinsam mit unseren Verbündeten hier für ausgiebige Waffenübungen nutzen und dann wieder abziehen. Bis die Lage sich weiter entspannt hat, werden wir hier jedoch den grundlegenden Lagerbetrieb aufrechterhalten und in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des Städtebundes für eine ausreichende stehende Besetzung und gesicherten Nachschub sorgen …“ Genaue Zahlen gab er nicht preis, aber es war zu erwarten dass das Klären dieser offenen, ungestellten Frage auch Bestand der anstehenden Gespräche mit ihren Bundgenossen sein würde. Wulfgar wusste, dass der Kostenpunkt dieser Unternehmung, zu der er sich gezwungen sah, nicht unerheblich sein würde und er warb deshalb offensichtlich um die Unterstützung ihrer Verbündeten. In gewisser Weise pochte er auch darauf, aber das würde er später erst im Gespräch mit den Einzelnen hervorheben. Wenn der Städtebund von Zweimühlen sich wirklich als Machtfaktor beweisen wollte, dann war jetzt der Moment gekommen, um zusammenzurücken. Zweimühlen konnte diese Last nicht alleine schultern.

„Wir verfolgen die weiteren Schritte des Falkenbundes mit gesteigerter Wachsamkeit und Sorge ob der kursierenden Gerüchte um die Rückkehr und den Zug der Fürstin, unser größtes Augenmerk gilt allerdings unserer von der Kaiserin höchstselbst bescheinigten Souveränität und des Fortbestehens der gezogenen Grenzlinien. Alles, was hier, auf diesem Feld geschehen ist, war eine Machtprobe des Falkenbundes. Es wäre töricht anzunehmen, dass die Bedrohung hiermit auf Dauer abgewendet ist, jedoch hat der gestrige Tag uns eine Erkenntnis gebracht, die nicht mit Gold aufzuwiegen ist. Wenn die hart erkämpfte Stabilität und der ohnehin unsichere Frieden dreist auf die Probe gestellt werden, stehen wir zusammen.“ Und mit einem Ausdruck ehrlicher Dankbarkeit wandte er sich mit einer Verbeugung direkt an die Barone von Bröckling und Königsweber, aber auch an Goldweiler, das sich erst jüngst dem Städtebund angeschlossen hatte. „Oder rücken zusammen.“
Session: Der Zug der Fürstin - Der Tanz auf der Klinge - Monday, May 29 2017 from 9:00 PM to 12:00 AM
Viewable by: Public
0 comments
Tags: Background
Epic!
Pointer-left Serveimage2_thumb

Ish
Posted in PhD&D
Another Day's Story
Ish lived a typical childhood among his people. His days where spent playing, exploring, performing chores, and learning the skills necessary to survive on the cold steppe. At night he often sat by a campfire listening to bards bring the stories of the Charamesh to life.

As an adolescent Ish became a "runner", carryng messages between clan encampments, raiding parties and their scouts. It was also at this time that Ish began to experience intense nightmares involving Gruumsh, He Who Never Sleeps. In these nightmares Gruumsh would always show Ish visions of a calamity that would someday befall his clan. When he woke Ish would always forget the details of these prophetic nightmares, but still feel deeply disturbed by them. By the time he was a young adult Ish could no longer ignore what seemed like a direct warning from Gruumsh. Not long after the start of his twentieth year he set out West in the hope of discovering the meaning of his dreams, as well to sate his growing curiosity about the world that existed beyond the Great Wastes.

A little over two years into his journey Ish made camp after a long day of foraging and hunting. As he lay down to rest he stared at the starry sky above him and felt more at peace than he had in a long time. Though Gruumsh still came to him in his dreams, as he does to all Orcs and half-Orcs, Ish hadn't had a nightmare in weeks. He fell asleep thinking of the open road ahead of him.

He awoke later inside a Drow slave pen, surrounded by strangers, somewhere in the Underdark.
Viewable by: Public
0 comments
Tags: Background
Epic!
← Previous 1 3 4 5 6 7 8 9 29 30